Diagnose, Behandlung und Risiken - Nierensteine - eine ernsthafte Gefahr

Eine Blasen- oder Harnwegsinfektion ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch sehr gefährlich sein - zum Beispiel wenn Steine im Bereich der Niere oder Blase die Ursache sind. Wie wichtig deshalb eine schnelle Behandlung ist, erklärt rbb Praxis online. 

Eine Entzündung der Harnblase ist ein unangenehmes Leiden, mit dem sich vor allem Frauen herumplagen müssen. Jede zweite hatte schon einmal eine Blasenentzündung, manche haben immer wieder damit zu tun. Frauen sind häufiger davon betroffen, weil ihre Harnröhre kürzer ist als die der Männer, so dass die Keime leichter ihren Weg in die Harnblase finden.

Bei Männern treten Blasen- oder Harnwegsinfektionen meist erst dann auf, wenn der Harn schlecht abfließen kann: Dies ist beispielsweise der Fall bei angeborenen Fehlbildungen oder Verengungen oder bei Steinen im Bereich der Niere und der Blase. Dann staut sich der Harn und begünstigt eine Infektion. Und auch Diabetiker oder Menschen, die einen Dauerkatheter tragen, erkranken gehäuft an Harnwegsinfektionen. Typische Symptome einer Entzündung sind Brennen beim Wasserlassen und ein häufiger Harndrang.

Nach zwei Tagen zum Arzt

Zeigt sich nach zwei Tagen keine deutliche Besserung der Beschwerden, sollte man zum Arzt gehen. Denn wer eine Blasenentzündung verschleppt, riskiert das Aufsteigen der Keime und damit eine Nierenbeckenentzündung. Außerdem verhindert die frühzeitige Gabe von Antibiotika, dass eine Blasenentzündung zum Dauerproblem wird, beispielsweise zu einer Reizblase führt oder sich die Blase chronisch entzündet.

Eine weitere Komplikation bei einer schweren Entzündungen der Harnwege ist eine Blutvergiftung. Die Blutvergiftung, wie Laien sie umgangssprachlich bezeichnen, ist der Fachwelt als Sepsis (griechisch "sepo": faul machen, Fäulnis) bekannt. Es kommt dabei zur lebensbedrohlichen Störung der Vitalfunktionen und letztlich zum Versagen diverser Organe. So eine Sepsis im Zusammenhang mit einer Harnwegsinfektion kann besonders dann auftreten, wenn der Harn sich über längere Zeit in den Harnwegen und der Niere aufstaut.

Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Patienten mit einer geschwächten Immunabwehr. Deren Immunsystem hat weniger Kapazitäten, die Erreger der Blutvergiftung zu eliminieren und zu verhindern, dass sie auf den restlichen Körper übergehen.

Sepsis – ein medizinischer Notfall

Die Therapie der Sepsis gilt als medizinischer Notfall und erfordert intensivmedizinische Maßnahmen. Zunächst muss die Quelle der Infektion erkannt und saniert werden. Da in den meisten Fällen Bakterien die Auslöser sind, kommen hierfür Antibiotika zum Einsatz. Neben der Bekämpfung der Erreger sind weitere Maßnahmen wie Sauerstoffzufuhr und Blutdruckstabilisierung notwendig. Hierzu verabreicht man den Betroffenen zunächst über eine Infusion Flüssigkeit. Reicht das nicht aus, kommen Hormone zum Einsatz, um das Herz-Kreislauf-System anzuregen. Dazu gehört vor allem Noradrenalin. Darüber hinaus kann eine schwere Blutvergiftung oder ein septischer Schock weitere Therapie-Maßnahmen erfordern, wie eine Dialyse oder eine künstliche Beatmung.

Bei gesunden Menschen birgt nicht gleich jede kleine Infektion die Gefahr einer Blutvergiftung. Doch man sollte bei einer unklarer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auch daran denken.

Harnsteinleiden sind übrigens in der Bevölkerung weit verbreitet, sie zählen zu den häufigsten Erkrankungen. Meist bestehen die Steine aus Calcium-Oxalat- oder Calcium-Phosphat, nur selten aus Harnsäure. Alle diese Abfallprodukte des Stoffwechsels sind normalerweise im Urin gelöst und werden mit ihm ausgeschieden. Verringert sich die Menge an Urin oder werden die Abfallprodukte nicht so gut ausgeschieden, sind die Substanzen nicht mehr gelöst. Es kommt zur Kristallisation im Urin und später zur Steinbildung.

Oft bleiben die Harnsteine jahrelang unbemerkt

Die Diagnose der Harnsteine gelingt dem Arzt mit einer Ultraschall-Untersuchung der Nieren und der ableitenden Harnwege. Dabei fahndet der Urologe nach den Harnsteinen vor allem in den beiden Harnleitern. Zwar bilden sich die Harnsteine meist im Nierenbecken oder den Nierenkelchen. Dieser Prozess dauert meist Jahre und bleibt vom Patienten unbemerkt. Problematisch wird es aber, wenn die Steine in die Harnleiter rutschen und dort verklemmen. Die Harnleiter verbinden die Nieren mit der Blase. Sind sie "verstopft", kommt es zum schmerzhaften Harnstau.

Die Nierenkolik ist ein Notfall, der sich manchmal "von selbst" löst. Dann nämlich, wenn meist kleinere Steine durch die krampflösenden Medikamente über den Urin ausgespült werden. Gelingt das nicht und sitzen die Steine im unteren Teil des Harnleiters, schiebt der Urologe ein Spezialendoskop durch die Harnröhre und die Blase bis an die Hindernisse heran, entfernt die Steine oder zertrümmert sie mit Laserimpulsen oder Stoßwellen.

Beschuss der Nierensteine

Liegt der Stein hingegen zu hoch, also nahe der Nieren, wird er per Ultraschall ins Visier genommen und von außen mit Stoßwellen beschossen. Diese Form der Stoßwellentherapie wird ESWL (extrakorporale Stoßwellenlithotrypsie) genannt.

Vorbeugend kann man ausreichend viel Flüssigkeit in Form von Wasser oder Tee zu sich nehmen und nicht allzu viel Eiweiß essen. Trinken gilt als beste Vorbeugung gegen Nierensteine und ihre schmerzhafte Folge, die Nierenkolik.

Beitrag von Susanne Fass