Handinnenfläche mit Ekzemen (Bild: imago images/Panthermedia)
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Interview l Handekzem - Wenn Hände waschen Schmerz auslöst

Händewaschen, Desinfektionsmittel und zu viel Zeit in feuchten Plastikhandschuhen - um der Hygiene willen setzen wir der Haut an den Händen gerade besonders zu. Im Extremfall oder bei empfindlichen Menschen führt das schnell zu Ekzemen - und damit noch mehr teils juckenden, teils schmerzenden Problemen. Das beobachtet auch die Dematologin Dr. Anya Miller aus Berlin-Charlottenburg. Was hilft und was schützt? Die rbb Praxis hat nachgefragt.

Unsere Hände sind in Coronazeiten besonderen Belastungen ausgesetzt - und die werden auch in Zukunft nicht nachlassen, wenn wir lernen, mit dem Virus zu leben. Wenn Hygiene aber sozusagen auf die Haut geht, kann das an den Händen zu Ekzemen führen, genauer dyshidrotischen Ekzemen: juckenden Hautausschlägen, gekennzeichnet durch Bläschen, Rötungen und Schwellungen.

Die Ursachen sind oft Allergien oder kleine Infektionen, z.B. auch mit Pilzen (Sporen tummeln sich gern in der feuchtwarmen Umgebung unter Plastikhandschuhen) - und ist die Haut durch zu viel Händewaschen ihrer natürlichnen Schutzschicht beraubt, geht das eben schneller. Wichtig sind vor allem: gute Pflege und gute Vorsorge.

Dr. Miller, in Corona-Zeiten sollen wir uns noch mehr als üblich die Hände waschen. Merken Sie Folgen hier in Ihrer Praxis?

Seit drei Wochen kommen die Patienten bei uns verstärkt an und klagen über Spannungsgefühl und über Juckreiz an den Händen. Das, was ich sehe, ist vor allem eine Rötung und Schuppung hier, in den Fingerzwischenräumen, zum Teil auch um die Nagelbetten. Und das zieht sich durchaus bis auf die Unterarme. Ja, wir sehen deutlich mehr Handekzeme. Als erstes kamen die, die das sowieso immer haben, und jetzt auch die, die sich häufig waschen.

Beim Handekzem ist aber wichtig, dass man einen Hautarzt aufsucht, wenn die Veränderungen nicht besser werden. Dann muss eine intensivere Behandlung mit kortisonhaltigen Cremes und ggf. austrocknende Maßnahmen bei Bläschen ergriffen werden. Manchmal ist eine systemische Therapie mit Tabletten erforderlich. Und natürlich muss vor allem nach der Ursache gesucht werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen Flüssigseife und dem normalen Seifenstück?

Es gibt Unterschiede, aber letztendlich ist das für die Wirkung des Händewaschens nicht ausschlaggebend. Man könnte überlegen, ob wir die Flüssigseife in dem Plastik kaufen oder ob wir das feste Seifenstück kaufen und damit vielleicht unsere Umwelt schonen.

Aber es bleibt ja oberstes Gebot: Händewaschen ist der beste Schutz.

Händewaschen gehört zum Schutz dazu. Wir sollten daran denken, dass wir auch immer wieder eben ins Gesicht fassen. Und wer es nicht gewöhnt ist, der fast im Moment mit Mundschutz erst Recht oft ins Gesicht, das heißt, man muss tatsächlich dann ans Händewaschen denken.

Wie also raus aus der Zwickmühle? Händewaschen ja - aber mit was? Was können wir benutzen, das vielleicht besser verträglich ist? Was empfehlen Sie?

Händewaschen ist gut - wenn möglich und wenn hoffentlich bald wieder vorhanden - ist eigentlich Desinfizieren sogar noch besser. Wir haben Desinfektionsmittel, die rückfettend sind - die benutzen wir in der Medizin auch. Und ansonsten immer daran denken: Eincremen gehört zum Händewaschen einfach dazu.

Und wenn ich unsere PatientInnen angucke, die Handekzeme haben aus Berufen, wo sie viel mit Desinfektionsmittel oder mit ständig Händewaschen zu tun haben - denen sagt die Berufsgenossenschaft: 20 - 30 Mal am Tag eincremen.

Wow, womit cremt man am besten?

Es gibt spezielle Handpflegecremes. Und hier haben wir zum einen welche, die für den Tag besser geeignet sind, weil sie schnell einziehen, weil sie einen Schutzfilm auf die Haut ausziehen.

Und zur Nacht braucht es dann Cremes, die etwas reichhaltiger sind. Die kann man dann mitunter auch mit solchen weißen Handschuhen anziehen. Einfach Baumwollhandschuhe, die gibt es in der Apotheke. Dick eincremen und dann diese Handschuhe obendrüber.

Prinzipiell kann man sagen: Je reichhaltiger die Handcreme ist - also schon beim Anfassen sähmiger, desto besser ist sie auch für die Haut. Desto mehr Fett und Feuchtigkeit gibt sie.
Vorsicht sollte man sein bei Produkten, die stark parfümiert sind. Kamille gehört einfach immer noch auf unsere Hitliste der Allergien ganz oben hin.

Danke, Frau Dr. Miller!
Das Interview führte Sybille Seitz

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