Ursachen, Anzeichen, Therapien - Multiple Sklerose: Krankheit der 1000 Rätsel

Multiple Sklerose (MS) ist bis heute nicht heilbar. Doch mit frühen Therapien lassen sich die Symptome wirksam reduzieren und der Krankheitsverlauf besser kontrollieren. rbb Praxis gibt einen kurzen Überblick über die Krankheit der 1000 Rätsel.

Ursachen der MS
Wie die MS entsteht, ist bis heute ungeklärt. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus genetischer Vorbelastung und Umweltfaktoren für den Ausbruch verantwortlich. Eventuell spielen auch Infektionen, beispielsweise mit dem Epstein-Barr-Virus, eine Rolle. Die MS ist eine Autoimmunerkrankung: Körpereigene, autoaggressive Immunzellen dringen in das zentrale Nervensystem (ZNS) ein. Die weißen Blutkörperchen verursachen im ZNS Entzündungen und zerstören nach und nach die schützende Hülle der Nerven. Dadurch ist die Erregungsleitung gestört.

Anzeichen der MS
Die MS verläuft individuell sehr unterschiedlich. Bei bis zu Dreiviertel der Patienten beginnt sie mit einem vereinzelten Symptom. Charakteristische Erstsymptome sind Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl oder eine belastungsabhängige Schwäche der Beine. Nach und nach können weitere Symptome auftreten: Ermüdung und Abgeschlagenheit, Schmerzen, Inkontinenz und sexuelle Funktionsstörungen. Der Verlauf der Krankheit ist von PatientIn zu PatientIn sehr individuell. In den meisten Fällen verläuft die MS schubförmig: Die Beschwerden flammen plötzlich auf und können sich rasch wieder zurückbilden. Nach und nach verschlechtert sich allerdings der Zustand der Patienten. Eine Grippe, Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Narkosen und Operationen können die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Schub erhöhen.

Ein normales Leben leben
Grundsätzlich lässt sich der Krankheitsverlauf mit modernen Medikamenten positiv beeinflussen. Die verschiedenen Wirkstoffe können die Schubhäufigkeit verringern, sie ganz zum Erliegen bringen und das Fortschreiten eventueller Behinderungen begrenzen. Allerdings stehen MS-Patienten und ihre behandelnden Ärzte oft vor der schwierigen Entscheidung, Wirkung und Nebenwirkungen miteinander abzuwägen.

Die Therapie im Einzelnen
Oberstes Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten der Beschwerden zu verzögern und den Betroffenen ein möglichst sorgenfreies, alltägliches Leben bei guter Lebensqualität zu ermöglichen. Das sind die Therapieformen im Einzelnen:
• Schubtherapie (hochdosierte Kurzzeittherapie): Im akuten Schub erhalten die Patienten häufig hochdosiert Glukokortikoide. Sie dämpfen die akute Entzündung und dichten die Blut-Hirn-Schranke ab, sodass die entzündungsfördernden Immunzellen diese nicht passieren können.
• Immunsuppression und Immunmodulation (Langzeittherapie): Damit die MS auch auf Dauer nicht wieder ausbricht, erhalten die Patienten zuweilen Wirkstoffe zur Immunsuppression (Unterdrückung der Immunantwort) wie Mitoxantron, Azathioprin und Cyclophosphamid und Wirkstoffe zur Immunmodulation (Veränderung der Immunantwort) wie Fingolimod, Beta-Interferone, Glatirameracetat, intravenöse Immunglobuline (IVIG) oder Natalizumab.
• Behandlung symptomatischer Beschwerden: Dafür bieten sich physiotherapeutische, logopädische, ergotherapeutische, psychotherapeutische, medikamentöse und operative Maßnahmen an – abhängig von den Beschwerden des einzelnen Patienten.
• Geeignete Ernährung zur Verbesserung der Lebensqualität: Bislang gibt es keine wissenschaftlich sauberen Studien, die zeigen konnten, dass bestimmte Ernährungsempfehlungen und Diäten den Verlauf der MS verbessern.
• Komplementäre und alternative Heilverfahren: Kein Verfahren konnte bislang wissenschaftlich überzeugen, dass es wirkt.

Text: Constanze Löffler