Frau cremt sich mit Sonnencreme ein (Quelle: Colourbox)
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Ist Sonnencreme schädlich? - Notwendiger UV-Schutz

In anderthalb Jahren, im Januar 2021, tritt in Hawaii ein Gesetz in Kraft, dass den Gebrauch bestimmter Inhaltsstoffe in Sonnencremes verbietet. Damit sollen Hawaiis Riffe und seine Meeresbewohner geschützt werden. Sind die in den Cremes enthaltenen Chemikalien auch für uns Menschen gefährlich?

Zwei Stoffe werden in Hawaii zukünftig verboten sein: Octinoxat und Oxybenzon. Die Chemikalien schützen vor den UV-Strahlen der Sonne, die auf Dauer die Haut schneller altern lassen und zu Hautkrebs führen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration, FDA) hat kürzlich untersucht, in welchen Mengen bestimmte Filter in Sonnencremes über die Haut in den menschlichen Körper gelangen. "Dass die in der dieser Arbeit erwähnten Sonnenschutzfilter durch die Haut in den Körper gelangen, ist keine Überraschung und auch seit Jahrzehnten bekannt und publiziert", sagt Christian Surber, Sonnencremeexperte und Professor an den Uni-Hautkliniken in Basel und Zürich.

Reichlich und häufig auftragen

Für die Studie rieben die Forscher 24 gesunde Probanden vier Mal täglich mit einer Creme, einer Lotion und zwei Sprays ein "So wie die Studie designt ist, entspricht sie den Anwendungsempfehlungen der Hersteller in den USA, beispielsweise, dass man alle zwei Stunden nachcremen soll", erklärt Pharmakologe Surber. "Solch konkrete Anwendungsempfehlungen kennen wir in Europa nicht." Anschließend maßen sie im Blut die Konzentrationen von Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul. Die Filter absorbieren UVA- und UVB-Strahlen, wandeln sie auf der Haut in Wärme um und geben sie mit reduzierter Energie wieder ab. "Obwohl alle vier Sonnenschutzfilter in Europa zugelassen sind, werden diese eher selten in Sonnenschutzprodukten verwendet", sagt Surber. "Dafür tauchen die Filter in Tageskosmetikprodukten mit Sonnenschutz auf."

Theoretischer Schwellenwert überschritten – aber keine Gefahr

Nach vier Tagen regelmäßigen Schmierens war der für die USA geltende Grenzwert im Blut von 0,5 Nanogramm pro Milliliter teilweise um ein Mehrfaches überschritten. In den USA sind Sonnenschutzmittel rezeptfreie Arzneimittel und werden von der FDA zugelassen. Ab einer Plasmakonzentration von 0,5 Nanogramm pro Milliliter fordert die Arzneimittelprüfungsbehörde eine genauere Untersuchung der Substanzen und ihrer Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Surber gibt dennoch Entwarnung: "Der Schwellenwert hat vorläufig keine Bedeutung für den Verbraucher", sagt der Hautexperte. "Da die genannten Filter seit mehreren Jahrzehnten weltweit in sehr grossen Mengen angewendet werden und keine Zeichen schädigender Wirkungen beim Menschen nachgewiesen wurden, darf man davon ausgehen, dass keine Gefährdung vorliegt." Dennoch hält Surber die Studie für wichtig: "Damit wurde erstmals ein Orientierungspunkt gesetzt, der für den wissenschaftlichen Diskurs und Folgestudien sehr wichtig ist."

In Deutschland gilt die Europäische Kosmetikverordnung

In Deutschland und Europa gelten Sonnenschutzmittel als Kosmetika. Sie müssen den Vorschriften der Europäischen Kosmetikverordnung entsprechen. "Hierbei werden alle wichtigen Kriterien zur Sicherheit eines Stoffes einschließlich des Krebsrisikos adressiert", so Surber. "Die Europäischen Regelungen gelten weltweit als vorbildlich und schützen die Konsumenten hervorragend. Sie werden laufend angepasst, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben." Die Inhaltsstoffe der Sonnenschutzmittel prüft ein unabhängiges internationales Expertengremium (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS). Es dürfen nur die UV-Filter verwendet werden, die durch die SCCS als positiv bewertet wurden. Der Hersteller muss Unterlagen vorlegen, die zeigen, dass die Filter unbedenklich sind. Die Angaben zur Produktrezeptur sind bei den Giftnotrufzentralen und Einrichtungen wie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hinterlegt.

Sonnenschutz ist wichtig

Bei der Diskussion um einzelne Studien und Inhaltsstoffe dürfen wir eins nicht vergessen: Sonnenschutzmittel können Sonnenbrände verhindern und schützen vor Strahlenschäden. "Es wäre völlig unangebracht, sich aufgrund dieser Studie nicht einzucremen", betont Surber. "Persönlich empfehle ich bei Kleinkindern und Kindern sowie bei Schwangeren und stillenden Müttern auf Produkte mit löslichen Filtern zu verzichten und stattdessen Produkte mit unlöslichen Filtern anzuwenden." Zu letzteren gehören Tinosorb M, Titandioxid oder Zinkoxid; der Volksmund bezeichnet sie auch als physikalische Filter, die typischerweise zum Weisseln auf der Haut führen. Sie absorbieren und reflektieren die Strahlung; eine Aufnahme der Partikel durch die Hornschicht ist nicht möglich. "Selbst Nanopartikel sind um Dimensionen größer als die löslichen Filter", betont Surber.

Allerdings werde die Wirkung von Sonnencremes häufig überschätzt, sagt der Experte: "Wir tragen zu wenig Sonnenschutzprodukt auf, vergessen wichtige Körperstellen und cremen nicht nach." Wirksamer seien Kleidung und Schatten. Sonnenbaden mit dem Ziel einer gesunden Bräune, ist dagegen völliger Blödsinn. Denn, so Surber: "Gesunde Bräune gibt es nicht!"

Darauf sollten Sie beim Sonnenschutz achten

  • Vor Sonne schützen

  • Reichlich cremen

  • Alle ein bis zwei Stunden nachcremen

  • Produkte mit hohen LSF verwenden

Beitrag von Constanze Löffler

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