Gesunder Darm - Abführmittel - das zweischneidige Schwert

Ob vor der Darmspiegelung oder vor vielen bildgebenden Verfahren - Abführmittel sind in der Medizin kaum zu ersetzen, gerade bei der Diagnostik. Sie sind leicht rezeptfrei zu bekommen und dazu noch günstig. Harmlos sind Abführmittel trotzdem nicht, denn falsch eingesetzt können sie sogar lebensgefährlich werden.

Gerade in der Urlaubszeit haben es wieder viele Menschen erlebt: Wenn Umgebung, Tagesrhythmus und Nahrung sich ändern, können Magen und Darm mal streiken. Die Folge: Verstopfung. Die vermeintlich einfachste Lösung für viele: Abführmittel.

Als Tablette oder in Wasser aufgelöst wirken die in der Regel spätestens nach ein paar Stunden und schaffen Abhilfe. Doch die Nebenwirkungen werden oft unterschätzt: Denn je nach Wahl des Abführmittels und dessen Einsatz kann es von Bauchkrämpfen und Blähungen über den Darmverschluss bis hin zum Mineralmangel und damit schlimmstenfalls zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Millionen Deutsche verwenden regelmäßig Abführmittel, so das Ergebnis einer Statista-Befragung. Die Zahlen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert - nach wie vor ist das Abführmittel beliebt. Aber längst nicht mehr nur bei konkreten Beschwerden. Denn der Mythos vom Abführmittel als "Diät" hält sich weiter hartnäckig. Experten gehen davon aus, dass Abführmittel zu den rezeptfreien Arzneimitteln gehören, die am häufigsten missbraucht werden.

Die Kalorienlüge

Das Prinzip klingt erst einmal einfach: Abführmittel schleusen das Gegessene schnell und möglichst unverdaut wieder raus aus dem Körper - dann können doch sicher weniger Kalorien aufgenommen werden. Folge: der ersehnte Gewichtsverlust, praktisch ohne Anstrengung. Diese Idee ist natürlich Unsinn und die Erklärung fast so einfach wie der Mythos: Abführmittel wirken vor allem im Dickdarm. Der steht aber sozusagen schon am Ende der Verdauung und so hat der Körper in Sachen Kalorien genug Zeit, um diese aufzunehmen.

Die Gefahr: Das gilt viel weniger für die wirklich wichtigen Stoffe, die wir brauchen. Mineralien vor allem und Flüssigkeit. Der Grund: Viele Abführmittel nutzen Wirkmechanismen, bei denen die aufgenommene Flüssigkeit quasi zum "Einweichen & Spülen", also zum Auflösen der vermeintlichen Verstopfung genutzt wird. Im schlimmsten Fall kann der Mangel an Flüssigkeit und Mineralien den ganzen Elektrolythaushalt des Körpers durcheinander bringen und Muskelschwächen, Herz- und Kreislaufstörungen und sogar -schäden verursachen. Zum Abnehmen sind Abführmittel also nicht nur extrem ungeeignet, sondern auch noch schädlich.

Viele Wege führen zur Wirkung

Es gibt viele gute Gründe, die ein Abführmittel notwendig machen - konkrete Beschwerden, wie Verstopfung oder eine anstehende Darmspiegelung sind die vielleicht häufigsten. Doch: Abführmittel ist nicht gleich Abführmittel. Sie wirken an unterschiedlichen Stellen im Darm und arbeiten mit verschiedenen Effekten. Bittersalz (Magnesiumsulfat) und Glaubersalz (Natriumsulfat) zum Beispiel arbeiten mit einem osmotischen Effekt: Die extrem salzhaltige Lösung zieht Wasser und Elektrolyte ins Darminnere, dadurch wird der Stuhlgang angeregt. Ähnlich wirken Zuckeralkohole wie Sorbitol oder Mannitol - sie halten durch einen ähnlichen osmotischen Trick Wasser im Darm "fest", sodass der Stuhl aufgeweicht werden kann, um eine Verstopfung zu beenden.

Einige pflanzliche Abführmittel, zum Beispiel das Aloin der Aloe, setzen an der Darmschleimhaut an. Weil sie verhindern, das Wasser und Elektrolyte aufgenommen werden können, bleiben diese im Darm und verdünnen sozusagen den Stuhl. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät allerdings, die apothekenpflichtigen Aloe-Abführmittel nicht länger als zwei Wochen einzunehmen, da sie im Verdacht stehen, bei Daueranwendung Veränderungen des Erbguts erzeugen zu können.

Auf die Ursache kommt es an

Abführmittel können kurzfristig gegen Verstopfung helfen, medizinische Untersuchungen ermöglichen oder auch eine Fastenkur einleiten. Wichtig ist allerdings immer: Ohne ausdrückliche ärztliche Anweisung und Begleitung sollten sie nie dauerhaft verwendet werden.

Jedes Abführmittel greift in die natürliche Flüssigkeits- und Nährstoffaufnahme des Körpers ein und kann diese auch dauerhaft verändern, oft mit gefährlichen Folgen. Und: Abführmittel beseitigen keine Ursachen - zum Beispiel von Verstopfung. Dauern diese Probleme länger als vier bis acht Wochen an, ist also in jedem Fall ärztlicher Rat gefragt.

Beitrag von Lucia Hennerici

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