Hintern einer Statue (Bild: imago/M. Zettler)
Bild: imago/M. Zettler

Gesundheit für Darm & Po - Vergrößerte Hämorrhoiden - wenn Sitzen zur Qual wird

Wen es als Reisenden in die große weite Welt zieht, der muss oft erst mal eines: Sitzen. Im Zug, im Auto, im Flugzeug - stundenlang. Für Menschen mit Darmproblemen kann die Reisezeit darum zur Qual werden - gerade auch für die, die unter Verstopfung oder schon einer möglichen Folge davon leiden: vergrößerten Hämorrhoiden. Experten schätzen, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Erwachsenen über 30 betroffen sind. Wie sie entstehen, was hilft und was vorher schützt, verrät die rbb Praxis.

Über Probleme mit Darm und Po zu sprechen, ist für viele Menschen immer noch ein Tabu. Auch mit dem eigenen Arzt. Doch sie einfach „auszusitzen“ kann schmerzhafte Folgen haben - so auch im Fall von „Hämorrhoiden". Genauer: Hämorrhoidalleiden. Denn tatsächlich haben wir alle Hämorrhoiden - zum Glück, denn das Hämorrhoidal-Geflecht ist ein besonders gut durchblutetes Gewebepolster am Ende des Mastdarms, das wie ein Schwellkörper funktioniert und - bei angespanntem Schließmuskel mit Blut gefüllt - den After sicher verschließt.
Was die meisten Menschen aber meinen, wenn sie von Hämorriden sprechen ist die krankhafte Erweiterung der Gefäße des Hämorrhoidal-Geflechts: eben das Hämorrhoidalleiden.

Druck nach außen

Leiert dieses Gefäßpolster aber aus oder steckt eine Entzündung dahinter, können die Hämorrhoiden nach außen gedrückt werden, Aussackungen und Knoten bilden, die dann z.B. auch beim Sitzen zu Schmerzen führen. Auch Juckreiz, Blutungen oder Nässen im Afterbereich können die Folge sein. 

Wichtig für Betroffene: Scham überwinden und Symptome beim Arzt abklären lassen. Denn: Sind es Hämorrhoidalleiden, verschwinden diese nicht von allein, können aber gut behandelt werden. Und sind sie es nicht, können gerade Symptome wie Blut im Stuhl oder am After auch auf andere, ernste Erkrankungen hinweisen, bis hin zu Tumoren.

Wenn ein kleines Problem immer größer wird...

Der Berufsverband Deutscher Internisten unterteilt den Krankheitsverlauf in vier Grade: Beim Grad l sind die geschwollenen Hämorrhoiden oft nur durch eine Spiegelung des Enddarms zu entdecken. Manchmal können aber auch schon hier leichte Blutungen am Toilettenpapier z.B. erkennbar sein - wenn harter Stuhl die geschwollenen Gefäße beim Toilettengang verletzt hat. Bei Grad ll treten die Hämorrhoiden beim Pressen auf der Toilette aus dem After hervor, gleiten anschließend aber wieder zurück in den Körper. Hier kommt es dann häufiger zu Blutungen während des Stuhlgangs und - wie auch bei Grad lll und lV (Hämorrhoiden gleiten von allein nicht mehr zurück in den Körper) - zum Phänomen Afterjucken, meist einer Entzündungsreaktion. Dieses Afterjucken gilt als quälend, da es oft auch mit einem Brennen oder Nässen am After einhergeht.

Teufelskreis durch Fremdkörpergefühl

Bei fast allen Graden des Krankheitsbildes kommt es außerdem zu Schmerzen beim Stuhlgang, weil der Schließmuskel beim Pressen das geschwollene Hämorrhoidal-Geflecht quetscht. Nebeneffekt: Betroffene haben durch die geschwollenen Hämorrhoiden oft das Gefühl, dass der Darm noch nicht ganz entleert sei - das führt dazu, dass sie immer häufiger auf die Toilette gehen, immer häufiger Pressen und die Schwellung und also das Problem noch verstärken.

Gleiten die Hämorrhoiden nicht zurück in den Darm (Grad lll und lV) entsteht oft außerdem ein Dauerdruck auf den After, was die Schmerzen verstärkt.

Ursachen: Ein bisschen Genetik, viel Lebensstil

Beim Hämorrhoidenleiden geht es um krankhaft geweitete Gefäße - klar also, dass eine genetische Veranlagung zur Schwäche von Wänden der Blutgefäße Experten zufolge auch das Auftreten von Hämorrhoiden begünstigt. Unabhängig davon treten sie aber genau deshalb auch bei älteren Menschen häufiger auf, als bei Jüngeren - wenn die Elastizität der Gefäße natürlicherweise nachlässt.

Viele Risikofaktoren haben aber auch schlichtweg mit dem eigenen Lebensstil zu tun - ein wesentlicher Grund dafür, warum einige Experten schon von der "Volkskrankheit Hämorrhoiden" sprechen. Denn: Vor allem häufiges Sitzen, wenig Bewegung und Übergewicht erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Hämorrhoidenleiden - also Faktoren, die in unserer modernen Gesellschaft ohnehin zu vielen gesundheitlichen Problemen führen. Beispielsweise kann es durch langes, häufiges Sitzen zu Blutstauungen unterhalb der Hüfte kommen, was den "Schwellkörper Hämorrhoiden" langfristig unter Druck setzt.

In diesem Fall begünstigen diese Lebensstilfaktoren vor allem aber auch die Darmträgheit. Zum Beispiel in Kombination mit einer ballaststoffarmen Ernährung, können die wenig Bewegung und/oder Übergewicht auch zu chronischer Verstopfung führen - eine der häufigsten Ursachen für Hämorrhoiden.

Frage des Drucks: Von Verstopfung zu Hämorrhoiden

Ist der Stuhl sehr hart und kompakt müssen Betroffene oft lange und intensiv pressen - dabei steigt der Druck des Blutes in den Gefäßen des Hämorrhoidal-Geflechts stark an und das - zumindest bei chronischer Verstopfung - häufiger und länger als im Normalfall. Das Verschlusssystem aus Hämorrhoiden und Aftermuskulatur gerät unter Druck und die Gefäßwände werden übermäßig gedehnt.

Mann mit Verstopfung auf der Toilette (Bild: imago/Panthermedia)

Aber auch andere Arten von Druck aus dem Bauchraum können zu krankhaft veränderten Hämorrhoiden führen: Langes Intensives Krafttraining gehört beispielsweise dazu, ebenso langanhaltender Husten und eben Übergewicht. Auch während einer Schwangerschaft kann die Kombination aus mehr Druck im Bauchraum und einer hormonbedingten Veränderung des Bindegewebes im Beckenboden das Risiko für vergrößerte Hämorrhoiden verstärken.

Männer sind von Hämorrhoidalleiden tendenziell häufiger Betroffen. Experten schätzen allerdings, dass mehr als jeder Zweite Erwachsene mindestens einmal im Leben mit vergrößerten Hämorrhoiden zu tun hat oder haben wird.

Therapie: Wann braucht der Darm Hilfe - und welche?

Erst im April 2019 wurden die S3-Leitlinien zur Therapie von Hämorrhoidalleiden angepasst - und ein stärkerer Fokus auf die konservative Therapie gelegt. Das heißt vor allem: einerseits den Darm für eine gute Verdauung fit zu machen, um zu starkes Pressen zu vermeiden. Andererseits Entzündungen und Ödeme, die Schmerzen verursachen beispielsweise mit Cremes, Salben, Analtampons & Co. zu behandeln (Hämorrhoidalia). Die Autoren der Leitlinien sehen invasive Maßnahmen klar als letzte Mittel der Wahl - zum Beispiel bei Patienten mit Hämorrhoidalleiden vierten Grades, die durch Schmerzen oder auch Inkontinenz beeinträchtigt sind, gerade auch was die Lebensqualität angeht.

Als wichtigste konservative Ansatzpunkte gelten Ernährung und Bewegung, um die Stuhlstruktur positiv zu beeinflussen und Pressen zu vermeiden - ebenso übrigens den Einsatz von Abführmitteln, denn auf Dauer führt auch das zu Hämorridalleiden, weil die Darmmuskulatur "erschlafft".

Natürliche Quellmittel

Ballaststoffe haben sich in Studien als besonders hilfreich erwiesen, dazu mindestens 2 - 3 Liter Flüssigkeit pro Tag. Auch natürlich Quellmittel wie Flohsamen können den Darm im besten Sinne anregen. Auch der bewusste und informierte Umgang des Patienten mit dem Pressen, dem Gefühl des noch nicht entleerten Darms und eine kürzere Verweildauer auf der Toilette können helfen, so die Leitlinenexperten.

Gutes für Darm & Magen

  • Gesunde Kräuter und Gewürze für Magen und Darm

  • Mikrobiom: Heilung aus dem Darm? 16.05.2019 14:25

  • Säurehemmer – eine unterschätzte Gefahr?

Nächste Option: Veröden oder Abschnüren?

Wo eine Verhaltensänderung in Sachen Ernährung und Bewegung nicht mehr hilft, können laut Leitlinien auch die Mittel der Verödung (Sklerosierung) oder das Abschnüren mit einem Gummiband in Frage kommen. Auch diese Methoden gelten im Gegensatz zur OP als nicht-invasiv. Sie werden in der Regel ab Grad ll angewandt, aber auch hier kommt es vor allem auf den Leidensdruck des Patienten an und was ihm oder ihr hilft.

Beim Abschnüren wird das vergrößerte Hämorrhoidalgewebe mit einem Gummiband umschlungen und so von der Blutversorgung abgeschnitten. Binnen weniger Tage fällt das Gewebe ab. Bei der Verödung hingegen wird eine Alkohollösung in das Gewebe zwischen der Muskelschicht und der Schleimhaut im betroffenen Areal gespritzt - das führt zu einer absichtlichen Entzündung, die die Durchblutung im Hämorrhoidalgewebe verringert.

Pflege für den Po hilft

Ein gutes Klima für den Po ist nicht nur aber gerade für Menschen mit Hämorrhoiden wichtig. Das heißt beispielsweise auch:

  • Unterwäsche besser aus Naturfasern wie Baumwolle wählen

  • Auf Reaktionen auf Waschmittel achten und das gegebenenfalls wechseln

  • Mit dem Toilettenpapier eher tupfen als wischen

  • Bei Waschlotionen oder Feuchttüchern unbedingt auf die Hautverträglichkeit achten und Seife meiden. Tipp: Oft eignen sich auch Produkte für empfindliche Babyhaut

Vorbeugen: Der Darm braucht Training

Besser aber es kommt gar nicht erst zu vergrößerten Hämorrhoiden. Zentraler Schlüssel: der Lebensstil. 

In Sachen Ernährung heißt das: 

  • Viele Ballaststoffe, wie sie in Vollkornprodukten, Sesamöl, Obst und Gemüse oder just den klassischen Haferflocken stecken

  • Wenig Fett, Alkohol und Nikotin

  • Ebenso sollten empfindliche Menschen blähende Lebensmittel, wie Kohl in großen Mengen eher meiden

  • Viel trinken, am besten zuckerfreie Produkte und Wasser. Schwarzen Tee hingegen eher meiden

In Sachen Bewegung helfen:

  • Wandern, Schwimmen oder Radfahren beispielsweise. Diese Form der Bewegung belastet den Beckenboden nicht übermäßig 

  • Weniger geeignet sind dagegen: Tennis, Joggen oder Krafttraining (gerade des Rumpfes), denn sie fordern die Beckenbodenstruktur stark

Beitrag von Lucia Hennerici

Weitere Beiträge

Schwitzende Frau tupft sich Stirn mit Handtuch (Bild: imago/Westend61)
imago/Westend61

Herzprobleme bei Hitze

Heiße Sommertage – was den einen freut, belastet die Gesundheit des anderen. Für Menschen mit Herzproblemen kann die Hitze eine große Herausforderung werden. Häufig kommt es zu vermehrter Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen bis hin zu Muskelkrämpfen oder Herzrhythmusstörungen.

Seniorenpaar liegt sich lächelnd im Arm (Bild: imago/Westend61)
imago/Westend61

"Silver Sex" - Das Liebesleben hat kein Ablaufdatum

Falten, Wechseljahre, Krankheit, aber auch Gelassenheit und Erfahrung: Mit den Jahren verändern sich Psyche und Körper – und mit ihnen oft auch die Bedürfnisse im Bett. Das muss nicht dazu führen, dass man keinen Sex mehr hat. rbb Praxis erklärt, warum Sexualität sich im Alter wandelt – und wie man trotzdem ein erfülltes Liebesleben haben kann.