3D-Darstellung der Bauchspeicheldrüse (Bild: imago images/Science Photo Library)
Bild: imago/Science Photo Library

Bauchspeicheldrüsenkrebs - Kampf gegen den tödlichsten Gegner

Pankreaskrebs gilt als eine der tödlichsten Krebsarten überhaupt. Insgesamt überleben nur etwa 7 - 8 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Der Tumor wird oft zu spät erkannt, bildet früh Metastasen und kommt selbst nach einer Therapie häufig zurück. Das führt dazu, dass Tumoren der Bauchspeicheldrüse – obwohl deutlich seltener als Brust-, Prostata- oder Darmkrebs - oft als Todesurteil gelten. Doch Mediziner haben Hoffnung, dass sich das langsam ändern könnte.

Pankreaskrebs tritt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf, Männer erkranken durchschnittlich mit 72, Frauen mit 75 Jahren. Das Tückische: Frühsymptome gibt es oft keine, sagt der Chirurg Professor Marcus Bahra, Bereichsleiter Pankreaschirurgie an der Charité. "Wenn der Tumor nicht so lokalisiert ist, dass er früh auf den Gallengang drückt und die Patienten eine Gelbsucht entwickeln, wird er oft zu spät bemerkt", so Bahra. Denn andere Symptome - etwa Oberbauch- oder Rückenschmerzen - sind eher unspezifisch. Weswegen Patienten mit Pankreaskrebs häufig zuerst beim Orthopäden oder Allgemeinarzt vorstellig würden, bevor sie zum Facharzt kämen.

Weitere Krankheitszeichen wie Übelkeit, Erbrechen oder stärkerer Gewichtsverlust kommen meist erst später dazu. Wenn der Tumor schon so groß geworden ist, dass er die Funktion der Bauchspeicheldrüse einschränkt, kann es zum Beispiel zur Entwicklung eines Diabetes mellitus kommen, weil das Organ nicht mehr genug Insulin produziert kann. Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung auf Pankreaskrebs gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, dass Patienten bei den genannten Warnzeichen zum Arzt gehen und dass Ärzte auch an die Diagnose Pankreaskrebs denken. Denn: Je früher der Tumor erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Nur bei jedem Fünften ist eine OP möglich

Wird der Krebs früh diagnostiziert, kann das noch immer wichtigste Therapieverfahren zum Einsatz kommen: die Operation. Befindet sich der Tumor - wie es meist der Fall ist - im Pankreaskopf, wird der rechte Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt, meist zusammen mit der Gallenblase, einem Teil des Gallengangs und dem Zwölffingerdarm. Allerdings werde bei nur etwa jedem fünften Patienten der Tumor so früh entdeckt, dass eine Operation überhaupt infrage komme, sagt Prof. Bahra.

Und: Eine Operation alleine reiche nicht aus. "Pankreaskrebs hat die starke Tendenz, nach einer OP wiederzukommen." Deshalb müsse sich an jede Operation unbedingt eine Chemotherapie anschließen, um verbliebene Krebszellen zu beseitigen. 

Meilenstein bei der Chemotherapie

In Sachen Chemotherapie hat es in der jüngsten Vergangenheit deutliche Verbesserungen gegeben: Bisher war eine Chemotherapie mit dem Medikament Gemcitabin Standard. Bis 2018 eine kanadische Forschungsgruppe eine Studie vorstellte, wonach eine Chemotherapie mit einer Vierfachkombination von Medikamenten die Überlebenschancen von Patienten deutlich verbessern kann. Betrug die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Operation und anschließender Einfach-Chemotherapie etwa 10 - 20 Prozent, deuten erste Daten darauf hin, dass sich dieser Anteil mit der neuen Kombi-Therapie etwa verdoppeln könnte.

"Das erste Mal sehen wir Licht am Ende des Tunnels und sind aus diesen wirklich niederschmetternden Daten draußen", sagt Bahra. Das Ziel sei es jetzt auch Patienten, die eigentlich nicht für eine Operation infrage kommen, mit einer Chemotherapie zu behandeln, um den Tumor zu verkleinern. "Man muss es schaffen, den Krebs operabel zu machen", sagt Marcus Bahra, "dann hat man eine Chance." 

Spezialisierung ist wichtig

Allerdings ist OP nicht gleich OP: Bahra empfiehlt, sich bei Pankreaskrebs auf jeden Fall in einem Zentrum operieren zu lassen, wo solche komplexen Eingriffe häufig durchgeführt werden. An der Charité etwa führe man mehr als 200 Pankreas-OPs pro Jahr durch. Mittlerweile werde etwa jeder dritte Patient mit Bauchspeicheldrüsenkrebs sogar mit Hilfe moderner Robotertechnik operiert. Dabei wird nicht der ganze Bauchraum aufgeschnitten, sondern es kann in Schlüssellochtechnik vorgegangen werden. "Dadurch verkürzen wir die OP-Dauer und die Zeit, die die Patienten nach der OP im Krankenhaus bleiben müssen", sagt Bahra. Schließlich wolle man erreichen, dass die Patienten so fit wie möglich in die Chemotherapie gehen können. 

zertifizierte zentren der deutschen krebsgesellschaft

  • Charité Berlin

  • Sana Klinikum Lichtenberg

  • Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam

  • Carl-Thiem-Klinikum Cottbus

Der Kampf bleibt mühsam

Dagegen spielen sogenannte "Targeted Therapies", also Therapien, die gezielt in die Biochemie des Tumors eingreifen, beim Pankreaskrebs - im Gegensatz zum Brustkrebs und anderen Tumoren - eher eine untergeordnete Rolle, sagt Bahra: "Bauchspeicheldrüsenkrebs hat vergleichsweise wenige Punkte, an denen so eine Therapie ansetzen kann." Die Fortschritte bei der Behandlung von Pankreaskrebs ergeben sich also hauptsächlich aus einer wirksameren Chemotherapie sowie modernen OP-Methoden, vor allem an großen Zentren.  

Trotz dieser Verbesserungen bleibt der Kampf der Mediziner gegen den Pankreaskrebs mühsam, denn der Gegner ist besonders hartnäckig. Bei anderen Krebsarten jedenfalls sind die Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten deutlich größer gewesen. Auch ein Grund, warum Bauchspeicheldrüsenkrebs in Deutschland einer Studie der LMU München zufolge bis zum Jahr 2030 auf Rang zwei der häufigsten Krebstodesursachen vorrücken wird. Auch Marcus Bahra sagt: "Das Pankreaskarzinom wird weiter ein großes Problem in der Tumormedizin sein."

Risiken senken

In gewissem Umfang kann man zumindest das Risiko senken, selbst zu erkranken. Als größter Risikofaktor von Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt Rauchen: Raucher erkranken zwei- bis dreimal so oft wie Nichtraucher an Pankreaskrebs. Auch starken Alkoholkonsum sollte man besser meiden.

Da der Tumor eine starke genetische Komponente hat, sollten sich Menschen untersuchen lassen, in deren näherer Verwandtschaft Menschen an Pankreaskrebs erkrankt sind oder waren.

Ob eine bestimmte Ernährungsweise das Risiko senkt, ist noch nicht gesichert. Jedoch haben Studien ergeben, dass eine Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse das Risiko für verschiedene Krebsarten senken kann. Zusammen mit viel Bewegung hilft sie auch, das eigene Körpergewicht im Rahmen zu halten - denn auch Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Beitrag von Florian Schumann

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