Zecke auf weißem Hintergrund (Quelle: colourbox.de)
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Vorkommen, Erkrankungen und Tipps - Die krabbelnde Gefahr: Zecken

Der bloße Stich einer Zecke tut nicht weh, kann aber gefährliche Krankheiten übertragen. Welche Infektionen spielen hier eine Rolle? Und wie kann man sich davor schützen?

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zu den Spinnentieren bzw. Milben. Entgegen der landläufigen Meinung sitzen sie nicht auf Bäumen und lassen sich herabfallen - sondern sie befinden sie auf Gräsern, Farnen, in Hecken oder losem Laub. Kommt ein Tier oder Mensch vorbei, reicht ein kurzer Körperkontakt und sie gehen auf ihren "Wirt" über, werden quasi abgestreift. Auf ihrem "Wirt" suchen sie eine gut durchblutete, versteckte Hautstelle, an der sie Blut saugen können - ihre Nahrung. Zecken können bis zu zwei Jahre ohne Nahrung auskommen. Haben sie eine Blutmahlzeit genossen, sind sie um ein Vielfaches größer und schwerer.

Ihr Vorkommen

Zecken finden sich überall, wo es grün und einigermaßen feucht ist, also in Feld, Wald und Wiese. Auf größeren Liegewiesen, die im Sommer von der Sonne beschienen werden, ist es eher zu trocken für sie. Inzwischen finden sich auch immer mehr Zecken in heimischen Gärten. Dorthin verschleppt werden sie vermutlich durch Wild- und Haustiere. Zecken sind zähe Tiere.

Der Berliner Biologe Dr. Hans Dautel forscht seit Jahren intensiv zu Zecken und hat festgestellt, dass sie sowohl einen Schleudergang bei 40 Grad in der Waschmaschine überstehen, als auch mehrere Tage in der trockenen Wohnung. Daher sollte man seine Kleidung nach einem Ausflug ins Grüne lieber noch einmal gründlich auf Zecken absuchen, bevor man sie in den Schrank hängt.

Die Krankheiten: FSME

Etwa 0,1 bis maximal fünf Prozent aller Zecken sind mit der so genannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert. Die Hauptrisikogebiete in Deutschland liegen vor allem in Teilen Bayerns, Baden-Württembergs, Südhessen, aber auch in einzelnen Landkreisen von Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen und Thüringen. Das Robert Koch-Institut gibt jedes Jahr eine aktuelle Karte mit den Risikogebieten heraus. Die Erreger von FSME sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke. Eine Übertragung von FSME-Viren erfolgt innerhalb der ersten Minuten nach dem Stich. Daher ist es vor allem zur Vermeidung von FSME-Infektionen wichtig, Zecken möglichst schnell zu entfernen.

Ist es zu einer Ansteckung mit FSME gekommen, zeigt sich das ein bis zwei Wochen nach dem Stich durch grippale Symptome, später gefolgt von neurologischen Beschwerden wie Bewusstseinsstörungen bis hin zu Lähmungen und epileptischen Anfällen. Eine ursächliche Behandlung der Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es bislang nicht. Es existiert aber eine Impfung gegen FSME, die allen Menschen empfohlen wird, die sich vermehrt draußen in Risikogebieten aufhalten. Im Ausland gelten unter anderem Finnland, Schweden, Österreich, Dänemark und Norditalien als Risikogebiete. Mehr Informationen dazu gibt es bei Tropeninstituten, Gesundheitsämtern oder dem Auswärtigen Amt.

Borreliose

Das Risiko, durch den Stich einer Zecke mit Borreliose infiziert zu werden, ist weit größer als bei der FSME. In einigen Gebieten tragen bis zu 50 Prozent der Zecken die Erreger in sich; durchschnittlich sind es zwölf bis 16 Prozent.

Doch nicht jede infizierte Zecke überträgt auch Borreliose. Über die genaue Zahl der jährlichen Infektionen mit Borreliose bestehen nur Schätzungen; einige gehen von bis zu 200.000 Neuinfektionen im Jahr aus. Die Erreger befinden sich im Darm der Zecke. Nach einem Stich dauert es zehn bis 24 Stunden bis die Erreger vom Darm in den Speichel der Zecke und somit in den Menschen gelangen.

Trotzdem sollte man eine Zecke immer sofort entfernen, weil man ja in der Regel nicht weiß, seit wann sie saugt. Nach einer Infektion mit Borrelien kann eine so genannte Wanderröte auf der Haut auftreten, muss aber nicht. Auch deshalb ist es so schwer, eine Infektion mit Borrelien festzustellen. Viele Gestochene haben nichts davon mitbekommen und haben zum Teil erst Wochen und Monate nach dem Stich Symptome, die einer Grippe ähneln. Später können Gelenkschmerzen und Missempfindungen im ganzen Körper hinzukommen.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, aber eine Antibiotika-Therapie, die auch unverzüglich nach Feststellung einer Borreliose eingeleitet werden sollte. Eine Blutuntersuchung auf Borreliose-Antikörper ist erst zwei bis drei Wochen nach der Infektion möglich. Dennoch sollte bei Verdacht auf eine Infektion sofort mit geeigneten Antibiotika behandelt werden.

Richtiges Entfernen

Das Wichtigste ist, eine festgesaugte Zecke möglichst schnell und richtig aus der Haut zu entfernen. Dazu sollte man die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenkarte möglichst am Kopf, also möglichst nah an der Haut fassen und ohne Drehung langsam von der Einstichstelle wegziehen. Bleibt der Stechapparat in der Haut, ist das unproblematisch.

Tabu beim Zeckenentfernen sind das Abbrennen der Zecke und das Aufbringen von Öl oder Klebstoff. All das führt dazu, dass die Zecke ihren Darminhalt direkt an die Einstichstelle abgibt und somit Erreger schneller in den menschlichen Körper gelangen. Nach dem Entfernen der Zecke sollte man die Einstichstelle desinfizieren und beobachten. Entsteht eine Wanderröte oder treten grippeartige Symptome auf, sollte man sofort zum Arzt gehen.

Beitrag von Ursula Stamm