Frau putzt sich die Zähne (Quelle: imago/Peter Widmann)
Bild: imago/Peter Widmann

Zahn- und Mundhygiene - Zähne richtig pflegen

Zähne erfüllen nicht nur die Funktion der Nahrungszerkleinerung. Sie sind unser "Aushängeschild" nach außen, für die Stabilität der unteren Gesichtspartie zuständig und spielen eine wichtige Rolle bei unserer Artikulation und Aussprache. Umso wichtiger, die Zähne von klein auf richtig zu pflegen.

Die Zahnpflege sollte schon vor dem Durchbruch des ersten Zahnes beginnen. Der Bundesverband der Kinderzahnärzte empfiehlt: am besten von Geburt an den zahnlosen Kiefer der Kinder mit dem Finger oder einer weichen Babyzahnbürste sanft massieren. Babys sollten so schon vor dem ersten Zahn mit der Zahnbürste spielerisch vertraut gemacht werden. Sehen Eltern das erste Zähnchen, steht das Putzen an – ab dem ersten Milchzahn morgens und abends.

KAIplus-Systematik

Im Alter von zwei bis drei Jahren sollte Ihr Kind beginnen, sich zweimal täglich selbst unter Aufsicht die Zähne zu putzen – und dabei Stück für Stück erlernen, die Zähne von allen Seiten mit der Zahnbürste zu erreichen. Die meisten Zahnärzte empfehlen die so genannte KAIplus-Systematik. Hierbei werden zunächst die Kauflächen, dann die Außenseite und zuletzt die Innenseite der Zähne gereinigt. Zunächst den Mund weit öffnen und auf den Kauflächen mit kurzen Bewegungen hin- und herbürsten. Am besten im Oberkiefer beginnen, von hinten nach vorne und zurück. Dann die Zähne aufeinander stellen und die Außenflächen mit kleinen Kreisbewegungen putzen, dabei nicht zu stark aufdrücken. Anschließend die Innenflächen mit der senkrecht gehaltenen Bürste von Rot nach Weiß (Zahnfleisch zu Zähnen) streichend reinigen. Danach sollten Eltern die Zähne ihres Kindes von allen Seiten sauber nachputzen.

"Querputzen" - Putzen im rechten Winkel

Vorsicht ist geboten, wenn im Alter von fünf bis sechs Jahren in dem noch kleinen Kindermund jeweils hinter und unter dem Niveau des letzten Milchzahns der erste große bleibende Backenzahn oder "Schulzahn" auftaucht. Da kein Milchzahn dafür heraus gefallen ist, halten viele Eltern diese neuen Zähne für Milchzähne. Die natürliche Selbstreinigung ist während der Wachstumsphase sehr gering. Deshalb ist das Putzen der tiefen Rillen der Kauflächen besonders wichtig. Teile der Kaufläche können jedoch noch vom Zahnfleisch überdeckt sein. Herkömmliches Zähneputzen reicht dann zur Reinigung der neuen Backenzähne nicht aus. Hier sind Kinder und Eltern mit dem so genannten "Querputzen" gefordert.

"Das Beste, was Sie tun können, um die neuen Backenzähne Ihrer Kinder sauber zu putzen und vor Karies zu schützen, ist, die Zahnbürste im rechten Winkel zur Zahnreihe vor und zurück zu bewegen", empfiehlt Johanna Maria Kant, Präsidentin des Bundesverbands der Kinderzahnärzte (BuKiZ). Die Kinderzahnärztin warnt: bis zu 15 Prozent der Kleinkinder pro Geburtsjahrgang in Deutschland leiden an schweren Zahnproblemen, die zumeist auf eine falsche Putztechnik, aber auch auf eine zu süße Ernährung, insbesondere auf den Dauerkonsum gesüßter Getränke, zurück zu führen sind. Sobald Eltern die ersten Zahnspitzen der bleibenden Zähne sehen, sollten sie sich vom Zahnarzt das Querputzen zeigen lassen und die neuen Zähne mit einem Fluoridlack versiegeln lassen.

Die richtige Zahnpasta

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde empfiehlt: ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum Durchbruch des ersten bleibenden Zahnes sollten Zahnpasten mit einer niedrigen Fluoridkonzentration (0,05 % Fluorid = 500 ppm) verwendet werden. Dabei sollte bis zum zweiten Geburtstag nur einmal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Nach Durchbruch der ersten bleibenden Zähne (ca. sechstes Lebensjahr) kann dann mit einer Erwachsenenzahnpasta (0,10 – 0,15 % Fluorid = 1000 – 1500 ppm) mindestens zweimal täglich eine Zahnreinigung erfolgen. Da kleine Kinder noch nicht richtig ausspucken können, verschlucken sie einen Teil der Zahnpasta. Deshalb sollte bis zum zweiten Lebensjahr nur eine geringe Pastenmenge (ein dünner Film Zahnpasta auf der Zahnbürste) verwendet werden.

Als Rezept für gesunde Zähne von klein auf empfiehlt die Kinderzahnärztin Johanna Maria Kant: Kindern von Anfang an Spaß an der Zahnbürste vermitteln und sie die KAIplus-Systematik täglich üben lassen. Erst wenn Kinder die flüssige Schreibschrift beherrschten, seien sie jedoch rein handmotorisch in der Lage, für ihre sauberen Zähne selbst zu sorgen. Davor gilt für die Eltern: Nachputzen nicht vergessen!



Text: Nadine Bader