Blutdruck messen (Bild: imago/Westend61)
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- Hochdruck schon in jungen Jahren

Bluthochdruck gilt als Gesundheitsproblem des mittleren und späteren Lebensalters. Doch auch Kinder und Jugendliche können schon einen zu hohen Blutdruck haben. Ursachen können zum einen Erkrankungen verschiedener Organe sein. Manchmal lässt sich aber keine dieser Erkrankungen diagnostizieren und dennoch sind die Werte zu hoch. 

Das Robert-Koch-Institut hat für den "Kinder- und Jugendgesundheitssurvey – KiGGS" in den Jahren von 2003 bis 2006 rund 17.600 Kinder und Jugendliche in Deutschland zu ihrem Gesundheitszustand befragt und körperlich untersucht. Gemessen wurde neben Größe, Gewicht und Body-Mass-Index auch der Blutdruck. Der wurde allerdings erst bei Kindern ab drei Jahren gemessen und übergewichtige Kinder wurden nicht berücksichtigt. Diesen Daten von rund 12.000 Kindern und Jugendlichen liefern die statistische Grundlage, um so genannte "Perzentilen" zu berechnen. Das sind Einteilungen in der Häufigkeit von bestimmten Blutdruckwerten abhängig von Alter, Geschlecht und Größe. Rechnet man diese Zahlen hoch und nimmt die so genannte 95 Prozent Perzentile als Grenzwert für zu hohen Blutdruck, haben rund 649.000 Kinder in Deutschland zu hohen Blutdruck, das entspricht etwa fünf Prozent der unter 18-jährigen. Nimmt man die Zahl der übergewichtigen Kinder hinzu, von denen durchschnittlich jedes vierte einen Bluthochdruck hat, dann sind die Zahlen noch deutlich höher.

Ob der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Bluthochdruck steigt oder im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen ist, lässt sich nicht sagen, weil vergleichbare Daten fehlen. Es läuft allerdings gerade ein zweiter Teil der KiGGS-Studie, deren Ergebnisse 2017 erwartet werden. Dann wird man solche Aussagen tatsächlich treffen können.

Für Kinder gelten andere Richtwerte

Die Grenzwerte, die für Erwachsene gelten, also ein Blutdruck von 140 zu 90 mmHg, gelten für Kinder und Jugendliche nicht. Für sie gelten deutlich geringere Werte; für einen achteinhalb jährigen Jungen mit einer Körperlänge von 134 Zentimetern, liegt der Grenzwert zum Beispiel bei 114 zu 73 mmHg. Den Blutdruck bei Kindern zu messen, ist gar nicht so einfach. Wichtig ist, dass das Blutdruckmessgerät für Kinder geeignet ist und die Blutdruckmanschette richtig passt. Es sollten immer mehrere Messungen durchgeführt werden, da die Werte, gerade bei Kindern, stark schwanken können. Gegebenenfalls ist eine 24-Stunden-Blutdruckmessung sinnvoll. Es gibt zwei Arten der Messung (auskultatorisch, oszillometrisch), die zu unterschiedlichen Werten führen können. Es ist also wichtig, bei Vergleichsdaten die Messmethode mit zu berücksichtigen.

Wenn der Körper sich verändert

Das Tückische am Bluthochdruck, dass man ihn nämlich nicht merkt, gilt meistens auch für Kinder und Jugendliche. Es gibt aber einige Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Lern- und Konzentrationsstörungen sowie Tinnitus, die auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen können. Auch wenn die Spätfolgen eines Bluthochdrucks wie Herzinfarkt und Schlaganfall bei Kindern und Jugendlichen nur sehr selten eine Rolle spielen, kommt es auch in diesem Alter schon zu körperlichen Veränderungen durch den Hochdruck: der Herzmuskel kann sich verdicken, es kann Veränderungen am Augenhintergrund geben und auch die Nieren können geschädigt und durchlässiger für Eiweißstoffe werden.

Ursachen für Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen

Liegt keine Erkrankung des Herzens, der Niere oder der Schilddrüse vor (sekundärer Bluthochdruck), dann spielen in der Regel Lebensstilfaktoren eine Rolle bei der Entwicklung eines Bluthochdrucks. Und über diese Faktoren kann der Blutdruck auch positiv beeinflusst werden. Sind Kinder und Jugendliche übergewichtig, dann stehen Gewichtsreduktion und eine gesunde, salzarme Ernährung im Vordergrund. Sport trägt wesentlich dazu bei, den Hochdruck zu senken. Hier empfehlen die Experten täglich 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung. Ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Nikotin und koffeinhaltige Energy-Drinks tragen ebenfalls zur Normalisierung des Blutdrucks bei. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können Kinder und Jugendliche mit hohem Blutdruck auch mit Medikamenten behandelt werden. Nicht alle Blutdruckmittel sind für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen zugelassen, aber die wesentlichen Substanzklassen ( ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Blocker, Kalziumantagonisten, Beta-Blocker) stehen für Kinder über sechs Jahren zur Verfügung. Für Kinder unter sechs Jahren ist nur Captopril aus der Gruppe der ACWE-Hemmer zugelassen. 

Zu viel "Energy" kann schädlich sein

Häufig unterschätzt wird die Wirkung von Energy Drinks auf das Herz-Kreislauf-System. Die kleinen Muntermacher enthalten vor allem viel Koffein. Koffein wirkt direkt auf den Herzmuskel und steigert dessen Aktivität. Der Herzschlag wird beschleunigt und der Blutdruck steigt. Dadurch kommt es zunächst zu einer Leistungssteigerung, die ja von vielen Konsumenten auch gewünscht ist. Doch unbegrenzt sollte dieser "Turbo-Mechanismus" nicht bedient werden, da ab einer bestimmten Menge von Koffein dessen Wirkung schädlich und sogar toxisch (=giftig) ist. So erklären sich auch die vereinzelten Todesfälle durch Energy Drinks, die zum Teil aber auch damit zusammenhängen, dass Jugendliche ein vorgeschädigtes Herz hatten.

Die nicht ganz so dramatischen Nebenwirkungen eines überhöhten Konsums von Energy Drinks bestehen in Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Halluzinationen und Krampfanfällen. Der Grenzwert für einen unbedenklichen Konsum von Koffein liegt für Kinder und Jugendliche bei 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine 250 Milliliter-Dose eines Energy-Drinks enthält durchschnittlich 80 Milligramm Koffein. Wiegt ein Jugendlicher 50 Kilogramm, so hat er mit zwei Dosen dieses Getränks schon die Höchstgrenze des empfehlenswerten Konsums überschritten. Hinzu kommt, dass viele Energy Drinks noch andere dem Koffein ähnliche Substanzen enthalten wie Guarana. Deren Wirkung kann sich dann durchaus potenzieren und noch schneller zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Viele Kinder und Jugendliche wissen auch gar nichts über die gesundheitsschädigende Wirkung von Energy Drinks. Experten fordern hier mehr Aufklärung. Manche Verbraucherschutzorganisationen wie Food Watch, fordern sogar ein Verkaufsverbot der koffeinhaltigen Energy Drinks für Kinder und Jugendliche.

Arzneimittel mit Nebenwirkungen

Medikamente, die bei Kindern und Jugendlichen mit dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) verschrieben werden, gehören zur Wirkstoffgruppe der betäubungsmittelpflichtigen Amphetamine. Als Ritalin & Co. bekannt, werden sie in Deutschland unter den Elf- bis 14-Jährigen häufiger verschrieben als Erkältungsmittel. Inzwischen weiß man, dass Ritalin & Co. das Risiko eines arteriellen Hochdrucks um bis zu zehn Prozent erhöhen können. Deshalb weist die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde auch seit zwei Jahren auf dieses Risiko hin.


Text von Ursula Stamm