Symbolbild: Blutspende (Quelle: dpa/Wüstneck)
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Vorraussetzungen & Ablauf für Stammzellenspender - Blutstammzelltransplantation – was heißt es, Spender zu sein?

Eine Stammzelltransplantation ist oftmals die letzte Rettung für an Leukämie erkrankte Menschen, wenn sie nicht durch eine Chemotherapie geheilt werden können. Aber die Übertragung ist erst möglich, wenn sich ein geeigneter Spender findet. Dafür müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient*in fast komplett übereinstimmen. Je mehr Spender, desto größer die Wahrscheinlichkeit, auf den perfekten Match.

Wie werde ich Spender für Blutstammzellen?

Blutstammzellen darf jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren spenden. Dafür muss er einen Abstrich der Wangenschleimhaut abgeben. Bei der DKMS kann man sich solch ein Registrierungsset telefonisch oder per Mail bestellen. Den Wangenabstrich macht man selbst zu Hause und schickt das Röhrchen mit einem vorfrankierten Umschlag wieder zurück.

Was sind Blutstammzellen eigentlich?

Blutstammzellen sind die Mutterzellen aller Blutzellen. Aus ihnen entwickeln sich im Knochenmark rote (Erythrozyten) und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Blutplättchen (Thrombozyten).

Was ist eine Typisierung?

Bei der sogenannten Typisierung werden im Labor die Gewebemerkmale der Blutzellen anhand der Blut- oder Speichelprobe bestimmt. Dadurch wird deutlich, für welche Empfänger*innen die Zellen passen könnten. Sobald die Typisierung abgeschlossen ist, wird der Spendende in einer Datei registriert, meist bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS.

Verbleibt man immer in der Kartei, wenn man sich einmal gemeldet hat?

Der Spendende verbleibt in der Kartei, solange er oder sie bereit ist zu spenden. Spätestens mit dem 61. Geburtstag wird die Kartei gelöscht. Der Spender/die Spenderin kann sein/ihr Einverständnis zur Spende aber auch jederzeit vorher und ohne Angabe von Gründen zurückziehen.

Kann man aus heiterem Himmel zur Spende aufgerufen werden?

Wenn die Gewebemerkmale des Spendenden mit denen eines Patienten/einer Patientin übereinstimmen, wird man kontaktiert. Die Mitarbeiter*innen der Spenderdatei klären den Spendenden noch einmal über das Vorgehen auf. Sie oder er unterschreibt eine Einverständniserklärung und muss einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen.
 
Es erfolgt eine erneute Typisierung, bei der die Gewebemerkmale durch mittels Blutprobe nochmals bestätigt werden. Außerdem führt ein Arzt/eine Ärztin weitere Gesundheitsuntersuchungen durch, um beispielsweise Infektionen wie Hepatitis und HIV sicher auszuschließen.

Was kommt auf den Spender*innen zu?

Heutzutage werden Blutstammzellen in vier von fünf Fällen aus dem Blut gewonnen. Damit das möglich ist, bekommt der Spender ein paar Tage vor der eigentlichen Spende ein Medikament. Der Wachstumsfaktor G-CSF schwemmt die Stammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn aus. Die Spende selbst dauert zwischen drei und fünf Stunden. Eine Zentrifuge wäscht die Stammzellen aus dem Blut aus. Parallel bekommt der Spender/die Spenderin das Restblut über eine andere Armvene zurück. Sollte die Blutstammzellspende auf diesem Weg nicht gelingen, gewinnen Ärzt*innen die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark.

Erfolgt die Stammzellenentnahme per Operation?

Die Stammzellenentnahme erfolgt operativ. Dafür wird aus dem Beckenkamm ein Knochenmark-Blutgemisch entnommen, insgesamt rund fünf Prozent des Knochenmarks. Die Prozedur findet unter Vollnarkose statt und dauert etwa eine Stunde. Danach bleibt die Spenderin oder der Spender zwei, drei Tage in der Klinik. Es dauert zwei bis vier Wochen, bis sich ihr/sein Knochenmark wieder vollständig regeneriert hat.

Wann wird man zur Spende aufgefordert?

Wenn die Gewebemerkmale - das sogenannte HLA-System - möglichst vollständig mit denen eines Patienten übereinstimmen, wird man zur Spende aufgefordert. Denn nur dann fällt die körperliche Abwehrreaktion des Empfängers/der Empfängerin gering aus. Derzeit sind mehrere hundert Ausprägungen von Gewebemerkmalen und damit über 10.000 Kombinationsmöglichkeiten bekannt, so dass die Wahrscheinlichkeit für einen "genetischen Zwilling" relativ gering ist.
 
Bei etwa einem Drittel der Patient*innen sind Geschwister geeignete Spender*innen. Findet man innerhalb der Familie keinen geeigneten Spender*in, erfolgt die Suche über nationale und internationale Knochenmarkspenderregister. Die Wahrscheinlichkeit, dass die HLA-Merkmale zweier fremder Menschen nahezu übereinstimmen, reicht von 1:20.000 bis 1:mehreren Millionen.

Was ist das HLA-System?

Auf der Oberfläche weißer Blutkörperchen und vieler anderer Körperzellen befindet sich ein für jeden Menschen einzigartiger Spezialcode aus verschiedenen Eiweißmolekülen: das humane Leukozytenantigen-System (HLA). Durch sie unterscheidet das Immunsystem eigenes von fremdem Gewebe. Bei der DKMS werden die Spender in sechs transplantationsrelevanten HLA-Genorten typisiert: HLA-A, HLA-B, HLA-C, HLA-DRB1, HLA-DQB1 und HLA-DPB1. Eine vollständige Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spender*in und Empfänger*in wäre zwar ideal, kommt aber nur bei eineiigen Zwillingen oder Klonen vor.

Welche Patienten profitieren von einer Stammzelltherapie?

Das sind vor allem Patient*innen mit einer Leukämie, bei denen die bisherige Therapie erfolglos war oder die trotz Therapie einen Rückfall erlitten haben. Bei einer Leukämie entwickeln sich aus den Blutstammzellen falsche oder unausgereifte Zellen. Sie können nicht wie üblich die wichtigen Aufgaben für das Abwehrsystem und den Sauerstofftransport übernehmen.
 
Pro Jahr erkranken rund 11.000 Patient*innen an einer der verschiedenen Leukämie-Arten. Spezialisten setzen die Stammzellspende auch bei bösartigen Lymphomen ein, Neubildungen des lymphatischen Gewebes also. Dazu zählen Lymphknoten, Milz, Knochenmark und Tonsillen oder Mandeln.

Wie erfolgt die Stammzelltherapie?

Zunächst werden beim Patienten oder der Patientin das Knochenmark und die erkrankten Zellen mit Hilfe einer starken Chemotherapie - evtl. gemeinsam mit einer Strahlentherapie - zerstört. Die Patient*innen sind dadurch extrem anfällig für Infektionen. Diese Vorbereitungen starten etwa eine Woche vor der geplanten Transplantation.
 
Dann bekommt die Patientin/der Patient die gesunden Stammzellen über die Vene übertragen; das dauert etwa 30 Minuten. Die Stammzellen wandern ins Knochenmark ein, wachsen dort an und produzieren gesunde Blutzellen. Im besten Fall dauert es rund drei Wochen, bis sich die Blutwerte erholt haben.

Wie hoch sind die Heilungschancen der Erkrankten?

Bei 40 bis 70 Prozent der transplantierten Patient*innen verläuft die Behandlung erfolgreich. Die individuelle Überlebensdauer eines/r Einzelnen hängt vom Alter und dem Gesundheitszustand, vom Zeitpunkt der Transplantation, von der Art der zugrundeliegenden Erkrankung und von möglichen Komplikationen ab.

Welche Risiken birgt die Therapie?

Zum einen besteht die geringe Gefahr, dass das transplantierte Knochenmark nicht "anwächst". Und um die körpereigene Immunabwehr gegen die fremden Zellen zu unterdrücken, bekommen die Empfänger Medikamente, die das Immunsystem schwächen. Für die Patient*innen besteht dadurch längere Zeit eine erhöhte Infektionsgefahr. Es dauert etwa ein Jahr, bis das körpereigene Abwehrsystem wieder völlig intakt ist.

Infotext: Constanze Löffler