Ein Jogger sieht in einem Wald bei Michendorf auf seinen Schrittzähler (Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
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Gesundheit auf der IFA 2017 - Digital das Leben verbessern

Schallzahnbürsten, Wearables, Gesundheits-Apps – auf der weltweit größten Messe für Consumer Electronics und Home Appliances präsentieren Firmen aus der ganzen Welt vom 1. bis 6. September ihre Neuheiten. rbb Praxis hat sich vorab die Gesundheitsinnovationen der IFA 2017 angesehen.

Von außen sieht sie wie eine ganz normale elektrische Zahnbürste aus. Erst auf den zweiten Blick wird klar, was wirklich in der Zahnbürste steckt: Sie reinigt per Ultraschall. Gleichzeitig zeichnen integrierte Sensoren das Putzverhalten auf. Die Daten werden direkt an eine spezielle App gesendet. Die wiederum weist daraufhin hin, wenn zu stark geschrubbt wird oder Stellen im Mund beim Putzen ausgelassen werden – und erklärt, was man beim nächsten Mal besser machen könnte. Das ist nur ein Produkt, das in diesem Jahr auf der IFA vorgestellt wird – eine smarte Zahnbürste.

Selbstvermessung im Alltag

Die Gesundheit fördern sollen auch sogenannte Wearables oder "tragbare Technik". Fitnessarmbänder und intelligente Uhren messen den Blutdruck und den Puls genauso wie Gewichtsschwankungen, Schlafbewegungen oder die zurückgelegte Schrittzahl. Wer zu lange still sitzt, wird erinnert, den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Die Technologie gibt es mittlerweile seit einigen Jahren.

Für neue Produkte lassen sich die Hersteller immer wieder neue Features einfallen. Ein Aktivitätssensor von Beurer beispielsweise informiert auch über eingehende Anrufe und erlaubt das Lesen von Textfunktionen. Das Handy kann damit in der Tasche bleiben. Und: Mit einer integrierten Suchfunktion lässt sich das Armband mit Hilfe des Smartphones schnell wieder finden. Eine PIN-Funktion verhindert den Datenzugang für Unbefugte. Eine weitere Neuheit: der Fitnesstracker Nokia Go aus der Abteilung Health. Er erkennt bis zu zehn Aktivitäten automatisch. Auch Schwimmen ist durch das wasserfeste Gehäuse kein Problem.

Grenzenlose Vernetzung

Passende Apps stellen die Daten grafisch dar. "Wir Menschen lassen uns von Bildern leichter anspornen als von puren Zahlen", sagt Roland Stehle, Sprecher der gfu Consumer & Home Electronic, Veranstalter der IFA. "Ohne Wearables würde sicher manch einer ungesünder essen, sich weniger bewegen und schlechter schlafen." Denn die Tracker enthüllen Gewohnheiten, denen man sich nicht immer bewusst ist: Stehen am Ende des Tages nur 1.000 Schritte auf dem Display, ist man definitiv zu viel Auto und Fahrstuhl gefahren.

"Man lernt den eigenen Lebensstil besser kennen, sieht, was sich verändern lässt und lebt zukünftig gesünder", sagt Stehle. Auch Apple-Chef Tim Cook ließ bei der Präsentation der Apple Watch 2015 verlauten, die Entwicklung würde "vielen Menschen helfen, bessere Tage und ein gesünderes Leben zu leben." Ihm selbst scheint das gelungen: Der Firmenchef, der unter Diabetes leidet, soll mit Hilfe seiner intelligenten Uhr bereits 14 Kilogramm abgenommen haben.

Auch zukünftig gefragt

Die kleinen Gesundheitshelfer gehen auf die Brustgurte zurück, die bereits vor 15 Jahren die Pulsfrequenz von Sportlern maßen. Bis heute hat sich die Entwicklung rasant fortgesetzt – ohne ein Ende in Sicht. Branchenkenner Stehle geht davon aus, dass die Zukunft der Gesundheit-Gadgets in der großflächigen Prävention liegt. "Wir leben zwar länger, oft aber auch ungesünder", meint Stehle, "weil wir uns weniger bewegen zu viel und ungesund essen und viel in Zeit im künstlichen Licht verbringen." Die kleinen Geräte könnten ihre Träger zunehmend zu einem gesunden Lebensstil motivieren. Mittlerweile haben die ersten Krankenkassen den Nutzen erkannt: Die Techniker Krankenkasse beispielsweise gibt einen Zuschuss von bis zu 250 Euro beim Kauf eines Activity Trackers. Vorreiter war die AOK Nordost, die seit 2015 den Kauf eines Fitnessarmbands mit 50 Euro bezuschusst. Weitere Kassen wollen folgen.

In der letzten offiziellen Studie zum Gebrauch von Wearables in Deutschland der GfK aus dem Jahr 2015 nutzte bereits jeder fünfte Deutsche einen Aktivitätstracker. Von 2014 auf 2015 war der Umsatz mit den Produkten von knapp 1 Milliarde Euro auf rund 1,5 Milliarden gestiegen. Wer auf der IFA 2017 schlendert, der wird feststellen, dass die digitale Technik mittlerweile in alle Bereiche von Gesundheit und Fitness vorgedrungen ist: Sie buzzt, wenn der Rücken zu krumm ist, zeigt den Eisprung auf die Minute an, warnt, wenn man zu wenig trinkt und erinnert an die Einnahme von Medikamenten. Einzig die Entscheidung, ob man seine Körperfunktionen überwachen lassen und der Technik die Türen öffnen will, muss man noch selbst treffen.

Beitrag von Constanze Löffler

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