Gerhard Blum trinkt eine Tasse Milch (Quelle: rbb/Lucia Hennerici)
Bild: rbb/Lucia Hennerici

Leben mit der Dialyse - Wie geht es Gerhard Blum nach dem Marathon?

Dialysepatient Gerhard Blum hofft auf eine neue Spenderniere und hatte sich den Berlin Marathon zu einer Art persönlichen Vorbereitung gemacht. Er schaffte es, trotz kleiner Rückschläge. Wie geht es ihm vier Tage nach dem großen Lauf? Lucia Hennerici hat Gerhard Blum noch einmal getroffen.

Wenige Tage nach dem Berlin Marathon treffe ich Gerhard Blum wieder – in Potsdam in seiner Mittagspause. Es ist Donnerstag - einer der beiden Wochentage, an denen er nach der Arbeit in der Regel trainiert. So war es zumindest vor dem Marathon. Wie schwer sind die Beine nach dem Lauf vor vier Tagen, frage ich ihn. "Also am Montag hatte ich das erste Mal seit langer Zeit mal wieder Muskelkater in den Beinen", erzählt Gerhard Blum. "Gestern taten die Knie außerdem mal ein bisschen weh, aber ansonsten war alles okay, und heute merke ich gar nichts mehr", sagt er bei einer Tasse heißer Milch.

Wir machen einen kleinen Spaziergang Richtung Freundschaftsinsel. Ein bisschen habe es ihn schon gewurmt, die Marathonstrecke nicht unter sechs Stunden gelaufen zu sein. "Aber das war schon klar, das war allein mit der Fußverletzung aus dem Urlaub davor nicht zu machen. Durch die Schonhaltung klappte irgendwann der Fuß beim Aufsetzen weg. Es tat nicht weh, aber der Laufstil eben…" Nur ein kleiner "Rückschlag" für Gerhard Blum, kein Problem. Aber Rückschläge - die spielten eben immer eine Rolle in seinem Leben, sagt er.

Gerhard Blum beim Spaziergang Richtung Freundschaftsinsel in Potsdam (Quelle: rbb/Lucia Hennerici)
Vier Tage nach dem Marathon: Gerhard Blum hat ein bisschen Muskelkater - sonst nichts | Bild: rbb/Lucia Hennerici

"Rückschläge begleiten mich"

"Am Anfang waren es eher so etwas wie Kinderkrankheiten - in meinen 20ern bremsten mich immer wieder Mittelohrentzündungen aus", erzählt der 63-Jährige. "Dann bekam ich eine schwere Angina Pectoris, und in der Folge der Behandlung wurde bei mir eine Nierenschwäche festgestellt", erzählt Blum. "Erst hat mich das wenig beeinflusst, aber das sollte sich später ändern: hoher Blutdruck, Kreislaufschwächen, keine Zulassung für Sportwettkämpfe. Damals habe ich aber viel verdrängt."

Und die Rückschläge gingen weiter: "Später kam noch ein Zeckenbiss hinzu - Herzmuskelentzündung und Nierenversagen. Ich musste mühsam lernen, das zu akzeptieren", erinnert sich Blum. "Kaum dachte ich, dass es aufwärts geht, kam in den 90ern der Totalausfall der Niere - Dialyse und die erste Transplantation folgten. In alter Kämpfermanier lote ich seitdem immer wieder die Grenzen aus. Aber jeder negative Wert ist ein kleiner Schlag ins Gesicht. Ich versuche Rückschläge zu analysieren und dann wieder nach vorne zu gehen. Wichtig ist mir, die Menschen, die mir helfen nicht unnötig zu belasten, positiv zu sein."

Das Wichtigste beim Marathonlauf war ihm, für andere Dialysepatienten ein Zeichen zu setzen. "Sie müssen nicht warten und sich schonen und resignieren. Es muss ja kein Marathonlauf sein, aber sich einfach ein Ziel setzen, etwas für sich tun - das ist extrem wichtig! Und wenn ich zur Dialyse gehe, sehe ich da so viele Menschen, die nur noch in einer Art Wartemodus sind - Schonen, bis das Spenderorgan kommt," das mache ihn sehr traurig, sagt Gerhard Blum.

Gerhard Blum beim Marathon am 24. September 2017 (Quelle: rbb/Lucia Hennerici)
Rückblick: Gerhard Blum und Tochter Katharina (r.) haben es geschafft: 42 km durch Berlin. Marathonerfahren sind beide Töchter. | Bild: rbb/Lucia Hennerici

Und die Sache mit dem Marathon…?

"Wenn ich nur einem Patienten ein Beispiel dafür liefern konnte, dass man etwas machen kann – zum Beispiel dass Sport kein Tabu ist - dann freue ich mich." Seine eigenen nächsten Ziele in Sachen Sport? "Winterurlaub mit der Familie! Mit Langlauf! Wer mit ihm und Frau Ines mit nach Österreich kommt, ist noch nicht ganz raus, aber mindestens eine der Töchter und ein Enkelkind sollten es schon sein, sagt er grinsend.

Unser kleines Treffen neigt sich dem Ende zu - die kleine Runde mit Blick auf die Freundschaftsinsel auch. Ob noch einmal ein Berlin Marathon drin ist, will ich natürlich noch wissen. Die Antwort: "Klar! Diesmal per Gruppenanmeldung mit vielleicht noch mehr Familienmitgliedern."

Gerhard Blums 42,195 km durch Berlin

Beitrag von Lucia Hennerici

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Gerd Blum (Quelle: rbb/Lucia Hennerici)
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