Symbolbild für Schwindel: Treppe in der IHK in München (Quelle: imago/Falk Heller)
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Ursachen und Schwindel als Begleiterscheinung - Schwindel – was steckt dahinter?

Schwindel ist erst einmal nur eine Beschwerde, die aber viele Ursachen haben kann: vom schwankenden Blutdruck über Störungen des Innenohrs bis hin zum Hirntumor. Schwindelgefühle tauchen aber auch als Begleiterscheinung anderer Leiden auf. Nur: Wie erkennt man, was dahinter steckt?

Lagerungsschwindel - überreizte Sinneszellen

Bei vielen Schwindelattacken handelt es sich um einen Lagerungsschwindel, der nach längerer Bettlägerigkeit oder nach einem Schleudertrauma auftritt (z. B. durch einen Skiunfall). Erkannt wird er vom Nervenspezialisten oder vom Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. In dem als Sacculus bezeichneten Teil des Innenohres, in welchem die Schwerkraft wahrgenommen wird, sind in einer gallertartigen Masse kleine Ohrsteine (Otholiten) eingebettet. Bei plötzlicher Bewegung oder nach einer Ruhephase wandern diese in die Bogengänge, überreizen dort die Sinneszellen, die für Drehbewegungen zuständig sind, und verursachen Schwindel und Übelkeit.

Solche Attacken können bis zu einer Minute andauern und ständig wiederkehren. Die Lösung: Mit einer beherzten Bewegung schwingt der Neurologe den Kopf um 180 Grad auf die andere Seite, so dass sich die kleinen Ohrensteine zum Sacculus zurückbewegen. Dort lösen sie keinen Schwindel mehr aus. Bei etwa 60 Prozent aller Patienten reicht ein einziger Wurf und der Lagerungsschwindel verschwindet.

Anhaltender Drehschwindel

Nicht selten steckt hinter Drehschwindel eine sogenannte Neuritis vestibularis, also eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs beispielsweise durch ein Herpesvirus. Dieser befällt den Nerv, der vom Gleichgewichtsorgan zum Gehirn führt. Der schwillt dadurch an und kann die aus dem Sinnesorgan empfangenen Informationen nicht mehr oder nur noch in Bruchstücken weiterleiten. Folge ist ein tagelanger Dauerdrehschwindel, begleitet von heftiger Übelkeit und Erbrechen. Kortison, das die Entzündung unterdrückt, und Medikamente, die Viren bekämpfen, schaffen schnell Linderung.

Diagnostiziert wird die Nervenentzündung mit der sogenannten Ohrspülung. Dabei erhält der Patient im Wechsel kaltes und warmes Wasser ins Ohr. Das Wasser gelangt in die Nähe des Innenohrbereiches, der über feine Sinneshärchen verfügt. Je nach der Temperatur des Wassers werden die Sinneshärchen in unterschiedliche Richtungen gelenkt, und über den Gleichgewichtsreflex folgen typische Augenbewegungen in die eine oder andere Richtung. Bei einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs bewegen sich die Augen hingegen unregelmäßig.

Anfallsartiger Drehschwindel (u.a. Morbus Menière)

Beim anfallartigen Drehschwindel (Attackenschwindel) handelt sich um eine Form, die akut von einem Moment auf den anderen einsetzt und in der Regel nur Sekunden bis wenige Minuten anhält. Während des Schwindelanfalls kommt es zu einem starken Drehgefühl, das oft von Übelkeit begleitet wird. Zudem liegt eine ausgeprägte Fallneigung vor. Eine Ursache für diese Schwindelform kann unter anderem die sogenannte Menière-Krankheit (Morbus Menière) sein. Dann ist die Bildung der Lymphflüssigkeit im Innenohr zu stark ausgeprägt. Es kommt zu einem Lymphstau und in der Folge zu einem Überdruck im Innenohr. Dies führt zum Einreißen der feinen Membranen, die die verschiedenen Räume des Innenohrs voneinander abtrennen. Durch die Risse kann es zu plötzlichen Verlagerungen der Flüssigkeiten im Innenohr kommen, wodurch Falschmeldungen zum Gehirn weitergeleitet werden.

Beim Morbus Menière tritt während der Schwindelattacken oftmals auch Schwerhörigkeit auf, die Stunden aber auch Tage anhalten kann. Weitere Symptome sind Ohrgeräusche (Tinnitus), Schweißausbrüche, Erbrechen und Druck auf dem erkrankten Ohr. Die Menière-Krankheit tritt am häufigsten zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr auf. Oftmals heilt die Erkrankung binnen 5 Jahren spontan ab. Trotzdem sollte auf eine ärztliche Beratung und Behandlung aufgrund des hohen Leidensdrucks und möglicher Komplikationen nicht verzichtet werden. Weitere Ursachen für Attackenschwindel können Multiple Sklerose, Durchblutungsstörungen im Gehirn und bei jungen Erwachsenen auch Migräne sein.

Schwankschwindel (u.a. psychogener Schwindel)

Ergeben die üblichen Routineuntersuchungen keine organische Ursache, wird bei vielen Betroffenen von einem psychogenen Schwindel ausgegangen. Er kann sich zur Phobie (Angsterkrankung) auswachsen. Dann entsteht ein Teufelskreis. Die Angst vor dem Schwindel sorgt bereits für Schwindel. Kleine Alltagsängste wie z. B. "Respekt" vor Rolltreppen können Herzrasen, Übelkeit und Schweißausbrüche provozieren.

Die Behandlung konzentriert sich auf den Auslöser des psychogenen Schwindels. Bei manchen Patienten reicht es schon, wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen werden. Patienten mit psychiatrischen Störungen, Angsterkrankungen und Phobien dagegen brauchen jedoch häufig eine Psychotherapie, die mitunter sogar stationär durchgeführt werden muss. Als ergänzende Therapie hilft ein Gleichgewichtstraining. Es stärkt das Gefühl, auch mit "wackligeren" Untergründen und Situationen fertig zu werden, und vertreibt die Angst vor dem Hinstürzen.

Wirksame Therapien bei Schwindel

So vielfältig die Ursachen, so unterschiedlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten von Schwindel. Sie reichen von medikamentösen Therapien über physiotherapeutische Behandlungen bis zu chirurgischen Eingriffen. Begleitend können die Betroffenen selbst viel Schwindel tun, indem sie sich in Bewegung halten. Aktivität reizt auch das Gleichgewichtsorgan und hält es in Schwung. Je mehr sich Patienten hingegen schonen, desto größer wird die Unsicherheit – und desto mehr verstärkt sich die Abwärtsspirale.