Mann auf dem Liegestuhl auf einem vertrocknetem Rasen (Quelle: colourbox)
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Sommertipps - Der Hitze gesund trotzen

Dieser Sommer hat es in sich: Temperaturen weit über 30 Grad über Wochen hinweg machen vielen Menschen zu schaffen. Kein Wunder, denn je mehr die Außentemperatur der körperinneren gleicht, desto schlechter greifen die Abkühlmechanismen des menschlichen Körpers. Und das kann gefährlich werden, gerade für den Kreislauf. Wie Sie sich bestmöglich kühl halten können hat die rbb Praxis für Sie zusammengefasst.

Die Kerntemperatur des menschlichen Körpers beträgt etwa 37,5 Grad - dann funktionieren unsere Organe optimal. Warum aber wird es dann für uns umso belastender, je mehr sich die Außentemperatur diesen gut 37 Grad nähert? Das hängt vor allem mit den Ausgleichsmechanismen des Körpers zusammen, denn überschüssige Wärme transportiert der Körper über die Körperoberfläche nach draußen. Sind die Außentemperaturen hoch, wird das umso schwerer - es braucht viel Schweiß, um einen ständigen Verdunstungseffekt auf der Haut zu erzeugen. Das ist extremer Stress für den Körper.

Legt die Hitze das Hirn lahm?

Wer bei diesen Temperaturen arbeiten muss, kann zu dem Eindruck kommen, dass sein Hirn "heißläuft". Nicht ganz zu Unrecht: Tatsächlich hat eine US-amerikanische Studie herausgefunden, dass gerade durch warme Nächte, auch tropische Nächte genannt, die Reaktionsfähigkeit sinkt. Die Umweltmediziner der Harvard Chan School verglichen dazu kognitive Leistungstests von Studenten mit und ohne klimatisierten Schlafzimmern während einer Hitzewelle in Boston.

Etwas anders sieht es wohl direkt im Büro aus, wie eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nahelegt: In einem Versuchszeitraum von vier Stunden jeweils bei etwa 22 und 30 Grad sank die kognitive Leistungsfähigkeit der Probanden im Vergleich nicht ab - allerdings kostete es sie deutlich mehr Energie das Leistungsniveau bei 30 Grad aufrecht zu erhalten.

In Kombination legen die Studien nahe: Lange lässt sich die Leistungsqualität am Arbeitsplatz nicht aufrecht erhalten, wenn die Hitze erst einmal Einzug hält. Einerseits ist deshalb der Arbeitgeber ab 30 Grad verpflichtet, Maßnahmen gegen die Hitze für seine Angestellten zu ergreifen. Andererseits kann man auch selber sehr viel tun:

Wasser, Wasser, Wasser und ans Handtuch denken

Erste Pflicht vor allem: viel trinken. Die Expertenratschläge gehen bei der Menge in der Regel ein wenig auseinander - das liegt auch daran, dass viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen für manchen Organismus auch Stress bedeuten kann und deshalb gerade bei älteren oder Herz-Kreislauf-erkrankten Menschen zwischen Nutzen und Belastung durch einen Arzt gut abgewogen werden sollte. Für einen gesunden Erwachsenen empfehlen Experten etwa 30-40 Milliliter Flüssigkeit pro Kilo Körpergewicht, also gute zwei Liter für einen Erwachsenen und etwa einen Liter für ein Kind pro Tag. Achtung: Je kälter die Getränke sind, desto mehr Energie muss der Körper nutzen, um sie auf die eigene Temperatur zu bringen - so wird es also nach der ersten Erfrischung nur noch wärmer.

Wasser nützt aber auch an anderer Stelle: Kühles Wasser über Hand- und/oder Fußgelenke fließen zu lassen, kann Erleichterung bringen. Ebenso hilft ein feuchtes Handtuch, z.B. um den Hals. Das unterstützt die kühlende Verdunstung des Körpers und wirkt vor allem erst einmal direkt kühlend.

Vorsicht vor der kalten Dusche!

Auch wenn die Sehnsucht nach Kälte noch so groß ist - gehen Sie es beim Duschen gemäßigt an, denn plötzliche Kälte stresst das Herz-Kreislaufsystem. Durch die Kälte verengen sich nämlich kurzfristig die Gefäße und das behindert den "Wärmeabtransport" des Körpers und kann bei Herzpatienten zu gefährlichen Gefäßverengungen und sogar -verstopfungen führen. Außerdem: Wer die Temperatur der Körperhülle durch eine kalte Dusche stark nach unten gefahren hat, erlebt danach meist sein warmes Wunder - denn der Organismus versucht durch noch mehr Wärme von innen gegenzusteuern. Die Folge: Noch mehr Schwitzen.

Faktor: Blutdruck

Der Blutdruck kann in der Hitze zur schwer einschätzbaren Gefahr werden: Einerseits steigt er bei körperlicher Anstrengung auch deshalb, um die Wärme aus dem Körperinneren abzutransportieren. Andererseits sinkt er bei vielen Menschen, gerade im Ruhezustand, weil sich bei Wärme die Gefäße weiten. Viele Menschen leiden deshalb hitzebedingt unter Kreislaufproblemen. Die können sich nicht nur durch Schwindel, sondern zum Beispiel auch Übelkeit oder Kopfschmerz äußern.

Richtig gefährlich kann es vor allem für die geschätzt 20-30 Millionen Menschen in Deutschland werden, die an Bluthochdruck leiden - viele ohne es zu wissen. Denn Symptome von Herzinfarkt und Schlaganfall werden gerade im Sommer oft der Hitze zugeschrieben und die Gefahrensituation zu spät erkannt. Wichtig deshalb: Bluthochdruckpatienten sollten dringend mit ihrem Arzt die Einstellung z.B. von Blutdrucksenkern überprüfen und an Hitze und notwendige Bewegung, sowie Trinkverhalten anpassen. Außerdem hilfreich, auch für Menschen ohne konkretes Bluthochdruckproblem: Regelmäßige Blutdruckmessungen an heißen Tagen - gerade die Werte im Ruhezustand sind nämlich, nach dem Weg durch die Hitze zur Arztpraxis, besonders schwer zu messen.

Anpassungsfähigkeit ist alles

Auch wenn es den meisten nicht gefallen mag: Einfach weitermachen wie bisher ist bei Hitze mit unter Umständen ernsten gesundheitlichen Konsequenzen verbunden - es drohen Kreislaufprobleme, schlimmstenfalls Herzinfarkt oder Schlaganfall. Deshalb besser: anpassen.

Ernährung

Das heißt zum Beispiel: Gerade in der heißen Mittagszeit keine schweren Mahlzeiten zu sich nehmen. Vor allem Fettiges zu Verdauen kostet den Körper viel Energie, die er gerade durch den Hitzestress nicht hat. Besser sind Salate, kalte oder warme Suppen oder auch mal einfach die klassische Stulle zum Mittagstisch. Wer gar keinen Hunger bei der Hitze hat: bitte trotzdem auf den Blutzucker achten und zum Beispiel zum erfrischenden Obst greifen oder auch mal zu einem Eis. Wichtig ist grundsätzlich salzhaltig zu essen, denn der Körper "verschwitzt" dieser Tage besonders viele Mineralien und braucht Nachschub.

Kleidung

In Sachen Kleidung gilt: Sexy macht’s auch nicht kühler. Tatsächlich kann gerade enge Kleidung den natürlichen Verdunstungsprozess der Haut - durch Schweiß - behindern. Weite Klamotten, gerade um die Körpermitte mit der höchsten Kerntemperatur, helfen dagegen, indem sie bei kleinen Bewegungen zwischen Stoff und Haut zusätzlich für Belüftung sorgen. Außerdem helfen atmungsaktive und leichte Stoffe, wie Baumwolle oder Leinen.

Biorhythmus

Bauherren in Deutschland tun gern, was Südländer nie machen würden: Gebäude in Richtung Süden ausrichten. Eine Folge: Viele Häuser heizen sich oft lange und nachhaltig auf. Schlafen wird da schwierig und die Müdigkeit kommt oft sehr spät. Umgekehrt sind viele Menschen früher wach. Kleine Tricks, wie ein feuchtes Handtuch vor dem Schlafzimmerfenster, Ventilatoren (aber bitte nicht auf die Matratze direkt richten) oder leichte Decken aus der Tiefkühltruhe, können kurzzeitig helfen.

Hält die Hitze jedoch länger an, kann es auch helfen den Tagesrhythmus zu verändern: Lassen sich Besorgungen vielleicht schon in die kühleren frühen Morgenstunden verschieben, anstatt z.B. Lebensmittel am aufgeheizten Vorabend schleppen zu müssen? Gerade bei Bürotätigkeiten lohnt es sich beispielsweise auch, den Chef nach einer kleinen Verschiebung der Arbeitszeit zu fragen, um der heißesten Phase im Büro zu entgehen: Statt "9 to 5" geht vielleicht auch mal 8-16 Uhr oder gar 7-15 Uhr.

Beitrag von Lucia Hennerici

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