Illustration: Zika-Virus greift Nervensystem an (Quelle: imago/Science Photo Library)
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Guillain-Barré-Syndrom durch Zika - Zika-Virus kann schwere Nervenerkrankung auslösen

Bislang ist das Zika-Virus vor allem mit Schädelfehlbildungen bei Kindern in Zusammenhang gebracht worden. Das von der Tigermücke übertragene Virus kann aber auch der Auslöser einer akuten entzündlichen Erkrankung des Nervensystems sein: des Guillain-Barré-Syndroms.

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem Teile des Nervensystems angreift. Betroffen ist vor allem das periphere Nervensystem, welches für die Weiterleitung von Reizen zum Beispiel an Arme und Beine verantwortlich ist. Daher sind die ersten Symptome der Krankheit, Schwäche und Lähmungserscheinungen in den Beinen. Im weiteren Verlauf breitet sich die Lähmung über den Rumpf in die Arme bis hin zum Kopf aus, wo sie im schlimmsten Fall zum Ausfall von Atem- und Schluckmuskulatur führen kann. Das ist dann ein lebensbedrohlicher Zustand, der intensivmedizinisch versorgt werden muss, etwa durch künstliche Beatmung.

Darüber hinaus greift das Guillain-Barré-Syndrom auch das vegetative Nervensystem an, welches für die Steuerung von Blutdruck, Herzfrequenz und Blasen- und Darmfunktion zuständig ist. So kann es in Folge der Erkrankung auch hier zu Störungen kommen.

Das Guillain-Barré-Syndrom wird durch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) und durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit der peripheren Nerven diagnostiziert. Im Liquor finden sich typische Eiweißstoffe, die Nervenleitgeschwindigkeit der peripheren Nerven ist deutlich verlangsamt. Üblicherweise entwickelt sich die Erkrankung innerhalb weniger Tage bis zu vier Wochen; nach diesen vier Wochen verschlechtert sich der Zustand der Patienten in der Regel nicht mehr.

Prognose und Therapie

Je früher das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert wird, desto besser stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung der Nervenerkrankung. Rund ein Fünftel aller Betroffenen behalten schwere Behinderungen zurück, etwa fünf Prozent sterben an der Erkrankung. Je heftiger das Syndrom verläuft - wenn es etwa zu einer Atemlähmung kommt - desto schlechter ist die Prognose.

Für die schweren Verlaufsformen gibt es Medikamente wie Immunglobuline oder auch eine Blutwäsche (Plasmapherese). Dabei werden die für die Erkrankung verantwortlichen Antikörper aus dem Blut gefiltert. Die Therapie mit intravenösen Immunglobulinen dient dazu, diese Antikörper zu neutralisieren und deren Produktion zu hemmen. Bei leichteren Verlaufsformen gilt es vor allem Infektionen und Thrombosen bei den Patienten zu verhindern, sowie drohende Bewegungseinschränkungen mit Physiotherapie zu behandeln.

Ursachen

Bei zwei Dritteln der am Guillain-Barré-Syndrom erkrankten Menschen spielen vorausgegangene Infektionen mit Bakterien oder Viren eine Rolle. Üblicherweise handelt es sich um Infektionen des Magen-Darm-Traktes oder der Atemwege.

Erreger, für die ein solcher Zusammenhang nachgewiesen ist, sind Campylobacter jejuni , Mycoplasma pneumoniae, Cytomegalie-Virus und das Epstein-Barr-Virus. Vereinzelt wurde auch nach Impfungen gegen Grippe oder Tollwut und nach Insekten- oder Zeckenstichen über das Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms berichtet.

Das Zika-Virus als Ursache

Auch das Zika-Virus, mit dem sich allein in Brasilien rund 1,5 Millionen Menschen infiziert haben, steht jetzt im Verdacht das Guillain-Barré-Syndrom auszulösen. Anlass gibt eine im März 2016 in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlichte Studie eines Forscherteams vom Institut Pasteur in Paris. Die Forscher hatten Erkrankungsdaten aus Französisch-Polynesien ausgewertet. Dort waren zwischen Oktober 2013 und April 2014 etwa 200.000 Bewohner der südpazifischen Inselgruppe von einer Zika-Epidemie betroffen.

Während in den Vorjahren ohne Zika-Epidemie nur zwischen drei und zehn Menschen am Guillain-Barré-Syndrom erkrankt waren, stieg die Zahl der Diagnosen danach auf 42 Fälle. Das entspricht einer Steigerung um mehr als das Zehnfache. Bei einer Untersuchung der Blutproben der Erkrankten stellte sich heraus, dass alle Antikörper gegen das Zika-Virus im Blut hatten. Zudem berichteten fast 90 Prozent der im Krankenhaus behandelten Patienten von typischen Zika-Symptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen.

"Dies ist die erste Studie, die eine Zika-Infektion als Ursache für das Guillain-Barré-Syndrom belegt," schreibt das Team vom Institut Pasteur in Paris. Zwar müssten noch weitere Studien folgen, aber der Zusammenhang gilt als weitgehend gesichert. So erklärt das Ergebnis der Studie auch, warum in Brasilien mit dem Zika-Ausbruch die Zahl der Guillain-Barré-Fälle deutlich angestiegen ist. Erkrankten 2014 noch 1.439 Menschen, waren es 2015 schon 1.708. Wichtig sei nun, so die Wissenschaftler, dass die betroffenen Länder dafür sorgen, dass Menschen mit Guillain-Barré-Syndrom eine rechtzeitige Diagnose bekommen und intensivmedizinisch behandelt werden können.

Beitrag von Ursula Stamm