Blutproben in Teströhrchen (Quelle: imago/Westend61)
Bild: imago/Westend61

NAKO-Studie - Wie geht's voran bei Deutschlands größter Gesundheitsstudie?

Die NAKO, die größte nationale Gesundheitsstudie, soll chronische Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Rheuma in einer Langzeituntersuchung erforschen und Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung verbessern. Deutschlandweit gibt es 15 Untersuchungszentren, drei davon in Berlin. Wie geht's hier voran und was wird wie lange untersucht?

Das Ziel ist enorm: 200.000 Probanden sollen deutschlandweit binnen fünf Jahren untersucht und dann für rund 30 Jahre mit Fragebögen begleitet werden, um mehr über die Entwicklung von Krankheiten der Deutschen zu lernen. Besonders spannend könnte das für die Erforschung von chronischen Krankheiten, Demenz oder Krebs sein.

Schon 2014 startete Deutschlands größte Gesundheitsstudie. Doch schnell tauchte ein Problem auf: zu wenige Probanden erklärten sich bereit. Die Forscher machten einen Grund aus: der Name "Nationale Kohorte". "Es gab tatsächlich aus anderen Studienzentren Berichte, dass die Teilnehmer den Namen nicht richtig einordnen können und der Begriff dann teilweise auch mit rechten Parteien, etc. in Verbindung gebracht wurde. Und das war letzten Endes auch der Grund, warum wir die Studie umbenannt haben," sagt Prof. Tobias Pischon, Leiter des NAKO-Studienzentrums Berlin-Nord.

Neustart mit NAKO

Aus der Nationalen Kohorte wurde die NAKO-Studie. Seitdem läuft es besser: Das Studienzentrum an der Charité in Berlin-Mitte konnte in dieser Woche seinen 10.000 Probanden feiern.
Die Forscher in Berlin-Buch haben von ihren 10.000 geplanten Probanden auch schon über 8.000 in einer ersten Untersuchung erfasst. Der dortige Studienleiter, Prof. Tobias Pischon, geht davon aus, die Basisdaten 2019 zusammen zu haben. Bundesweit sind über 160.000 von 200.000 Probanden untersucht worden (Stand: Juni).

Jeder Proband zählt

Die Untersuchungen dauern mehrere Stunden und sind nicht nur für die Probanden aufwändig: Jeder nicht wahrgenommene Termin fällt ins Gewicht, denn er kann nicht einfach mit einem anderen Probanden aufgefüllt werden, wie in einer Arztpraxis. Wer hier mitmacht hat sich schließlich extra viele Stunden Zeit genommen. Manche Chefs beurlauben Arbeitnehmer für die Langzeitstudie. Kurz: Hier wartet niemand ohne Einladung und Termin, den man vorziehen könnte.

Level 2 in Berlin-Buch

Ein ausgefallener Proband verursacht auch Kosten, denn viel wurde investiert: Berlin-Buch ist eines von fünf Zentren, das auch Probanden der Untergruppe "Level 2" untersucht - sie werden besonders aufwändig unter die Lupe genommen, z.B. durch Magnetresonanztomografie. Damit diese Daten deutschlandweit vergleichbar ist, wurden die Zentren sogar mit gleichen Gerätschaften ausgestattet - sprich: der Magnetresonanztomograf wurde ausgetauscht, damit in allen Untersuchungszentren mit dem gleichen Modell gearbeitet werden kann.

In der aufwändigsten Untersuchungsgruppe erwartet die Probanden bis zu fünf Stunden Programm, sagt Untersuchungsassistentin Manuela Stendal: "Unter anderem Blutdruckmessung, ne Augenuntersuchung, ne Herzuntersuchung, einen Bauchfettultraschall machen wir und das MRT bei dieser Gruppe. Die Patienten werden immer wieder befragft und sitzen am Ende auch noch am Touchmonitor und beantworten dort Fragen. Wir geben den Teilnehmern Bewegungssensoren mit nach Hause. Also das ist eine ganze Menge."

Neugierde auch bei den Probanden

Maximal 15 Probanden werden in Berlin-Buch pro Werktag untersucht. Das Team um Manuela Stendal versucht alles so zu planen, dass jedem der Probanden während der Untersuchungszeit möglichst ein fester Ansprechpartner zur Verfügung steht, der oder die zumindest durch die allermeisten Untersuchungen führt. Das schaffe Vertrauen, eine Beziehung zu den Menschen, sagt Manuela Stendal.

Eine der Probandinnen ist Sabine. Als sie die Einladung zur Studie fand zögerte sie erst einmal, aber nach einer Nacht drüber schlafen dachte sie sich: warum nicht mit den eigenen Daten bei der Erforschung von Krankheiten helfen? "Es ist ja auch alles anonym und vielleicht nützt es jemandem." Die Brandenburgerin hat an einem Mittwoch im Mai fast vier Stunden an Tests und Untersuchungen mitgemacht - und das gerne: "Also die Zeit ist vergangen wie im Flug, muss ich sagen. Es waren jetzt auch keine Sachen wo ich sagen würde: Um Gotteswillen! Und auch die Geräte an denen man dann gemessen wurde, das war schon sehr interessant."

Außerordentliche Brandenburger...

Die gesammelten Daten sind anonymisiert und werden nach der Sammlung Forschern zur Verfügung gestellt, die sich für Studien darum bewerben und begründen müssen, warum sie gerade diese Daten brauchen. Daten von 200.000 Probanden sind natürlich auch nach Abschluss dieser ersten Basisuntersuchung interessant, aber noch spannender wird es für die Forscher in ein paar Jahren, wenn aus Langzeitbeobachtungen erste Schlüsse gezogen werden könnten.

NAKO Untersuchungszentrum Berlin-Buch (Quelle: rbb/Hennerici)

Eines ist dem NAKO-Team schon mal für die Probanden aus Berlin und Brandenburg aufgefallen, so Prof. Thoralf Niendorf, Leiter des MRT-Zentrums auf dem Campus Buch: "Insbesondere die phänomenale Resonanz auf die NAKO und auch die Antwortrate auf die Einladungen für die Untersuchungen - da haben uns zuletzt auch erst internationale Gutachter bestätigt, dass die Brandenburger da fantastisch sind und bisher alle Erfahrungen aus internationalen Studien übersteigt. Also herzlichen Dank an die Brandenburger und Berliner!"

Nachbeobachtung per Fragebogen

Insgesamt fast 30 Jahre werden die Probanden per Fragebogen nachbeobachtet werden. Auch wenn es viel Arbeit für Wissenschaftler und Freiwillige bedeutet - alle sind neugierig, was die NAKO-Daten besonders für die Erforschung von Krankheiten wie Diabetes, Demenz oder Krebs in Zukunft bringen können.

Beitrag von Lucia Hennerici

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