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Interview | Wie gefährlich ist das Norovirus? - Hochsaison für Noroviren

Während der Sommer vor allem Salmonellen-Saison ist, tritt der Norovirus überwiegend in den Wintermonaten auf: Hochsaison ist von November bis April. Wie schützt man sich vor dem Erreger? Und was tun, wenn es einen doch erwischt hat?

Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe – das Norovirus ist weltweit verbreitet und mit die häufigste Ursache von Magen-Darm-Infektionen beim Menschen. Seit Juli vergangenen Jahres wurden laut Robert-Koch-Institut mehr als 48.200 Infektionen in Deutschland registriert.

Dabei verändert sich das Virus permanent, ständig kommen neue Typen hinzu. Auch aktuell geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass wieder ein neuer Norovirus-Typ kursiert, der bereits zu einem frühen und starken Beginn der Norovirus-Saison geführt hat. Doch es gibt Maßnahmen, mit denen man sich schützen kann, erklärt der Allgemeinmediziner Dr. Martin Dreyer aus Berlin-Spandau im Interview.

Herr Dr. Dreyer, wie gefährlich ist der Norovirus für alte und schwache Menschen und für Kinder?

Vor allem alte Menschen, die an mehreren Erkrankungen leiden und kleine Kinder haben ein empfindliches Immunsystem, sodass ihnen der Norovirus erheblich zusetzen kann. Allerdings ist die Letalität (Anteil der Verstorbenen, Anm. d. Red.) der Norovirus-Erkrankung sehr gering und liegt unter 0,1 Prozent. Davon betroffen sind vor allem alte Menschen.

Ab wann ist es ein Notfall?

Schwere Erkrankungsverläufe gehen mit starken Flüssigkeitsverlusten durch Erbrechen oder Durchfall einher. Es kann zur Austrocknung (Dehydratation) mit Verlusten von Blutsalzen kommen. Als Folge können Kreislaufbeschwerden mit Gefahren von Stürzen und weiteren Verletzungen auftreten. Es kann ein Nierenversagen eintreten, was eine umgehende stationäre Behandlung nach sich ziehen muss, damit eine adäquate Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution erfolgen kann.

Wie werden die Viren übertragen?

Die Übertragung erfolgt auf fäkal-oralem Wege, zum Beispiel durch Kontakt mit infizierten Flächen, mit Erbrochenem, Stuhl, oder über die Aufnahme kontaminierter Lebensmittel. Am Häufigsten erfolgt die Ansteckung durch direkte Übertragung von Mensch zu Mensch.

Wie kann ich mich schützen?

Eine Impfung gibt es nicht. Schützen kann man sich nur durch konsequente Durchführung von Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen –und Desinfektion, Vermeiden von Kontakt der Hände mit dem Gesicht bzw. das Berühren der Augen, Nase und Mund. Zuhause sollte ein eigenes Handtuch oder Einmalhandtücher benutzt werden. Auch sollten die Toilette, das Waschbecken sowie Türgriffe desinfiziert werden.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit liegt zwischen ca. 6 und 50 Stunden.

Was sollte der Betroffene tun, wenn er schon infiziert ist?

Im Erkrankungsfall soll auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden mit Ausgleich der Elektrolyte. Hierfür eignen sich Tee mit etwas Zucker, salzige Brühen, aber auch fertige Elektrolytlösungen, die in Pulverform in der Apotheke erhältlich sind. Ansonsten sollen die bereits erwähnten Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Wie lange ist man ansteckend und sollte zuhause bleiben?

Die Gefahr der Ansteckung dauert noch bis ca. 48 Stunden, nachdem die Symptome aufgehört haben. Jedoch kann der Erreger noch 7 bis 14 Tage über den Stuhlgang ausgeschieden werden.

Das Interview führte Sybille Seitz

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