Baby liegt lachend auf Bett (Bild: imago/Westend61)
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Interview l Hautpflege bei den Kleinsten - Zart, zarter, Babyhaut

Die Haut ist das größte Sinnesorgan des Menschen. Bei Babys ist sie besonders empfindlich. Zur Hautpflege bei den Kleinsten gibt es viele Meinungen, aber kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie tut man der Babyhaut Gutes – und bei welchen Pflegemitteln sollte man vorsichtig sein? Die rbb Praxis hat mit Hautärztin Prof. Dr. Natalie Garcia Bartels über aktuelle Entwicklungen gesprochen.

Frau Prof. Garcia Bartels, wie empfindlich ist Babyhaut denn nun wirklich?

Auf jeden Fall ist sie empfindlicher als die Haut von Erwachsenen und kann äußere Einflüsse noch nicht so gut abpuffern. Die Oberhaut ist sehr dünn und enthält nicht so viel Fett wie Erwachsenenhaut. Sie kann Feuchtigkeit noch nicht gut speichern und trocknet schneller aus. Auch der pH-Wert ist nicht stabil. Dadurch wirkt der Säureschutzmantel nicht im vollen Umfang. Babyhaut ist deshalb anfälliger gegen äußere Reize: Krankheitserreger, UV-Strahlen und andere schädigende Faktoren dringen leichter ein.

Gibt es irgendwelche wissenschaftlichen Richtlinien zur Babypflege?

Nein, Leitlinien, wie wir sie von Hauterkrankungen wie Neurodermitis kennen, gibt es für die Babypflege noch nicht. Allerdings verstehen wir seit ein paar Jahren dank wissenschaftlicher Studien und Expertenempfehlungen zunehmend besser, wie wir Babyhaut bestmöglich pflegen.

Und, welche Pflege empfehlen Sie?

Wer will, der kann, muss aber keine Pflegeprodukte anwenden. In den ersten Lebenswochen reicht einfach nur klares Wasser zur Pflege. Es ist aber auch nichts gegen Babycremes und -badezusätze einzuwenden, wenn sie in der Zusammensetzung den Kosmetikrichtlinien für Babypflegeprodukte entsprechen

Den kleinen Neuankömmling zu baden gehört für viele Eltern zu den schönsten Momenten. Wie oft und wie lange dürfen Babys plantschen?

Früher rieten Hebammen und Kinderärzte zum täglichen Bad. Es wirke sich positiv aufs Wohlbefinden und den Herzschlag aus, so die gängige Meinung. Heute wissen wir, dass das tägliche Bad für die Babyhaut zu viel ist und die Haut eher austrocknet. Aber zwei oder drei Bäder pro Woche für je fünf bis zehn Minuten schaden den Kleinen nicht. Noch ein Tipp: Die Haut ist sehr zart, so dass reines Baden besser ist als das Rubbeln mit einem Waschlappen.

Hintergrund

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  • Wichtiges zur Hautpflege bei Babys

Wie genau wirkt Wasser auf Babyhaut?

Es verändert den pH-Wert. Nach dem Baden dauert es bis zu 30 Minuten, bis er sich wieder normalisiert. In dieser Zeit schützt der Säureschutzmantel nicht optimal und die Haut ist anfälliger. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum zu häufiges Baden die Säuglingshaut belastet.

Die Werbung preist Badezusätze an.

Nötig sind sie nicht, aber sie schaden der Reifung der Hautbarriere auch nicht. Allerdings sollten Eltern nicht ihren persönlichen Badeschaum verwenden, sondern spezielle Babyprodukte. Wer beim Baden noch nicht so geübt ist, verwendet besser kein Ölbad. Öle machen das Wasser "flutschig" und erschweren das Baden des Babys.

Und nach dem Baden? Babys lieben den körperlichen Kontakt. Sollen Eltern sie mit den bloßen Händen oder mit Lotion und Ölen massieren?

Nach dem Baden muss das Baby erst mal schnell und sanft abgetrocknet werden! Sonst kühlt es zu sehr aus. Beim Massieren sollten Eltern eine streichfähige Baby-Creme oder Lotion oder ein Baby-Öl verwenden. Das Eincremen unterstützt übrigens nicht nur die Barrierefunktion der Haut. Aus Untersuchungen wissen wir auch, dass spezielle Babymassagen die neurologische Entwicklung fördern.

Welche Öle empfehlen Sie? Olivenöl soll doch so gesund sein.

Olivenöl, das haben Hautforschungen herausgefunden, unterstützt die Regeneration der Hautbarriere nicht so gut wie andere Öle. Daher verwenden Eltern besser Sonnenblumen- oder Mandelöl. Aber halt – nicht einfach in den Küchenschrank greifen! Auch hier bitte nur Öle verwenden, die speziell für die Säuglingspflege hergestellt sind. Wer will, kann sich Öle in der Apotheke abfüllen lassen. Sie werden stärker auf Schadstoffe kontrolliert.

Einige Eltern befürchten, dass ihre Kinder an Neurodermitis erkranken könnten. Ließe sich das verhindern?

Kinder, deren Eltern an Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis leiden oder litten, haben in der Tat ein erhöhtes Risiko, eine Neurodermitis zu entwickeln. Der Grund: Sie entwickeln eher eine gestörte Hautbarriere. Die Haut trocknet schneller aus; Fremdstoffe, Allergene und Reizstoffe dringen leichter ein. Aktuell laufen groß angelegte Studien dazu, weil man vermutet, dass vorsorgliche, tägliche Hautpflege ab der Geburt mit geeigneten Pflegeprodukten die Hautbarriere stabilisieren und damit das Risiko für Neurodermitis senken könnte.

Hinweise dazu liefern bisherige Untersuchungen: Unter täglichem Eincremen verbesserte sich der Hautzustand der Kinder. Sie schliefen auch besser, wahrscheinlich, weil sie unter weniger Juckreiz litten und sich seltener kratzten. Wirklich finale Ergebnisse, ob die Kinder auch weniger Neurodermitis bekommen, stehen noch aus.

Die Studie bezieht sich auf Kinder, die zwar gefährdet sind, deren Haut aber völlig gesund ist. Was, wenn die Haut rau und trocken ist?

Bei offensichtlich trockener Haut empfehle ich, die Kinder ein- bis zweimal täglich mit einer geeigneten Babycreme oder -lotion zu pflegen. Im Sommer sind wasserhaltige Produkte geeignet, die leichter und streichfähiger sind. Jetzt, in den kühleren Herbst- und Wintermonaten, sollten Eltern Artikel wählen, die mehr Fette enthalten und dadurch etwas cremiger sind.

Was halten Sie von Feucht- und Öltüchern?

Für kommerziell erhältliche Öltücher haben wir keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Von Feuchttüchern wissen wir, dass sie im Vergleich zum Waschlappen oder einem selbst mit Öl benetzten Tuch die Hautbarriere im Genitalbereich und am Po nicht verändern. Eltern sollten dabei spezielle Babyprodukte benutzen und keine herkömmlichen Kosmetiktücher.

Beliebt ist bei vielen Eltern das Babyschwimmen. Es soll die motorische Entwicklung fördern und dem Kind wichtige Entwicklungsimpulse geben. Wie gut hält Babyhaut die Tauchgänge im Chlorwasser aus?

In einer Studie vor ein paar Jahren konnten wir zeigen, dass das Babyschwimmen den Kindern und ihrer Haut nicht schadet. Jene, die nach dem Babyschwimmen eine Babypflegelotion erhielten, hatten am Ende stabilere Hautbarriere als Säuglinge ohne anschließendes Eincremen. Und klar: Je kürzer der Aufenthalt im Wasser ist und je weniger Chlor das Wasser enthält, umso besser fürs Kind.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Constanze Löffler

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