Emotion beeinflusst Gedächtnis: 3D-Grafik eines Hirns (Bild: imago/Alexander Limbach)
Bild: imago/Alexander Limbach

Interview | Gefühle & Gehirn - Wie beeinflussen Emotionen das Gedächtnis?

Manche Dinge erinnern wir das ganze Leben. Anderes vergessen wir. Welche Rolle Gefühle und die Psyche beim Erinnern haben, können Sie hier nachlesen.

Die bestandene Führerscheinprüfung oder der 60. Geburtstag - es gibt Ereignisse im Leben, an die sich Menschen gut erinnern können. Manche bleiben ein Leben lang im Kopf - selbst bei Demenz.
 
Und dann gibt es Sachen, die regelrecht aus dem Gedächtnis verschwunden sind, die wir vergessen. Prof. Dr. Lars Schwabe, Professor für Kognitionspsychologie an der Universität Hamburg, weiß, warum an diesem Prozess Emotionen einen großen Anteil haben. Wir haben nachgefragt.

Wie wirken sich Emotionen aufs Erinnern aus?

Da gibt es ganz unterschiedliche Effekte. Einerseits wissen wir, dass emotionale Inhalte oder Erlebnisse generell deutlich länger erinnert werden, also eine längere Stabilität oder Erinnerungsfähigkeit haben.
Damit ist verbunden, dass sie zum Teil auch als lebendiger wahrgenommen werden. Das ist aber wirklich nur der subjektive Eindruck.
 
Wenn man sich die objektive Qualität der Erinnerungen anschaut, dann sieht man, dass sie mitunter auch ein Stück weit unschärfer sind. Das ist zunächst erst mal bezogen auch die Gedächtnisbildung für emotionale Erinnerungen.
 
Zudem weiß man, dass der Abruf von Erinnerungen, sozusagen die Erinnerungsleistung, durch Emotionalität beeinflusst wird. Da ist es so, dass sehr starke emotionale Erregung, zum Beispiel Stress, sich eher nachteilig auf den Gedächtnisabruf auswirkt. Das führt dazu, dass wir uns zum Beispiel an stressige Situationen weniger erinnern, das kennt man vielleicht aus Prüfungssituationen.

Mehr rund um die Psyche

RSS-Feed
  • Bildüberlagerung einer Frau, die nach links und rechts schaut (Bild: unsplash/Christopher Ott)
    unsplash/Christopher Ott

    Fragen & Antworten zu psychischen Störungen 

    Psychose - Auslöser, Symptome & Hilfe

    Stimmen hören, Halluzinationen, Realitätsverlust - das Bild der Psychose in der Öffentlichkeit ist so verschieden wie die Erkrankung selbst und löst vor allem Ängste aus. Die rbb Praxis beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Störungsbild: seine Anzeichen, Ursachen und mögliche Hilfen.

  • Besorgte Frau am Telefon (Quelle: colourbox)
    colourbox

    Hotlines & Hilfe 

    Wenn die Angst lähmt – hier gibt es Hilfe

    Was, wenn aus dem Konflikt in der Ukraine ein Krieg wird? Nicht nur ältere Menschen sorgen sich, fühlen sich unsicher und hilflos, haben Angst. Wie können wir damit umgehen? Wo gibt es Unterstützung, wenn die Bedrohung übermächtig zu werden scheint? Hier eine Liste mit wichtigen Hilfsangeboten.

  • Arzt verschreibt Medikament (Quelle: imago/blickwinkel)
    imago/blickwinkel

    Interview | Medizinische Versorgung 

    Psychische Probleme - was kann der Hausarzt leisten?

    Für Patienten ist er in der Regel erster Ansprechpartner: der Hausarzt. Das gilt auch bei psychischen Problemen. Doch was können Hausärzte bei psychischen Problemen tatsächlich leisten? Über den Behandlungsspielraum, aber auch dessen Grenzen spricht der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.  

  • Magersucht: Bild zeigt junge magersüchtige Frau. Sie ist so dünn, dass die Brustwirbel herausstechen. (Quelle: imago/YAY Images)
    imago/YAY Images

    Essstörung 

    Magersucht | Ursachen, Symptome & Behandlung

    Magersucht (Anorexia nervosa) gehört zu den Essstörungen. Wir klären auf über Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von Magersucht.

  • Dunkelhaarige Frau schaut in Ferne (Bild: unsplash/Kirill Balobanov)
    unsplash/Kirill Balobanov

    Interview l PMDS ist nicht immer eine Krankheit 

    Wenn der Zyklus die Stimmung beeinflusst

    Betroffene gelten häufig als neurotisch, zickig oder aggressiv: Frauen mit einer schweren Form des prämenstruellen dysphorischen Syndroms (PMDS). Es entsteht durch ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone nach dem Eisprung. Wie Frauen ein PMDS erkennen und welchen Zusammenhang es zwischen Zyklus und Depressionen gibt, haben wir Expertin Prof. Dr. Stephanie Krüger gefragt.

     

  • Einsamer Wanderer im Hoody vor Bergen (Bild: unsplash/Matt Sclarandis)
    unsplash/Matt Sclarandis
    44 min | UT

    rbb Praxis Feature 

    Krank durch Einsamkeit - Wege aus der Krise

    Einsamkeit - ein Gefühl, das immer mehr Menschen kennen und das krank machen kann. Mögliche Folgen sind z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz oder Depressionen. Experten warnen: Der "Risikofaktor Einsamkeit" ist so gefährlich wie Alkoholsucht oder Übergewicht. Was führt raus aus der Spirale? Wir haben in Berlin & Brandenburg Antworten gefunden.

  • Zwei lachende Männer laufen Weg entlang (Bild: imago/Westend61/)
    imago/Westend61/

    Interview l Einsamkeit macht krank 

    Soziale Kontakte schützen das Gehirn

    Wer einsam ist, fühlt sich häufig ziemlich mies; isoliert, ohne sich selbst befreien zu können. Das macht krank: Wer einsam ist, hat sogar ein größeres Risiko früher zu sterben. Für den Wissenschaftler und Psychiater Prof. Dr. Mazda Adli ist klar: Soziale Kontakte schützen vor vielen Krankheiten - zum Beispiel vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz.

  • Von fliegenden Büchern umgebene Frau wirft Haare nach hinten (Bild: unsplash/Lacie Slezak)
    unsplash/Lacie Slezak
    7 min

    ADHS bei Erwachsenen - Besser spät erkannt als nie

    Das Aufmerksamkeitsdefizit wird selten diagnostiziert, dabei sind etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Dabei kann ADHS mit gutem Erfolg behandelt werden.

  • Mann mit Post-Its auf Kopf und Körper lehnt an Wandecke (Bild: unsplash/Luis Villasmil)
    unsplash/Luis Villasmil

    Interview l Wie Dauerstress Körper & Psyche schädigt 

    "Wer Dauerstress hat, muss die Frage des Lebens beantworten"

    Jeder hat mal Stress - das ist an sich nicht schlimm. In manchen Situationen kann er uns sogar aufmerksam machen und helfen. Problematisch wird es allerdings, wenn Menschen unter Dauerstress leiden. Was dann im Gehirn passiert und welche Folgen Dauerstress für Körper und Psyche hat, haben wir den Neuroendokrinologen und Autoren Prof. Dr. Achim Peters gefragt.

  • Mann sitzt nachts auf Bettkante (Bild: imago/PhotoAlto)
    imago/PhotoAlto

    Interview l Wie psychische Belastungen Schlaf stören 

    Wenn der Stress den Schlaf raubt

    Wen den ganzen Tag der Stress treibt, den verfolgt er manchmal bis ins Schlafzimmer. Die Folge: Schlafprobleme. Das können Probleme beim Einschlafen sein, aber auch nächtliches Aufwachen. rbb Praxis hat mit dem ärztlichen Psychotherapeuten Dr. Dirk Reinecken darüber gesprochen, wie Stress den Schlaf beeinflusst und wie Betroffene einen entspannten Schlaf finden können.

  • Frau im Karateanzug steht in Kampfstellung (Bild: unsplash/Thao Le Hoang)
    unsplash/Thao Le Hoang

    Druck kompensieren, Stress bekämpfen 

    7 Tipps: Wer Stress hat, kann aktiv werden!

    Stress hat jeder - die gute Nachricht: Jeder kann dagegen etwas aktiv unternehmen. Die rbb Praxis hat Tipps zusammengestellt, mit denen sich der Alltagsstress ein wenig reduzieren lässt.

  • Person mit ausgestreckten Armen steht bei Ebbe am Strand vor Sonnenuntergang (Bild: unsplash/Mohamed Nohassi)
    unsplash/Mohamed Nohassi

    Interview l Selbstwirksam gegen Stress 

    Meditation: Befreiung aus dem Gedankenkarussell

    Stress versetzt Körper & Geist in Leistungsmodus - und macht auf Dauer krank. Meditation soll helfen: Denkenrasen oder Grübeln mal abstellen, ganz im Hier und Jetzt sein. Das klingt gut. Aber wird man davon wirklich entspannter? Und wie schafft man es in Ruhe zu kommen und an… ja, an was eigentlich zu denken? rbb Praxis-Reporterin Carola Welt hat den Psychotherapeuten, Yoga- und Meditationslehrer Steffen Brandt befragt.

  • Glücklicher Mann atmet tief ein in der frischen Luft (Quelle: Colourbox)
    Colourbox

    Interview | Achtsamkeitstrainer Jochen Strauch 

    Mindfulness und Meditation sind eine Lebenshaltung

    Stressreduktion durch die bewusste Akzeptanz des eigenen Ichs im Hier und Jetzt. Wie das durch Achtsamkeitstraining funktioniert, warum auch Kinder davon profitieren und wie Meditieren bestimmte Strukturen im Gehirn verändert. Darüber spricht: Jochen Strauch, zertifizierter MBSR-Lehrer und Theaterregisseur aus Hamburg.

     

  • Mann auf Wiese hält Kopf in den Händen (Bild: unsplash/Francisco Gonzalez)
    unsplash/Francisco Gonzalez

    Interview l Hilfe bei Depression 

    Psychisch Kranke stärken: "Mein Beispiel zeigt, dass es gehen kann"

    Wer in Deutschland ambulante psychotherapeutische Hilfe sucht, wartet derzeit durchschnittlich 24 Wochen auf einen Therapieplatz. Fast ein halbes Jahr. Zu lange, findet Annegret Corsing. Sie hat mit dem sozialen Unternehmen "die erfahrungsexpert*innen" ein Hilfsangebot entwickelt, das diese Wartezeit überbrücken will. rbb Praxis-Autorin Ursula Stamm hat mir ihr gesprochen.

  • Frau liegt auf einem Bett (Bild: unsplash/Corina Rainer)
    unsplash/Corina Rainer

    Erkennen, behandeln, helfen 

    Raus aus der Depression: Endlich wieder leben

    Die Corona-Krise bringt uns an unsere Grenzen. Besonders belastend kann sie für Menschen mit Depressionen sein. Die sozialen Einschränkungen, damit verbundene Ängste sowie mangelnde Therapieplätze können die Erkrankung verstärken und mitunter regelrechte psychische Krisen auslösen. Doch es gibt wirksame Möglichkeiten zum Gegenzusteuern.

  • Frau mit geschlossenen Augen legt Hand an Brustbein (Bild: unsplash/Darius Bashar)
    unsplash/Darius Bashar

    Dossier 

    Empowerment gegen Stress

    Die Pandemie, der Job, Verpflichtungen bei Familie und Freunden - es gibt viele Quellen für Stress und baut sich der Druck immer weiter auf, stehen Körper & Psyche unter Dauerstrom. Kennen Sie das Gefühl von "Dauerstress"? Sind müde und ausgelaugt? Haben Schlafprobleme und alles ist Ihnen einfach zu viel? Unsere Empowerment-Beiträge sind gespickt mit Infos & Tipps für den Ausweg aus der Stressfalle! Klicken Sie sich zu mehr gesunder Energie.

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir starke Gefühle haben?

Das passiert eine ganze Menge: Es werden verschiedenste Hormone und Neurotransmitter, also verschiedenste Botenstoffe, ausgeschüttet. Ganz besonders wichtig sind hier Katecholamine, zum Beispiel Noradrenalin oder auch Dopamin.
 
Diese aktivieren verschiedene Hirnregionen. Wir wissen, dass die Amygdala eine ganz zentrale Region für die Emotionsverarbeitung spielt, aber auch für den Einfluss von Emotionen auf Gedächtnisprozesse. Die Amygdala ist sowohl wichtig für positive als auf negative Erfahrungen.
 
Es kommen aber natürlich auch noch weitere Regionen hinzu, wie zum Beispiel die Insula, die unter anderem die Erregungszustände auf der Peripherie repräsentiert, aber auch generell an der Emotionsverarbeitung beteiligt ist.
Zudem spielen Regionen der Basalganglien, wie zum Beispiel das ventrale Striatum eine wichtige Rolle, was vor allen Dingen auf Belohnungssignale stark reagieret.
 
Also das heißt, dass es bestimmte Regionen gibt, die die Emotionen ganz maßgeblich mitverarbeiten und dass die dann gedächtnisrelevante Hirnregionen, wie zum Beispiel den Hippocampus - der eine ganz zentrale Region ist für unser episodisches, alltägliches Erinnern ist - modulieren können. Man sagt, dass diese die Gedächtniseinspeicherung mitregulieren oder auch unterregulieren können.

Positiv vs. negativ: Mit welchen Emotionen setzt sich eine Erinnerung eher durch?

Wenn man es ganz allgemein anschaut, würde man sagen: Bei negativen Erfahrungen sind die Effekte noch etwas stärker. Die Einschränkung ist aber, dass das maßgeblich von der Intensität oder dem Erregungsniveau abhängig ist.
 
Also, wenn man jetzt ein sehr starkes, positiv konnotiertes Ereignis hat, wie zum Beispiel die Hochzeit oder den Geburtstag und das vergleicht mit eher alltäglichen Ärgernissen, dann ist sehr wahrscheinlich, dass diese positiven Ereignisse tatsächlich besser erinnert werden.
 
Wenn man jetzt ganz allgemein schaut, dann würde man sagen, dass eher die negativen Ereignisse erinnert werden. Aber noch mal: Das hängt nicht mit der [Wertigkeit] zusammen, sondern wahrscheinlich mit dem Erregungsniveau.

Werden emotional verknüpfte Erinnerungen länger im Langzeitgedächtnis gespeichert?

Also eine grundsätzliche Frage dazu ist, ob Erinnerungen überhaupt verschwinden. Es wird sehr häufig von dem Vergessen ausgegangen, jedoch wird in der Literatur relativ kontrovers diskutiert, inwieweit es wirklich ein echtes Vergessen gibt.
 
Wenn wir diese Frage ein bisschen ausklammern und uns die Erinnerbarkeit von Erfahrungen, die lange zurückliegen, anschauen, dann ist es so, dass emotional erregende Inhalte typischerweise länger auch bewusst erinnert werden, als nicht emotionale Inhalte.

Mehr zum Thema Gedächtnis & Demenz

RSS-Feed
  • Mann löst Kreuzworträtsel (Quelle: Colourbox)
    Colourbox

    Interview| Experten-Check 

    Demenz vorbeugen: Was hilft wirklich?

    Wie beuge ich einer Demenz vor? Wirksame Medikamente zur Prävention gibt es derzeit noch nicht. Dafür findet man im Netz jede Menge Empfehlungen – von Kurkuma-Latte bis Kreuzworträtsel. Aber was hilft wirklich? Dr. Péter Körtvélyessy hat für rbb Praxis den Experten-Check gemacht.

  • Gehirn geformt aus Puzzleteilen (Quelle: imago/Science Photo Library)
    imago/Science Photo Library

    Interview l Amnesie 

    Wenn das Gedächtnis vergisst

    Menschen mit einer Amnesie erinnern sich nicht mehr, wer sie sind, wen sie gestern getroffen haben oder wie ihre Kinder heißen. Die rbb Praxis hat mit Dr. Derek Ott über Gedächtnisverluste gesprochen. Der Neurologe arbeitet am Unfallkrankenhaus in Berlin Marzahn und trifft als Notarzt häufig Menschen mit Erinnerungslücken.

  • Zwei grafische Gesichter gucken sich an. Bei einem ist das Gehirn, beim anderen sind die Gehirnströme sichtbar (Quelle: colourbox)
    colourbox

    Interview 

    Gedächtnistraining: Kampf um die Erinnerung

    Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Jedes Jahr werden rund 40.000 Menschen neu mit der Diagnose konfrontiert und die Angst davor ist groß: Erinnerungen formen wer wir sind; das Gedächtnis macht uns selbstständig - wie kann man diese Fähigkeiten erhalten? Und vernachlässigen wir das Gedächtnis, wenn wir auf Google, Wikipedia & Co. zurückgreifen?

  • Frau sitzt auf Sofa und starrt abwesend in die Gegend, Mann steht hinter ihr hat die Hände auf ihre Schultern gelegt (Quelle: Colourbox)
    Colourbox

    Therapien können die Symptome lindern 

    Demenz – Verlust des eigenen Lebens

    Demenz ist die Krankheit des Vergessens: Zunächst vergessen Patienten Dinge, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden, später ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Demenzkranke können sich schlechter konzentieren, sie können Bewegungsabläufe nicht mehr koordinieren, sie werden zunehmend orientierungslos. Heilung ist nicht in Sicht, aber Therapien können die Symptome lindern.

  • Eine Krankenschwester betreut eine 90-jährige Frau in ihrer Wohnung (Bild: imago/epd)

    Tages-, Nacht- & Verhinderungspflege 

    Pflege in den eigenen vier Wänden

    Plötzlich geht es nicht mehr ohne Hilfe: Das Anziehen, Essen, der Haushalt, die Körperpflege gelingen nicht mehr alleine. Also muss Unterstützung her - durch Angehörige oder Pflegepersonal. Doch welche Unterstützung gibt es in der häuslichen Pflege? Und welche Möglichkeiten bieten die Tages-, Nacht- oder Verhinderungspflege? Die rbb Praxis klärt auf.

  • Blick von unten in Gesichter von Ärzten in einem OP (Bild: imago images/Panthermedia)
    imago images/Panthermedia

    Verwirrtheit nach OP: Delir 

    "Die großen Gefahren des Delirs: Demenz und Pflegebedürftigkeit"

    Immer mehr ältere Menschen werden operiert. Jeder Eingriff bedeutet ein Risiko - für Verwirrtheit, auch Delir genannt. Die Folgen können gravierend sein: Betroffene haben Schwierigkeiten, in den Alltag zurückzukehren, werden öfter pflegebedürftig und müssen ins Heim. Wie können postoperative Delirs verhindert werden? Die rbb Praxis hat nachgefragt.

Gefühle "erzeugen", um sich etwas zu merken - geht das?

Ist es möglich, Emotionen künstlich zu erzeugen, um sich Dinge besser merken zu können - also sozusagen eine künstliche Verknüpfung zu schaffen?
 
Ja, man kann auf jeden Fall emotionale Zustände herbeiführen, zum Beispiel mit Musik oder durch bestimmte Filmausschnitte. Oder man versucht, sich bewusst in vergangene Momente hineinzudenken.
 
Auch kleine Dinge, wie bestimmte Wörter können zu einer zusätzlichen Emotionalität beitragen. Dabei ist es aber auch wichtig, dass die Dinge, die wir lernen, und die Emotionalität direkt miteinander verbunden sind.
Zum Beispiel wissen wir, dass stressige Erfahrungen an sich besser erinnert werden, aber wenn wir was lernen, und dabei gestresst werden und der Stress mit dem Lernen überhaupt nichts zu tun hat, hat dies einen negativen Effekt.

Wie wirkt Stimmung auf Erinnerungsvermögen?

Ist es auch möglich, dass einem in einer positiven Stimmung eher schöne Sachen einfallen und in einer negativen Stimmung eher schlechte?
 
Das Zusammenspiel [der Stimmung], in der wir eine bestimmte Sache wahrnehmen und die Abrufsituation spielen eine Rolle.
 
Da gibt es ein Phänomen, das nennt sich moodcongruent memory.
Das bedeutet, wenn wir während der Lernerfahrung und während der Abrufsituation in der selben emotionalen Verfassung sind, kann sich das günstig auf die Erinnerungsleistung auswirken.
Unserer innerer Zustand und unsere Emotionalität ist ein Hinweisreiz.
 
Es gibt noch ein weiteres Phänomen, das nennt sich mooddependend memory.
Da ist es so, dass wir in einem bestimmten emotionalem Zustand typischerweise vermehrt Sachen erinnern, die zu diesem emotionalen Zustand passen.
Wenn wir besonders traurig gestimmt sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir negative emotionale Inhalte erinnern werden [Anm. d. Red.: Viele Betroffene bezeichnen das als Gedankenspirale oder Gedankenkarussell].
 
Das ist ein Phänomen, was auch im Kontext von Depressionen interessant sein könnte.

Herr Prof. Dr. Schwabe, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Laura Will.

Zum Weiterlesen

Frau in Trainingskleidung legt Finger an Stirn (Bild: imago/Westend61)
imago/Westend61

Interview l Hirn trainiert Körper - Neuroathletik: Mit Hirntraining Bewegung verbessern

Bewegung entsteht im Gehirn und wird von da gesteuert - im Umkehrschluss heißt das: Wenn das Hirn nicht optimal lenkt oder es ihm an Informationen dazu mangelt, wird Bewegung "suboptimal" oder gar einseitig und schmerzhaft. Daraus folgt der Ansatz für neurozentriertes Training: Mit dem Hirn kann man den Körper fit machen. Wie das genau funktioniert, haben wir Dr. Margrit Lock gefragt, Sportmedizinerin aus Berlin-Friedenau.

Frau sitzt auf Sofa und starrt abwesend in die Gegend, Mann steht hinter ihr hat die Hände auf ihre Schultern gelegt (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Therapien können die Symptome lindern - Demenz – Verlust des eigenen Lebens

Demenz ist die Krankheit des Vergessens: Zunächst vergessen Patienten Dinge, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden, später ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Demenzkranke können sich schlechter konzentieren, sie können Bewegungsabläufe nicht mehr koordinieren, sie werden zunehmend orientierungslos. Heilung ist nicht in Sicht, aber Therapien können die Symptome lindern.

Frau mit Erkältung liegt im Bett, umgeben von Erkältungsmitteln (Bild: imago/Shotshop)
imago/Shotshop

Unausgeheilte Erkältungen - Gefährliche Ungeduld: Der verschleppte Infekt

Gerade in kühlen Monaten sind Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit häufig. Laien sprechen von Erkältung, Medizinerinnen und Mediziner vom grippalen Infekt. Meist ist er harmlos und nach wenigen Tagen auskuriert, aber wer dem Körper zu wenig Regenerationszeit gönnt, kann den Infekt "verschleppen". In schlimmen Fällen können sogenannte Superinfektionen drohen oder Herz und Hirn befallen werden.

Subjektive von Mann in Hängematte mit Hund davor (Bild: unsplash/Drew Coffman)
unsplash/Drew Coffman

Auszeit für Körper & Geist - Urlaub zu Hause - so geht "Abschalten"

Die Urlaubsreise fällt in Pandemiezeiten flach und das Zuhause muss gerade alles sein: Büro, Kita, Klassenzimmer und Restaurant. Entspannung? Keine Spur. Doch genau die ist wichtig, um gesund zu bleiben. Und es klappt mit der Erholung zu Hause - wenn man ein paar Dinge beachtet ...