Man in Unterhose hält SOS-Zettel vor sich (Bild: Colourbox)
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Symptome, Diagnose und Therapie - Was tun, wenn die Prostata wächst?

Im Alter zwischen 50 und 60 Jahren hat jeder fünfte Mann eine vergrößerte  Prostata; ab dem 75. Lebensjahr so gut wie jeder. Nicht immer verursacht die vergrößerte Prostata Beschwerden. Leiden Männer jedoch unter verstärktem Harndrang und Schwierigkeiten beim Wasserlassen, dann ist eine Behandlung sinnvoll.  Die Operation der vergrößerten Vorsteherdrüse ist eine Möglichkeit. Sind die Beschwerden aber noch nicht so stark, können auch Medikamente und bestimmte Verhaltensregeln helfen.

Das Problem

Warum die Prostata im Laufe des männlichen Lebens an Volumen zunimmt, ist bis heute ungeklärt. Klar ist, dass die Vergrößerung dazu führt, dass die durch die Vorsteherdrüse verlaufende Harnröhre eingeengt wird. Die typischen Symptome sind dann häufiges Wasserlassen bei gleichzeitiger Schwierigkeit den Harn fließen zu lassen, Restharn in der Blase, starker, nicht aufschiebbarer Harndrang und häufiges Wasserlassen in der Nacht. Da diese Symptome auch bei bösartigen Veränderungen der Prostata auftreten können, muss vor Beginn einer möglichen Therapie immer abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine gutartige Veränderung handelt.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung mit Medikamenten ist dann sinnvoll, wenn die Erkrankung noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Ein Anhaltspunkt ist die Stärke der Beschwerden, wobei ein stark vergrößertes Organ nicht immer die meisten Beschwerden verursachen muss. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Menge des Urins, die nach der Blasenentleerung übrig bleibt, der so genannte Restharn. "Früher hat man Patienten ab einer Restharnmenge von 100 Millilitern operiert, heute liegt die Grenze bei etwa 200 Millilitern", sagt Stefan Tserovski, Urologe und Oberarzt am Immanuel Krankenhaus in Buckow. Auch Blasensteine, eine Nierenschwäche oder wiederholte Harnwegsinfektionen machen in der Regel eine Operation notwendig.

Medikamente: 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren

Ein Enzym, die so genannte 5-alpha-Reduktase, wandelt das Hormon Testosteron in seine aktive Form (Dihydrotestosteron DHT) um. Dieses aktive DHT bewirkt in der Prostata die Zellvermehrung und fördert somit die Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Wird die 5-alpha-Reduktase gehemmt, dann wird auch weniger DHT gebildet und die Vergrößerung der Prostata aufgehalten. Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Dutasterid und Finasterid. Beide Präparate müssen dauerhaft eingenommen werden und ein positiver Effekt tritt erst nach einiger Zeit ein. Dafür ist diese Substanzklasse die einzige, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten kann. Allerdings haben 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI)  auch einige Nebenwirkungen wie Kopf- und Bauchschmerzen sowie Impotenz und Libidoverlust.

Medikamente: Alphablocker

So genannte alpha1-Rezeptorblocker bewirken, dass sich die glatte Muskulatur in der Prostata und am Blasenhals entspannt, wodurch der Harn wieder besser fließen kann und die Beschwerden gelindert werden. Im Vergleich zu den 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren, wirken die Alphablocker innerhalb weniger Tage. Sie führen außerdem zu einer Blutdrucksenkung, was für Männer, die gleichzeitig unter hohem Blutdruck leiden, eine erwünschte Nebenwirkung ist. Männer mit normalem Blutdruck können allerdings unter Schwindel leiden, auch Ejakulations- und Verdauungsstörungen sowie Libidoverlust sind mögliche Nebenwirkungen. Präparate mit dieser Wirkungsweise sind Alfuzosin, Silodosin, Tamsulosin, Terazosin und Doxazosin.

Kombinationstherapie

Werden beide Wirkstoffgruppen kombiniert, kann der Patient von den unterschiedlichen Effekten der Medikamente profitieren. Die Alphablocker verbessern der Harnfluss und wirken schnell; bei den 5-ARI tritt die Wirkung erst langsam ein, dafür können Medikamente mit diesem Wirkstoff das Fortschreiten der Erkrankung  verzögern. Allerdings summieren sich damit auch die Nebenwirkungen, weshalb es sinnvoll sein kann, bei Patienten mit moderaten Beschwerden die Alphablocker nach etwa einem halben Jahr wieder abzusetzen.

Pflanzliche Medikamente

Pflanzliche Medikamente haben bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung eine lange Tradition. Die wichtigste Rolle spielen hier Präparate mit Wirkstoffen des Arzneikürbis, der Sägepalme und der Brennnesselwurzel.  Allerdings gibt es keine belastbaren Studien, die die Wirksamkeit dieser Präparate belegen würden. "Bei den chemischen Medikamenten gibt es plazebo-kontrollierte Doppelblindstudien mit mehreren tausend Patienten, das gibt es so bei den pflanzlichen Medikamenten nicht; sagt Urologe Stefan Tserovski.  Bei der pflanzlichen Therapie würden sich die Ärzte eher auf Erfahrungswissen verlassen. Er selbst würde Patienten mit einer beginnenden Prostatavergrößerung durchaus pflanzliche Präparate empfehlen.  "Dann muss der Patient aber mindestens einmal pro Jahr vom Urologen kontrolliert werden, um eine mögliche Verschlechterung der Erkrankung rechtzeitig erkennen zu können", so Tserovski. Bei Beschwerden, die mit einer Reizung der Blase einhergehen, würden die pflanzlichen Präparate besser helfen als bei Beschwerden, die mit einem Harnverhalt einhergehen, so der Urologe. Von einer Selbstmedikation mit pflanzlichen Medikamenten rät er allerdings ab. Der Vorteil der pflanzlichen Präparate: sie machen so gut wie keine Nebenwirkungen.

Gesunder Lebensstil

Ein gesunder Lebensstil kann ebenfalls helfen, die Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung zu lindern. "Männer sollten zurückhaltend sein, wenn es um den Genuss von alkoholischen Getränken und auch von kohlensäurehaltigen Getränken geht", rät Urologe Stefan Tserovski vom Immanuel Krankenhaus in Buckow. Spazierengehen und nicht zu langes Sitzen sind weitere Möglichkeiten, die Prostata gesund zu halten, ebenso wie Sport, wobei Radfahren durch die abgeknickte Sitzposition eher nicht so geeignet ist.

Beitrag von Ursula Stamm