Symptome, Diagnose, Therapie - Darmkrebs erkennen und behandeln

Darmkrebs ist weltweit einer der häufigsten bösartigen Tumore. Werden Vorstufen der Erkrankung jedoch frühzeitig erkannt, kann Darmkrebs in den meisten Fällen verhindert oder geheilt werden. rbb Praxis klärt auf über Risikofaktoren, Prävention und Behandlungsmöglichkeiten. 

Lange Zeit bemerken betroffene Patienten zunächst keine Auffälligkeiten, wenn ein Tumor im Darm heranwächst. Symptome wie Blut im Stuhl, länger anhaltender Durchfall, chronische Verstopfung oder andere Veränderungen bei der Verdauung machen sich meist erst zu einem späteren Zeitpunkt bemerkbar. Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollte ein Facharzt (Gastroenterologe) das Organ mithilfe einer Darmspiegelung auf veränderte Schleimhaut überprüfen. Gegebenenfalls entnimmt er Gewebeproben und lässt diese in speziellen Labors mikroskopisch untersuchen. Nur auf diese Weise können Mediziner zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen unterscheiden und Darmkrebs sicher diagnostizieren.

Prävention: Darmkrebs lässt sich verhindern durch Vorsorge

Um Gewebeveränderungen im Darm frühzeitig zu erkennen, ist die Wahrnehmung der Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen empfehlenswert. Die Untersuchungen gehören in Deutschland zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm und werden von den Krankenkassen übernommen. Im Alter von 50 bis 54 Jahren ist jährlich ein Schnelltest vorgesehen, der verborgenes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl nachweisen kann. Der Test beruht auf der Tatsache, dass Vorstufen von Darmkrebs und Darmkrebsgewebe häufig bluten. Dieses Blut kann mit dem biochemischen Stuhltest (sogenannter auf Guajakharz basierender fäkaler okkulter Bluttest, gFOBT) nachgewiesen werden. Doch dieses Verfahren hat einen entscheidenden Nachteil: Es erkennt Darmkrebsvorstufen nicht zuverlässig genug. Denn viele Tumore bluten oft erst in späten Stadien – und selbst dann nicht kontinuierlich. Dadurch wird mithilfe des Stuhltests nur ein Teil der Darmkrebsfälle erkannt.

Deshalb sollten Männer und Frauen ab 55 einmal alle zehn Jahre eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) in Anspruch nehmen. Die Untersuchung ist die mit Abstand zuverlässigste Methode zur Darmkrebsvorsorge, denn mit ihrer Hilfe lassen sich die meisten Tumoren und ihre Vorstufen frühzeitig feststellen. Der Arzt kann dabei Krebsvorstufen wie Polypen erkennen und gleich entfernen. Im Rahmen der Vorsorge-Koloskopie wurden laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) in den Jahren 2003 bis 2010 fast 100.000 Fälle von Darmkrebs in Deutschland verhindert und weitere knapp 50.000 Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt. Bisher noch nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehören eine Reihe neuartiger Stuhltests. Sie sollen Bestandteile, die von Krebszellen im Darm stammen, anzeigen. Es gibt Studienhinweise, dass diese immunologischen Tests Darmkrebs und Vorstufen der Erkrankung zuverlässiger als der Guajak-basierte Schnelltest erkennen könnten. 

Behandlung von Darmkrebs

Solange der Tumor noch nicht gestreut, also noch keine Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet hat (Stadium I-III, ohne Metastasenbildung), wird er zunächst chirurgisch entfernt. Im Stadium III, seltener auch in Stadium II, schließt sich in der Regel eine Chemotherapie an. Die Strahlentherapie kommt vor allem beim Mastdarmkrebs zum Einsatz und wird dabei häufig im Stadium II und III vor einer operativen Entfernung durchgeführt.

Im Stadium IV ist der Krebs so weit fortgeschritten, dass eine Heilung eher die Ausnahme als die Regel ist. In diesem Stadium kommen moderne zielgerichtete, medikamentöse Therapien mit Antikörpern in Kombination mit Chemotherapie zum Einsatz. Diese Antikörper werden bei der Behandlung von Krebspatienten heute dazu genutzt, gezielt wichtige Stoffwechselsignale zu blockieren, die für das Wachstum von Krebszellen entscheidend sind. Durch den Einsatz der Antikörper kann die Überlebenszeit in diesem Stadium in der Regel um mehrere Monate verlängert werden. Neue Möglichkeiten zur Behandlung von Darmkrebs erhoffen sich Mediziner zum Beispiel durch Immuntherapien. Vereinfacht gesagt geht es darum, das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen zu aktivieren. Auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) forschen auf diesem Gebiet.  

Risikofaktoren vermeiden

Mediziner gehen davon aus, dass Tabakkonsum und Übergewicht das Darmkrebsrisiko am stärksten erhöhen. Weitere Risikofaktoren sind Bewegungsmangel und ballaststoffarme Ernährung, also ein zu geringer Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln. Auch wer regelmäßig Alkohol trinkt oder viel rotes Fleisch beziehungsweise Wurstwaren aus rotem Fleisch isst, erhöht laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) sein Darmkrebsrisiko. Zudem erkranken direkte Verwandte von Darmkrebspatienten überdurchschnittlich häufig. Unsicher sei jedoch noch, ob dafür gemeinsame krankheitsfördernde Erbanlagen oder der gemeinsame Lebensstil in der Familie verantwortlich sind. Außerdem erhöhen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, allerdings in geringerem Umfang, das Risiko einer Darmkrebserkrankung.

Verschiedene Ursachen können also zur Entstehung von Darmkrebs führen. Im Vordergrund stehen Umwelteinflüsse, von denen die Ernährung am besten untersucht ist. Doch auch hier sind dem DKFZ zufolge bisher nur wenige Zusammenhänge so überzeugend bewiesen, dass daraus konkrete Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden können. Mediziner raten im Allgemeinen, mehr frisches Gemüse und Obst, Vollkornprodukte (faserreiche Kost), weißes Fleisch (Geflügel) und Fisch zu essen. Zurückhaltung gilt bei kalorienreicher, fetter Nahrung, vor allem tierischem Fett und rotem Muskelfleisch. Zudem gilt: Übergewicht vermeiden, auf ausreichende körperliche Bewegung achten und Rauchverzicht.

Beitrag von Nadine Bader