Frau sonnt sich auf bizarren Granitfelsen (Quelle: imago/blickwinkel)
Bild: imago/blickwinkel

Neues zum UV-Schutz - Wem die Sonne lacht

Die Sonne ist Quell unseres Lebens, sie sorgt für Glückshormone, starke Knochen und gesunde Zähne. Doch die Sonne hat auch ihre Schattenseiten: UV-Strahlung kann bei übermäßigem Genuss zu Sonnenbrand, vorzeitigen Falten und Hautkrebs führen. Wer sich vor den Strahlen richtig schützt, muss keine Konsequenzen befürchten.

Endlich wieder draußen sein, endlich wieder Sonne tanken. Am 21. Juni beginnt mit der Sommersonnenwende der astronomische Sommer. Doch Vorsicht vor übermäßigem und ungeschütztem Sonnengenuss. Denn UV-Strahlung lässt die Haut altern und Krebs entstehen. Um das zu verhindern, haben Kosmetikkonzerne wie Beiersdorf in Hamburg die Zusammensetzung von Sonnenschutzmitteln die letzten Jahrzehnte kontinuierlich weiter entwickelt: Vor 20, 30 Jahren kamen die ersten Produkte mit UV-B-Lichtschutzfiltern auf den Markt. Dann, zehn bis 15 Jahre später, erkannte die Wissenschaft, dass auch UV-A-Strahlen die Haut schädigen. Es folgten entsprechende Filter.  

Neuheiten aus der Kosmetikindustrie

Von derartigen Entwicklungssprüngen ist man heutzutage weit entfernt, verbessert wird nur noch im Detail. Auf zwei Entdeckungen in den letzten Jahren ist man im Hause Beiersdorf besonders stolz: Licocalcone A und Glycyrrhetinsäure. Beide Substanzen stammen aus der Süßholzwurzel, bei uns besser als Lakritz bekannt. "UV-Strahlung löst in der Haut oxidativen Stress aus", erklärt dazu Ludger Kolbe, Leiter des Labors für Photobiologie bei Beiersdorf. "Licocalcone A unterstützt die hauteigenen Reparaturmechanismen. Hautzellen, die mit dem Wirkstoff vorbehandelt sind, produzieren mehr schützende Antidoxidantien." Kombiniert mit den handelsüblichen UV-Filtern könnte der Sonnenschutz noch weiter gestärkt werden.

Die Glycyrrhetinsäure hingegen regt Melanozyten dazu an, Melanin zu bilden. "Mit Glycyrrhetinsäure bräunt die Haut ohne schädliches UV-Licht", so Kolbe. Die Bräunung wiederum ist eine natürliche Schutzreaktion der Haut. Doch selbst die modernsten Substanzen wirken nicht, wenn sie nicht richtig aufgetragen werden. Kolbe verweist deshalb auf Bekanntes: Die Haut sollte mindestens alle zwei, drei Stunden nachgecremt werden. "Durch das Liegen auf dem Handtuch, durch Schweiß, Wasser und Sand wird der UV-Schutz abgerieben", so Kolbe. Die Zeit, die man in der Sonne liegen darf, verlängere sich dadurch aber nicht, warnt der Hamburger Hautforscher.

Sonne meiden – richtig kleiden

Echte "Sunblocker", also Produkte, die gar kein UV durchlassen, sind bislang Zukunftsmusik. Doch Sonnenschutz lässt sich immer noch ein bisschen steigern. "So bietet die Einnahme des Extraktes der Polypodium-Farnpflanze einen zusätzlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier", erklärt Uwe Reinhold, Vorstandsvorsitzender Onkoderm e.V. und Leiter des Dermatologischen Zentrums in Bonn. "Kombiniert mit Sonnencreme oder anderen Lichtschutzmaßnahmen sind die Verbraucher durch den Wirkstoff noch einmal zusätzlich geschützt."

Weil Cremes, Lotionen, Öle und Gele mehr oder weniger ihre schützenden Grenzen erreicht haben, bringen Hautärzte wie Reinhold vermehrt den textilen Sonnenschutz ins Spiel. Er rät auf Textil-Label wie den UV Standard 801 (UPF) vom Hohenstein Institute zu achten. Der UPF-Wert gibt an, wie viel Sonne das Gewebe unter ungünstigen Tragebedingungen wie Durchnässung und Dehnung noch durchlässt. "Der niedrigste Wert kommt dann aufs Label", so Reinhold. Wichtig sei auch, auf den UPF von Sonnenschirmen, Sonnensegeln und Markisen zu achten und sich durch die vermeintlich schützenden Textilien nicht in trügerischer Sicherheit zu wiegen.

Hautarzt Reinhold rät außerdem dazu, in den Mittagsstunden möglichst im Schatten zu bleiben. "Wer die pralle Mittagssonne vermeidet, mindert das Risiko eines Sonnenbrands wesentlich", so der Spezialist. Allerdings liegt der Sonnenhöchststand in den südlichen Ländern erheblich später als in Deutschland. Deshalb sollte dort die Sonne auch am frühen Nachmittag gemieden werden. "Nicht umsonst halten die Spanier von 14 bis 17 Uhr ihre Siesta", macht Reinhold deutlich.

Maxischutz für die Minis

Besonders wichtig ist guter Sonnenschutz bei Kindern. Die kindliche Haut reagiert noch viel empfindlicher auf Sonne als die von Erwachsenen. Sie ist sehr dünn, kann nicht ausreichend bräunen und bildet noch keine schützende Hornhaut. "In der Kindheit und Jugend erworbene UV-Schäden der Haut sind ganz maßgeblich für das spätere Entstehen von Hautkrebs verantwortlich", sagt Hautarzt Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP). "Daher muss ein verantwortungsvoller Umgang mit UV-Strahlung bereits bei den Kleinsten beginnen."

Zumindest in der Theorie wissen Eltern, wie sie ihren Nachwuchs am besten vor der gefährlichen Strahlung schützen. Das ist das Ergebnis der frisch publizierten Erlangen-Kindergarten-Studie. Eltern von rund 3.000 Drei- bis Sechsjährigen beantworteten Fragen zum Sonnenschutz. Zwei Lücken bemerkten die Interviewer allerdings: Den meisten Eltern ist offenbar nicht klar, dass auch ein gelegentliches intensives Sonnendbad das Hautkrebsrisiko erhöht. Und auch bei bewölktem sommerlichem Himmel sollten Eltern auf einen guten Sonnenschutz ihrer Kinder achten.

Sun-Food

Auch mit den richtigen Lebensmitteln, die Nahrungsbestandteile wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten, lässt sich unsere Haut zusätzlich stärken. Ihr Verzehr kann die schädlichen Auswirkungen der Sonnenstrahlen auf die Haut beeinflussen. Für die Hautpigmentierung brauchen wir Betacarotin. Gegen entzündliche Veränderungen bei Sonnenbrand benötigt unser Körper Zink. Und bei Sonnenallergie unterstützen Kalzium, Zink und Omega-3-Fettsäuren die körpereigenen Reparaturmechanismen. Zu den natürlichen Antioxidantien für den UV-Schutz gehören Vitamin E, Betacarotin und Vitamin C. Am besten wirkt der antioxidative Effekt, wenn die verschiedenen Inhaltsstoffe zusammenwirken. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung – wie beispielsweise mediterrane Kost mit ihrem hohen Anteil an Obst, Gemüse, Fisch und Olivenölverzehr – besonders gut für die Haut.

Apps fürs gute Gewissen

Wo die Hautforschung nicht weiter kommt, hilft die Technik: So misst das Armband "June" die Sonneneinstrahlung, schickt die Daten auf das Handy und gibt dem Träger per Smartphone-App nützliche Tipps, wie er einen Sonnenbrand vermeiden kann. Per App wollen auch die niedergelassenen Hautärzte unverbesserliche Sonnenanbeter zu mehr Schutz animieren. Zusammen mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) entwickelten sie die UV-Check App für Smartphones. Über sein Smartphone kann der Nutzer seine individuelle UV-Eigenschutzzeit zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort in Europa abrufen und sich somit vor einer zu hohen UV-Dosis schützen. "Dafür werten wir kontinuierlich aktuelle Satellitendaten von der Ozonschicht aus", erklärt Ralf Meerkötter vom DLR.

Schutz vor IR-A-Strahlung?

Entwarnung gibt die Forschung bei Wärme- oder Infrarot-A-Strahlung. Ein paar Jahre lang glaubte man, dass auch diese Strahlung die Haut nachhaltig schädigen könne – und deshalb ein besonderer Schutz dagegen notwendig sei. Mittlerweile weiß man, dass natürliches Infrarot A nicht gefährlich ist. Trotzdem rät das Bundesamt für Strahlenschutz zur Vorsicht, wenn es um die Kombination von künstlichem Infrarot-Licht mit UV-Strahlung geht: Auf den Besuch einer Infrarot-Wärmekabine oder der Sauna vor oder nach UV-Bestrahlung im Solarium sollte eher verzichtet werden. In Berliner Breitengraden ist diese Kombination ohnehin eher unwahrscheinlich: Wenn die Sonne einmal da ist, braucht man keine wärmende Sauna mehr. 

Beitrag von Constanze Löffler