Yogagruppe trainiert im Sitzen (Quelle: Colourbox)
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Medizinisches Yoga - Was kann Yoga wirklich?

Yoga ist mehr als ein Trend: Es kann beispielsweise Nackenverspannungen lösen, den Blutdruck senken, Stress abbauen. Der medizinische Nutzen wird auch bei uns immer bekannter. Yoga kann viel für Körper und Psyche leisten. Besonders wirkungsvoll: Therapeutisches Yoga.

Die alten Inder wußten es schon lange, aber auch hierzulande setzt sich Yoga inzwischen in verschiedensten Ausprägungen seit ein paar Jahren stark durch. Oft allerdings wird Yoga hier nur als Sport verstanden - in Indien ist es auch eine Art Lebensphilosophie und tatsächlich lässt sich das Wort Yoga auch mit "Vereinigung" übersetzen. Gemeint ist die von Körper und Geist.

Entspannung gegen Verspannungen

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass das regelmäßige Ausüben von Yoga einen positiven Effekt auf verschiedene Krankheitsbilder hat, wie Durchblutungs- oder Schlafstörungen, Stress, Depressionen oder Angstzustände, sowie chronische Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen. Kurz: Yoga ist gut – für den Körper und die Psyche gleichermaßen – und das nachweislich.

Insbesondere die Yoga-Form Hatha zielt darauf ab, ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist herzustellen. Der indische Begriff "Hatha" bedeutet so viel wie "Kraft". Gleichzeitig symbolisiert das Wort die Einheit von entgegengesetzten Energien: Die Silbe "Ha" steht für die Sonne, "tha" für den Mond.

Bewegen, Atmen, Meditieren

Bei Yoga geht es nicht darum, sich möglichst stark zu verbiegen, überhaupt sind die körperlichen Übungen, Asanas genannt, nur ein Teil des Ganzen - jeder findet seine Interpretation. Das wohlfühlen bei den Übungen ist wichtig. Im Yoga wird der Mensch nicht einfach als Schulter oder als Muskel gesehen, sondern als ein multidimensionales Wesen mit vielen verschiedenen Erlebens- und Erfahrungsebenen. Und genau das macht Yoga so wirksam.

Erst die Kombination aus Asanas, bewusstem Atmen und Atemübungen (Pranayama) sowie Meditation macht Hatha-Yoga aus und hilft, die innere Balance zu finden. Weil das regelmäßige Praktizieren von Hatha-Yoga stressbedingten Krankheiten vorbeugen kann, gehört diese Yoga-Form zum Präventionsangebot der Krankenkassen.

Therapeutisches Yoga

Therapeutisches Yoga bieten Ärzte und Heilpraktiker sowie Yoga-Lehrer mit einer Zusatzausbildung als Einzelunterricht an. Dabei werden klassische Yoga-Techniken auf konkrete Beschwerden angewandt. Im Vorfeld führt der Yoga-Lehrer ein Gespräch, bei dem eine Diagnose gestellt wird. Daraufhin wird ein individuelles Übungsprogramm entwickelt und maßgeschneiderte Übungen mit dem Patienten trainiert.  Einige Krankenkassen übernehmen je nach Vertrag und Ausbildung des Therapeuten anteilig oder sogar ganz die Kosten.

Vom Kurs in den Alltag

Auch den Großteil der Gebühren für anerkannte und qualitätsgeprüfte Hatha-Yoga-Kurse übernehmen viele Krankenkassen. Kursangebote findet man in der Datenbank der jeweiligen Krankenkasse oder durch eine persönliche Beratung in der Servicestelle der eigenen Kasse.

Grundsätzlich hat jeder Versicherte das Recht, Präventionskurse zu besuchen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer auch nach Ende des Kurses mit den Übungen fortfahren und sie in den Alltag integrieren, um nachhaltig Gutes für ihre Gesundheit zu tun. Nur als Teil des Alltags kann Yoga auch dabei helfen den eigenen Stress zu reduzieren.

Wann zahlt die Kasse den Yoga-Kurs?

Wer mindestens 80 Prozent eines Kurses aus der Datenbank besucht hat, kann anschließend die Quittung oder Teilnahmebestätigung bei der Krankenkasse einreichen und bekommt  bis zu 90 Prozent der Kurskosten erstattet. Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten komplett.

Wer einen Kurs in einem Yoga-Studio besuchen will, das nicht in der Präventionsdatenbank registriert ist, kann ebenfalls die Teilnahmebescheinigung bei der Krankenkasse einreichen. Über die Zentrale Prüfstelle Prävention wird dann geprüft, ob der Kurs die Bedingungen für eine Förderung erfüllt. Dies kann zwischen zehn Tagen und vier Wochen dauern.

Guter Stress, schlechter Stress

Warum ist es überhaupt wichtig, etwas gegen Stress zu unternehmen? An sich ist Stress eine wichtige biologische Reaktion. Stress versetzt den Körper in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, wir sind dadurch in der Lage schnell auf potenziell gefährliche Situationen zu reagieren. Stress hilft uns, die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern.

Kurzzeitiger Stress ist daher per se nichts Schlechtes. Schädlich wird Stress erst, wenn er zur Regel wird: wer dauerhaft angespannt ist, hat ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, aber auch verspannungsbedingte Kopf- und Rückenschmerzen.
Ein bisschen Stress ab und zu ist vollkommen in Ordnung, solange sich Phasen der An- und Entspannung abwechseln. 

Stress und Bauchumfang

Übrigens, ob wir bei Stress eher zu viel Schokolade essen und zunehmen, hängt nicht mit angewöhntem Verhalten zusammen. "Es ist genetisch festgelegt, ob man sich an Stress gewöhnt oder nicht", sagt Hirnforscher Achim Peters von der Universität Lübeck. Sind bestimmte Rezeptoren empfindlich, adaptiert man besser an Stress – und nimmt zu. "Unempfindliche Rezeptoren führen dazu, dass man sich nicht daran gewöhnt. Das erklärt den großen Einfluss der Genetik auf das Gewicht", so Peters weiter. Aber auch da hat eine Studie gezeigt, dass Yoga-Training beim Abnehmen helfen kann.

Das ganze Interview mit Prof. Achim Peters finden Sie hier

Beitrag von Ariane Böhm

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