Schulter einer Frau (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Kleines Lexikon - Die schmerzende Schulter

Das Kugelgelenk zwischen Schulterblatt und Oberarm ist das beweglichstes Gelenk des menschlichen Körpers. Doch die hohe Beweglichkeit hat einen Preis: Das Gelenk ist sehr empfindlich und anfällig für Verletzungen und Verschleiß. Im Kleinen Lexikon haben wir die häufigsten Erkrankungen, ihre Symptome und Ursachen zusammen gestellt.

Die hohe Beweglichkeit beruht darauf, dass der Gelenkkopf (Kopf des Oberarmknochens) nicht wie z.B. bei der Hüfte von einer großen Gelenkpfanne relativ weit umschlossen ist, sondern dass es nur eine kleine, flache Gelenkpfanne gibt, die kaum Tiefe hat.

Daher wird das Gelenk hauptsächlich durch Muskeln, Bänder sowie die Gelenkkapsel gesichert. Diese Kapsel aus Bindegewebe umhüllt die am Gelenk beteiligten Knochenteile und ist beim Schultergelenk sehr weit.

Für Beweglichkeit sorgen zusätzlich mehrere Schleimbeutel in verschiedenen Knochenzwi-schenräumen. Die Schulterkapsel bildet "Gelenkschmiere", die die sogenannte Synovialflüssigkeit.

1. Arthrose des Schultergelenks (Fachbegriff: Omarthrose)

Wie bei allen Gelenken, sind die Gelenkflächen an Oberarmkopf und Gelenkpfanne mit schützenden, glatten Knorpelflächen überzogen. Bei Arthrose verschleißt dieser Gelenk-knorpel zunehmend, vor allem durch Abrieb bei Belastung.

Außerdem verschwindet allmählich der mit "schmierender" Flüssigkeit gefüllte Zwischenraum zwischen Oberarmkopf und Pfanne. Die Knochen schlagen darum bei jeder Bewegung schmerzhaft aufeinander. In der Folge kommt es oft zu knöchernen "Anbauten", sogennanten Osteophyten, vor allem an den Rändern der Gelenkflächen. Sie verstärken die Schmerzen und schränken die Beweglichkeit noch weiter ein.

Die primäre Schulterarthrose entsteht ohne erkennbare Ursache durch altersbedingten Verschleiß. Vermutet werden langjährige Belastungen und/oder genetische Gründe.

Die sekundäre Form ist Folge von Unfällen, Verletzungen, Fehlbelastungen und manchmal auch von arthroskopischen Operationen, bei denen die Knorpelschichten der Gelenkflächen verletzt wurden. Die Knorpelschäden treten häufig zuerst an der kleinen und darum besonders belasteten Fläche der Gelenkpfanne auf.

In seltenen Fällen wird die Schultergelenksarthrose von bakteriellen Entzündungen ausgelöst. Zu den typischen Symptomen zählen Schmerzen in der Schulter, die sowohl bei Belastung als auch im Ruhezustand auftreten, sowie zunehmende Bewegungseinschränkungen.

2. Schleimbeutelentzündung

Die Schleimbeutel, vor allem der zwischen Oberarmknochen und dem Schulterdachknochen (Akromion), können sich unter Belastung entzünden, was meistens mit akuten, sehr starken Schmerzen verbunden ist. Schleimbeutelentzündungen treten häufig als Folge von Sehnenzerrungen und Fehlbelastungen der Schulter auf.

3. Frozen Shoulder

Die schmerzhafte "Schultersteife" ist ein Symptom für unterschiedliche Ursachen: Die schmerzbedingte Bewegungseinschränkung kann z.B. durch eine Entzündung der Gelenk- kapsel bedingt sein. Durch die großen Bewegungen kann die Kapsel Falten werfen, sie wird stark beansprucht, was auch Entzündungen auslösen kann.

Vermeidet man dann bestimmte schmerzende Bewegungen,  kann das zusätzlich zu Kapselverklebungen führen, die die Schmerzen noch verstärken und die Beweglichkeit weiter einschränken. Weitere mögliche Ursachen der Frozen Shoulder: Verkürzung von Muskeln, die das Gelenk bewegen und bei Bewegung in Gegenrichtung nachgeben müssen. Das passiert meist bei untrainierten Muskeln und einseitigen Bewegungen.  

4. Impingement-Syndrom (Schulterenge)

Damit wird eine meist sehr schmerzhafte Verengung des Zwischenraums zwischen dem Schulterdachknochen und dem Kopf des Oberarmknochens bezeichnet. Durch die Engstelle führen Nervenstränge, Blutgefäße, Sehnen und Muskeln. Die Verengung kann durch ein Ungleichgewicht der das Gelenk umgebenden Muskeln ausgelöst werden, was zu Verspannungen führt. Andere mögliche Ursachen sind Kalkablagerungen, oder manchmal auch hier wieder knöcherne Anbauten. Auslöser des Impingement-Syndroms ist oft eine dauernde Fehl- oder Überlastung des Gelenks.

5. Kalkschulter (Alles hängt mit Allem zusammen)

Das ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Verkalkung der Sehnen im Schulter-bereich. Ihre Ursachen sind nicht genau geklärt, Frauen und Raucher gelten als stärker ge-fährdet. Die Verkalkung der Sehnen wird beschleunigt, wenn ihnen wenig Platz zur Verfü-gung steht (Schulterenge), die Sehnen üben immer mehr Druck auf die Schleimbeutel aus, was sehr schmerzhaft ist und Entzündungen befördert.

6. Rotatorenmanschettenruptur

Zur Rotatorenmanschette gehören 4 Muskeln, die das Schultergelenk umschließen und ihre Sehnen, die am Oberarmkopf ansetzen. Die Muskeln halten den Oberarmkopf in der flachen Gelenkpfanne und ermöglichen die Drehbewegung des Arms und des Schulterblattes.

Bei der Rotatorenmanschettenruptur kommt es zum Abriss von einer oder mehrerer dieser Sehnen, häufig der Supraspinatussehne, schlimmstenfalls reißen auch alle Sehnen ab.

Häufigste Ursachen für den Abriss sind jahrelange Abnutzungen. Durch fortwährend gleiche Bewegungsmuster und hohe Trainingsbelastungen (vor allem bei sogenannten "Überkopfsportarten" wie Golf, Schwimmen, Volleyball) kommt es zu winzigen Überlastungsschäden, die irgend-wann zum Abriss führen.  

Oft kommt es aber auch durch Sport- und andere Unfälle, sowie Verrenkungen zum Abriss. Wie andere Verletzungen kann auch die Rotatorenmanschettenruptur erster Auslöser für eine Schulterarthrose sein.


Text: Bernd Ostberg