Von links nach rechts: Kurkuma-Wurzel und Pulver, Wirsingblatt, Frau bei Öl-Massage (Quelle: Montage rbb, Bilder: imago/Westend61/ Science Photo Library)
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Ayurveda bei Arthrose - Mit sanfter Medizin gegen den Gelenkschmerz

Im Immanuel Krankenhaus versucht man mit naturheilkundlichen Methoden, eine OP so lange hinauszuzögern, wie es medizinisch sinnvoll ist. Für ihre Untersuchungen zur ayurvedischen Medizin bei Knie-Arthrose holten die Experten sich auch Unterstützung aus Indien.

Die Ergebnisse der Berliner Ayurveda-Studie bei Patienten mit einer Kniearthrose sind überwältigend: Im Vergleich zu einer herkömmlichen Therapie konnte die ganzheitliche Therapie aus Indien die Beschwerden doppelt so gut senken. Die schmerzlindernde Wirkung hielt auch zwölf Monate nach Therapieende weiter an.  

Ganzheitlicher Therapieansatz

Für die Studie waren 151 Patienten nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt worden. Die 12-wöchige Behandlung umfasste je 15 Anwendungen. Die ayurvedische Therapie bestand aus Ölmassagen, Dampfbehandlungen und Kräuterbeutelmassagen. Auch Ernährung und Bewegung spielten bei dem ganzheitlichen Ansatz eine zentrale Rolle. "Wir haben die Patienten intensiv über die gesunde Wirkung von vegetarischer Ernährung aufgeklärt", erklärt Elmar Stapelfeldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Ayurveda am Immanuel Krankenhaus Berlin.

Eine fleischreiche Ernährung mit wenig Gemüse begünstigt Arthrose, weil sie viele Entzündungsstoffe generiert. Dagegen gilt die vegetarisch-ayurvedische Ernährung mit vielen Gewürzen und Kräutern als wirksame Medizin gegen die Gelenkbeschwerden. Die Patienten bekamen zudem spezielle Yoga-Übungen gezeigt, die sie zu Hause regelmäßig durchführen sollten. "Die Studie hat gezeigt, dass es für den Erfolg der gesamten Palette der Ayurveda-Medizin bedarf", macht Indologe und Heilpraktiker Stapelfeldt deutlich.

Überzeugungsarbeit leisten

Die Vielseitigkeit der Therapie ist allerdings nur ein Grund des Erfolges. "Die Patienten, die an der Studie teilnahmen, waren wirklich gewillt, etwas in ihrem Leben zu ändern", bestätigt Stapelfeldt. Weil viele Patienten gute Ratschläge für mehr Bewegung und eine gesündere Lebensweise in den Wind schlagen, waren intensive Beratung und ausführliche Gespräche ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.

"Empathie und Zuwendung spielen eine große Rolle für den Erfolg", erklärt der Indologe, der selbst eineinhalb Jahre an indischen Ayurveda-Kliniken arbeitete. Ein Großteil seiner Aufgabe sei es deshalb gewesen, die Patienten für die Veränderungen zu motivieren.

Ayurveda in Kürze

Die ayurvedische Therapie stammt aus der traditionellen Indischen Medizin. In Südasien wird sie seit über 2.000 Jahren auf breiter Basis als Volksmedizin praktiziert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Ayurveda-Medizin als medizinische Wissenschaft anerkannt. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei die drei Lebenskräfte, die sogenannten Doshas: Vata, Pitta und Kapha.

Doshas sind Wirkprinzipien, mit denen sich physiologische und pathologische Prozesse verdeutlichen lassen. Sie stehen jeweils für eine Gruppe von Eigenschaften, die – wenn sie im Übermaß im Körper vorliegen – für die Symptome verantwortlich sind. Bei der Arthrose führt das immer trockenere Gelenk dazu, dass die Knorpelstrukturen aufrauen und die Gelenkflächen degenerieren.

Trockenheit wird Vata zugeordnet, genau wie Kälte, die den Schmerz im Gelenk bedingt. Um die beiden überschüssigen Eigenschaften auszugleichen, setzt die ayurvedische Medizin Wärme und Öle ein – innerlich als auch äußerlich.

Wie Gewürze Schmerzen lindern

Gewürze sind ein wichtiger Teil der ayurvedischen Medizin – egal, ob in Öle eingearbeitet, für Packungen oder beim Kochen verwendet. "Gewürze sind letztendlich Arzneien", bestätigt Stapelfeldt. Die schmerzlindernde Wirkung von Ingwer und Gelbwurz (Curcuma) bei Arthrose ist wissenschaftlich bewiesen: Sie enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung haben.

Die Ayurveda-Medizin empfiehlt, einen Teelöffel Curcuma- und Ingwer-Pulver drei Mal täglich vor den Mahlzeiten einzunehmen. Für die äußerliche Anwendung reibt man frischen Ingwer zu einer feinen Paste. Die wird einen halben Zentimeter dick auf das Gelenk aufgetragen und sollte 15 bis 30 Minuten einwirken. 

Schmerzlindernder Speichel

Naturheilkundler setzen nicht nur Gewürze, sondern auch Blutegel gegen Arthrose ein. Ihr Speichel enthält einen Cocktail aus entzündungshemmenden und schmerzstillenden Substanzen. Dass sie wirken, haben die Blutsauger in zahlreichen Studien bewiesen: Vier von fünf Arthrose-Patienten und 70 Prozent der Patienten mit einem Tennisellenbogen litten nach der Blutegel-Kur unter deutlich weniger Schmerzen.

"Sie funktioniert nicht als Wundertherapie für jeden Arthrose-Patienten", räumt Stapelfeldt ein, "doch wer Scheu und Ekel überwindet, hat gute Chancen, dass sich Schmerzen und Funktion der geschädigten Gelenke verbessern." 

Studienteilnehmer gesucht

Im Immanuel Krankenhaus untersucht man in einer laufenden Studie, wie gut Blutegel bei Arthrose im Daumen wirken. Interessierte Patienten können sich in der Klinik melden (naturheilkunde.studien@immanuel.de). Normalerweise kostet eine Blutegelbehandlung zwischen 80 und 120 Euro. Für die Studie werden die Kosten übernommen.

Eine zweite Studie untersucht die Wirkung einer dreimonatigen lokalen Wärmebehandlung bei Arthrose im Daumen. Auch hierfür werden noch Studienteilnehmer gesucht.

Es ist ein Kraut gewachsen

Krautwickelkuren helfen bei Arthrose und Gelenkverschleiß, hat eine im Frühjahr veröffentlichte Studie aus der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen gezeigt. 81 Patienten waren in drei Gruppen aufgeteilt worden. Die Patienten der ersten Gruppe umwickelten vier Wochen lang einmal täglich für mindestens zwei Stunden oder über Nacht das schmerzende Knie mit Krautwickeln. Die Probanden der zweiten Gruppe rieben sich das Knie einmal täglich mit Diclofenac-haltigem Schmerzgel ein, und die dritte Gruppe führte ihre bisherige Behandlung weiter.

Die Ergebnisse zeigten, dass Krautwickel und Schmerzgel eine ähnlich gute Wirkung hatten. Allerdings berichteten die Krautwickel-Patienten, dass ihr Knie nach vier Wochen besser funktionierte und es ihnen nach zwölf Wochen insgesamt etwas besser ging. Für die Wickel werden Wirsing- oder Weißkohl mit dem Nudelholz gewalkt, damit die Säfte austreten können. Die Wirkung tritt schnell ein, weil sie direkt am schmerzenden Gelenk angelegt werden. 

Beitrag von Constanze Löffler