Röntgenbild von Hüfte und Wirbelsäule (Bild: Colourbox)
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Therapie & Prävention - Rückenschmerz durch Iliosakralgelenk: Was hilft?

Tiefe Rückenschmerzen haben ihren Ursprung häufig im Iliosakralgelenk - es verbindet Kreuzbein und Becken. Experten sprechen vom ISG-Syndrom oder einer ISG-Blockade. Die Schmerzen und Verspannungen lassen sich am besten durch Bewegung und Wärme lindern - Patienten und solche, die es nicht werden wollen, können also viel Gutes gegen die Gelenkschmerzen tun.

Bis zu einem Viertel aller Beschwerden im unteren Rücken haben ihren Ursprung im Iliosakralgelenk (ISG), beim Ischiasnerv und dem Bewegungsapparat im Beckenbereich. Die gute Nachricht: Die Auslöser von ISG-Beschwerden sind meist harmlos. Dazu gehören Verspannungen, Blockaden oder entzündliche Reaktion in den Sehnen und Bändern. Nur selten liegen ein Bandscheibenvorfall, andere Schäden an der Wirbelsäule oder sonstige medizinisch dringlich zu behandelnden Ursachen vor.

In den meisten Fällen verursacht also eine Funktionsstörung die Schmerzen. Für die Therapie heißt das: Wärme, Massage, Dehnung helfen die Muskeln zu lockern. Gezielte Übungen lösen die Blockade. Auf lange Sicht verhindert eine starke Muskulatur, dass erneut Beschwerden auftreten - kräftigen lohnt sich also und wirkt präventiv.

Was ist das Iliosakralgelenk?

Das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk ist die gelenkige Verbindung zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os ilium). Es sorgt dafür, dass die Kraft von der Wirbelsäule auf den Beckenring übertragen wird und damit vom Ober- auf den Unterkörper. Das Kreuzbein besteht aus fünf miteinander verwachsenen Kreuzbeinwirbeln, die ein herzförmiges Gebilde bilden. Das Darmbein mit der Darmbeinschaufel ist Teil des knöchernen Beckenrings.

An der Stelle, an der sich beide Knochen treffen, bilden sie das Iliosakralgelenk. Das Gelenk zwischen Beckenknochen und Kreuzbein liegt also jeweils links und rechts der unteren Wirbelsäule. Es wird von straffen Bändern und Muskeln stabilisiert, so dass es kaum beweglich ist – anders als andere Gelenke, beispielsweise die Hüfte oder Schulter. Der Bewegungsumfang des aneinander liegenden "Klaffgelenks" beträgt nur wenige Grad.

Woher kommen die Schmerzen?

Verhärtete Muskeln und verspannte Bänder und Sehnen führen zu muskulär-faszialen Verspannungen. Das Gelenk blockiert und lässt keine Bewegungen mehr zu. Meist klagen die Betroffenen über einseitige heftige Schmerzen im tiefen Rücken, die bis ins Gesäß, die Leiste und den Oberschenkel ausstrahlen können. Eine Schonhaltung begünstigt die Verspannungen und verstärkt die Schmerzen.

Warum blockiert das ISG?

Überall das gleiche Thema: Wir sitzen zu viel und zu oft und bewegen uns zu wenig. Das führt zum muskulären Ungleichgewicht: Die vordere (Bauch-) Muskulatur verkürzt und die hintere Gesäßmuskulatur steht unter Dauerspannung. Stress führt zu zusätzlichen Verspannungen und kann die Beschwerden verstärken.

Typischerweise treten Beschwerden des ISG dann auf, wenn wir uns aus einer gebückten Haltung aufrichten: nachdem wir die Schuhe gebunden haben oder Treppen stiegen. Ebenfalls häufig: Schmerzen nach besonders langem Sitzen.

Wer ist besonders gefährdet?

Schmerzen im Iliosakralgelenk treten besonders nach langem Stehen, Sitzen oder Liegen auf. Ebenso sind Menschen mit einem starken Hohlkreuz und solche, die sich wenig bewegen, überdurchschnittlich oft von unspezifischen Beschwerden im ISG betroffen.

Typische ISG-Beschwerden verursacht zum Beispiel auch eine Schwangerschaft. Durch die hormonellen Veränderungen werden die Bänder des ISG weicher und geben nach. Oder die Schmerzen sind die Folge von Verletzungen: Schon kleinere Sportunfälle können das Gelenk schädigen. Das Gelenk ist auch vermehrt belastet, wenn ein Bein länger ist als das andere.

Einfache Mittel können helfen

Wie bei sonstigen unspezifischen Rückenschmerzen raten Mediziner auch bei ISG-Beschwerden zu mehr Bewegung. In der ersten akuten Phase lindern Schmerzmittel die Beschwerden. Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind Mittel der Wahl bei Rückenschmerzen. Sie sollten maximal eine Woche eingenommen werden.

Auch Massagen und eine Wärmetherapie können das Leid bessern. Ob die Schmerzen tatsächlich vom ISG rühren oder eine andere Ursache haben, lässt sich am besten durch eine körperliche Untersuchung klären. Bildgebende Verfahren helfen nur selten weiter.

Was lindert akute Beschwerden?

Es gibt verschiedene Übungen, die Sie selbst zu Hause machen können und die Ihnen helfen, das ISG wieder beweglicher zu machen:

Übung 1:  Mit gestreckten Beinen auf den Rücken legen. Die Unterlage kann ein nicht zu weiches Bett sein, der Fußboden oder eine Liege. Ziehen Sie die Zehen an und schieben Sie die Beine mit der Ferse im Wechsel nach unten raus. Man kann die Übung auch mit leicht gespreizten Beinen machen, dann wirkt die Übung ein bisschen weiter oben in der Lendenwirbelsäule.

Übung 2: Legen Sie sich auf die Seite. Das untere Bein ist gestreckt, das obere Bein wird angewinkelt abgelegt, hier kann der untere Arm helfen, das Knie auf den Boden zu schieben. Strecken Sie jetzt den oberen Arm und drehen Sie sich zur anderen Seite weg, so dass sich das Gelenk verdreht und dadurch eine Dehnung entsteht. Verweilen Sie fünf Sekunden und wechseln Sie die Seite.

Übung 3: Legen Sie sich auf den Rücken. Winkeln Sie die Beine an. Die Arme strecken Sie zur Seite aus. Dann legen Sie im Wechsel die gebeugten Knie nach links und rechts. Drehen Sie den Kopf jeweils zur entgegengesetzten Seite, auf der die Beine zu liegen kommen. Dadurch wird das ISG besonders gut gedehnt.

Wie beugt man Schmerzen im Alltag vor?

Die gute Nachricht: Meist klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage ab. Wer zukünftig vorbeugen will, sollte vor allem Hüftbeuger sowie die tiefen Bauch- und Gesäßmuskeln stärken. Langes Sitzen sollte von regelmäßigen Pausen unterbrochen werden: indem man beim Gehen telefoniert oder sich einen Tee kocht, bleibt man länger in Bewegung. Guter Nebeneffekt: Wer viel trinkt, muss häufiger auf die Toilette und unterbricht das Sitzen automatisch.

Regelmäßige Dehnübungen, insbesondere an Körperregionen, wo muskulär-fasziale Verspannungen häufig auftreten können, verhindern erneute Blockaden. Lassen Sie sich am besten von einem Physiotherapeuten geeignete Übungen zeigen.

Beitrag von Constanze Löffler

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