Mann trainiert an Boxsack (Bild: Colourbox)
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Bei Männergesundheit nicht schwächeln - Mann, tu was für Dich!

Es ist ein Klischee, aber es ist leider was dran: Umfragen zufolge geht jeder zweite Mann erst zum Arzt, wenn es nicht mehr geht. Das ist einer der Gründe, warum Männer im Durchschnitt kürzer leben als Frauen. Viele Männer ignorieren körperliche Warnsignale und drücken sich auch um Vorsorgeuntersuchungen. Dabei ist der Gang zum Arzt keine Schwäche, sondern kann Leben retten. rbb Praxis verrät, welche Zeichen Mann nicht ignorieren sollte.

Männer sind stark, trotzen Gefahren und überwinden alles - so das Hollywoodklischee. Leider interessiert das Krankheiten absolut gar nicht. Deshalb ist für den Mann die klare Verteidigungstaktik genauso klar wie für Frauen: auf Signale des Körpers achten und gegebenenfalls "Verstärkung" durch einen Arzt in Anspruch nehmen.

Genauso wichtig: Die Vorsorge anpacken - sonst gehen im schlimmsten Fall Jahre des eigenen Lebens verloren, nur wegen ein paar Minuten Untersuchung.

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Die Vorhautverengung

Normalerweise bedeckt die Vorhaut bei nicht beschnittenen Jungen und Männern die Spitze des Penis und auch die Öffnung der Harnröhre. Eine Vorhautverengung (auch Phimose genannt) liegt vor, wenn die Vorhaut nicht hinter die Eichel zurückgezogen werden kann. Besonders häufig ist das bei Kindern. Aber auch Erwachsene können eine Phimose entwickeln, etwa aufgrund einer bisher unerkannten Zuckerkrankheit (Diabetes). Auch eine Atrophie (Rückbildung) des Vorhauteingangs in fortgeschrittenem Alter ist eine mögliche Ursache. In vielen Fällen wird dadurch das Wasserlassen behindert und es kommt zu eitrigen Entzündungen. Auf Dauer können sich auch bestimmte Keime unter der Vorhaut vermehren, die das Risiko für Peniskrebs erhöhen können.

Deshalb ist Hygiene das A und O. Männer sollten ihren Penis jeden Tag mit klarem Wasser und – wenn überhaupt – hautfreundlicher Seife waschen und dabei die Vorhaut zurückziehen. Teilweise kann man die Vorhaut auch mit speziellen Übungen dehnen. Vorher sollte allerdings ein Arzt konsultiert werden. Auf jeden Fall gilt: die Vorhaut nicht mit Gewalt zurückziehen! Die Übungen bestehen vielmehr in einem sanften Vor- und Zurückziehen der Vorhaut. Dabei können auch Hilfsmittel wie Genital-Lotionen oder spezielle Öle hilfreich sein.

Kommt es zu Schmerzen oder Blutungen, sofort aufhören und einen Arzt aufsuchen.

Paraphimose ist ein Notfall

Manchmal ist die einzige Therapie die Zirkumzision, also eine Beschneidung. Diese kann vollständig oder teilweise erfolgen wird unter lokaler Betäubung vorgenommen.

Lässt sich eine enge Vorhaut nach dem Zurückziehen hinter die Eichel nicht wieder vorschieben, spricht man von einer Paraphimose. Dann schnürt der enge Anteil der Vorhaut den Rückfluss von Blut und Lymphe ab und die Enge nimmt noch weiter zu. Die Paraphimose ist ein Notfall, sofort zum Arzt!

Der Leistenbruch

Der Leistenbruch ist sehr häufig. Männer haben ein besonders hohes Risiko für solche Ausstülpungen des Bauchinhalts, vor allem von Bauchfett und Darm. Das liegt an der männlichen Anatomie, denn der Durchbruch des Samenstrangs bildet eine natürliche Schwachstelle in der Bauchwand. 27 Prozent der Männer haben während ihres Lebens mindestens einen Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt. Vor allem ein ungünstiges Verhältnis zwischen Bauchmuskulatur und Bauchinnendruck (durch Pressen, schweres Heben, Übergewicht) begünstigt die Ausbildung eines Leistenbruchs.

Die größte Gefahr ist, dass ein Stück Darm eingeklemmt und von der Blutversorgung abgeschnitten wird. Unbehandelt kann das dazu führen, dass es abstirbt (nekrotisiert) und sich eine lebensgefährliche Entzündung im ganzen Bauchraum ausbreitet.

Mit Bauchmuskeln gegen den Leistenbruch

Leistenbrüche lassen sich meist gut tasten. Oft kommt es zu einer Schwellung in der Leistengegend, die von Schmerzen begleitet sein kann. Sie kann bis in den Hodensack reichen. Starke Schmerzen deuten auf eine Einklemmung hin, dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. In vielen Fällen muss eine Leistenhernie operiert werden – entweder offen oder per Schlüssellochchirurgie. Aber es gibt auch die Möglichkeit eines Bruchbandes, das verhindert, dass Bauchinhalt durch die Schwachstelle treten kann.

Bauchmuskeltraining kann sinnvoll sein, um die Bauchwand zu kräftigen. Auch das Vermeiden von Übergewicht kann das Risiko eines Leistenbruchs senken, da der Bauchinnendruck dadurch abnimmt. Mit zunehmendem Alter sollte man außerdem nicht mehr zu schwer heben. Bei schweren Wasserkästen oder Umzugskisten sollte Mann also ruhig um Hilfe bitten oder lieber zweimal gehen.

Der Darmkrebs

Jährlich erkranken mehr als 33.000 Männer in Deutschland an Darmkrebs – und damit deutlich häufiger als Frauen. Nach Prostata- und Lungenkrebs ist er bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Die meisten bösartigen Tumoren entstehen aus gutartigen Polypen, sogenannten Adenomen. Diese werden langsam größer und können irgendwann entarten.

Größere Polypen führen manchmal zu Blutauflagerungen im Stuhl. Deshalb sollte jede auffällige Stuhlverfärbung und jede länger andauernde Änderungen der Konsistenz (also Durchfall oder Verstopfung) vom Arzt untersucht werden. In vielen Fällen allerdings gibt es solche Frühsymptome nicht und die Polypen wachsen unerkannt im Darm heran. Auch Schmerzen treten häufig erst auf, wenn der Tumor schon eine gewissen Größe erreicht hat. Deshalb ist die Vorsorge so wichtig.

Hose runter rettet Leben

Aktuell haben Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren Anspruch auf einen jährlichen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Diesen sollte jeder wahrnehmen. Ab 55 Jahren hat jeder das Recht auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Das ändert sich aber mit der Reform der Darmkrebsfrüherkennung ab Juli 2019.

Dann nämlich haben Männer schon ab 50 Jahren und Frauen wie gehabt ab 55 Jahren Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren im Rahmen der Vorsorge. Außerdem werden Männer dann – wie Frauen bei der Mammografie – persönlich zu den Vorsorgeuntersuchungen eingeladen. Wenn Darmkrebsfälle in der Familie aufgetreten sind, sollte die erste Darmspiegelung spätestens zehn Jahre vor dem Alter erfolgen, in dem bei einem an Darmkrebs erkrankten Familienmitglied die Krankheit erstmals aufgetreten ist, spätestens aber im Alter von 40-45 Jahren.

Kein Tabu, keine Angst

Die Untersuchung dauert in der Regel nur 15 bis 20 Minuten. Trotzdem nimmt sie nur rund ein Drittel all jener wahr, die Anspruch darauf hätten. Bei Männern ist die Quote schlechter als bei Frauen. Dabei gibt es keinen Grund, die Thematik als Tabu zu betrachten. Auch vor Schmerzen braucht niemand Angst zu haben. Die meisten lassen sich für die Untersuchung sedieren und sind während der Spiegelung in einem Dämmerzustand.

Bei der Darmspiegelung werden bei 429 von 1000 Männern Polypen erkannt und können direkt entfernt werden, bevor sie bösartig werden. Trotzdem gilt wie immer: besser spät als nie. Auch wer die Vorsorge nicht so ernst genommen hat und erst bei Beschwerden zum Arzt geht, sollte die Spiegelung nicht aus Angst ausfallen lassen. Denn falls tatsächlich Darmkrebs vorliegt, ist die Darmspiegelung oft der erste Schritt zur Genesung. Wenn die Krankheit früh erkannt wird, dann sind die Heilungschancen in den meisten Fällen sehr gut.

Der Hodenkrebs

Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren. In Deutschland werden jährlich etwa 4.100 Hodenkrebs-Diagnosen gestellt. Männer, bei denen während der vorgeburtlichen Entwicklung ein oder beide Hoden nicht die korrekte Lage im Hodensack eingenommen haben ("Leistenhoden"), haben ein deutlich erhöhtes Risiko.

Früherkennung: Mann selbst ist gefragt

Hodenkrebs ist ein weiterer Fall, bei dem frühes Erkennen Leben retten kann. Er führt erst spät zu Schmerzen, zunächst macht er sich nur durch eine Schwellung und/oder Verhärtung des Hodens bemerkbar. Männer sollten regelmäßig beide Hoden vorsichtig abtasten, um solche Veränderungen früh zu bemerken. Am besten macht man das unter der Dusche oder in der Badewanne, weil sich die Hoden bei Wärme besser tasten lassen. Um regelmäßig daran zu denken, kann man sich auch einmal im Monat vom Handy erinnern lassen. Auf der Webseite hodencheck.de wird genau erklärt, wie das Abtasten funktioniert.

Stellt man eine Vergrößerung fest, sollte man sofort zum Arzt gehen. Dort wird der Hoden per Ultraschall untersucht. Meist folgt danach noch eine feingewebliche Untersuchung um festzustellen, um welche Art von Hodenkrebs es sich handelt. Einige Tumorarten sind aggressiv und bilden rasch Tochtergeschwülste (Metastasen). Insgesamt aber sind die Heilungschancen sehr gut, wenn der Hodentumor früh erkannt wird. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt in Frühstadien bei über 90 Prozent.

Der Prostatakrebs

Krebs der Vorsteherdrüse ist mit Abstand die häufigste Krebsart bei Männern. Er betrifft vorwiegend Männer zwischen Anfang 50 und Mitte 70. Die Gründe, warum die Prostata ungehemmt wächst, sind noch immer nicht gut verstanden. Hormone scheinen eine Rolle zu spielen, aber auch der Lebensstil. Rauchen und Alkohol etwa erhöhen das Risiko.

Prostatakrebs führt im Frühstadium nur selten zu spezifischen Symptomen. Probleme beim Wasserlassen sind meist durch eine gutartige Vergrößerung des Organs bedingt, sollten allerdings trotzdem immer abgeklärt werden. Auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit sowie Schmerzen im unteren Rückenbereich, in Becken, Hüfte oder Oberschenkel sind Warnzeichen, denen man nachgehen sollte.

Ohne Vorsorge kaum zu erkennen - und verhindern

Männer ab 45 Jahren sollten einmal jährlich zur Prostatakrebs-Früherkennung gehen. Ist bereits Prostatakrebs in der Familie aufgetreten, dann bereits ab dem 40. Lebensjahr. Der Arzt tastet die Prostata vom Enddarm aus mit dem Finger ab. Diese digital-rektale Untersuchung ist jedem Mann zu empfehlen. Allerdings hat sie Grenzen: Sehr kleine Tumore oder Krebs im sehr frühen Stadium können unentdeckt bleiben.

Als weitere Vorsorgemaßnahme gibt es den PSA-Test (prostataspezifisches Antigen). Mit Hilfe dieses Blutwertes lässt sich das Risiko für bösartige Veränderungen bereits in frühen Stadien abschätzen. Der Wert kann jedoch auch aus anderen Gründen erhöht sein, etwa bei Prostatavergrößerung. Einige kritisieren deshalb die Gefahr einer Überdiagnostik, indem der PSA-Test Veränderungen aufspürt, die ansonsten niemals Beschwerden verursacht und auch keine Behandlung erfordert hätten. Insgesamt ist nach wie vor umstritten, ob der Test letztendlich wirklich dazu beiträgt, dass weniger Menschen an Prostatakrebs sterben. Deshalb bezahlt ihn die Krankenkasse in der Regel nicht. Am besten, man lässt sich von seinem Arzt über den PSA-Test beraten und entscheidet dann.

Beitrag von Florian Schumann

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