Füße eines Jungen (Quelle: imago/Westend61)
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Eingewachsener Zehennagel - Kampf dem Schmerz am Zeh

Beweglich und mobil zu sein, ist ein wichtiger Teil unseres Alltags. Doch Schmerzen an den Zehen schränken diese Freiheit ein. Oft werden sie verursacht durch eingewachsene Nägel. Hintergrund ist meist eine Entzündung. Und nicht nur die können wir häufig vermeiden, sondern auch eine Operation.  

Beweglich und mobil zu sein ist ein wichtiger Teil unseres Alltags, egal wie jung oder alt wir sind. Doch Schmerzen an den Zehen schränken diese Freiheit ein. Oft werden sie verursacht durch eingewachsene Nägel an den Zehen. Hintergrund ist meist eine Entzündung. Und nicht nur die können wir häufig vermeiden, sondern auch eine Operation.

Ursachen: Reibung zwischen Nachbarn

Der häufigste Grund für eingewachsene Zehennägel (Unguis incarnatus) ist ein zu hoher Druck des Nagels auf die Nagelfalz, also die um den Nagel liegende Hautfalte. In selteneren Fällen beginnt auch die Nagelhaut dem Nagel "entgegen zu wuchern". Durch diesen Druck entsteht bei jeder Bewegung Reibung, und das führt häufig zu sehr schmerzhaften Entzündungen. Die ist dann nicht nur Einfallstor für weitere gefährliche Keime, sondern der Heilungsprozess kann das Problem auch noch verschlimmern, da der Körper junges Bindegewebe gegen die Wunde bildet, Mediziner sprechen von Granulation. Das kann in diesem Fall allerdings den Druck erhöhen und eine normale Heilung weiter verzögern - ein Grund dafür, warum unser Körper mit eingewachsenen Zehennägeln schwerer "allein" fertig wird.

Auslöser sind meist unsere Entscheidungen

In seltenen Fällen ist der eingewachsene Zehennagel ein genetisches Phänomen. Meist sind die eigene Pflege und der Umgang mit den Füßen schuld: durch zu schmales Schuhwerk oder falsche Nagelpflege. Nicht selten wirken beide auch zusammen. Bei der Nagelpflege begehen viele Menschen den Fehler den Fußnagel - ähnlich dem Fingernagel - oval zu schneiden. Die Rundung macht es dem Nagel bei äußerem Druck einfacher, sich in das seitliche Gewebe zu schieben. Auf Dauer oder durch besondere Belastung kann genau das zur ursächlichen Entzündung führen.

Wer dann die Entzündung und damit den Schmerz hat, reagiert oft, indem er den Nagel in gleicher Weise noch tiefer abzuschneidet. Dies kann das Problem verstärken, außerdem aber auch dazuführen, dass durch die Nagelschere noch mehr Bakterien an die Entzündungsstelle getragen werden.

Tape und Spange statt OP

Wird der Schmerz zur Qual, ist professionelle Hilfe gefragt, um die Entzündung effektiv zu bekämpfen. Erste Anlaufstellen können dabei die medizinische Fußpflege (Podologen) oder ein Hautarzt sein.

In aller Regel bietet die konservative Behandlung die besten Heilungschancen. Hier ist auch die Gefahr von Folgeerkrankungen gering. In der Regel wird dafür auf eine Tape-Methode zurückgegriffen: Der Nagel und sein Gewebe werden durch ein wattiertes Tape voneinander getrennt, dieses wird also dazwischen geschoben. Anschließend wird das Tape außen so um den Zeh geführt, dass möglichst viel Luft an die entzündete Stelle gelangen kann. Für den Patienten kann das Tapen oft spürbar sofortige Linderung bringen. In der Regel ist dann binnen sechs bis acht Wochen die Entzündung verheilt. Um das zu fördern, kommen meist entzündungshemmende Salben zum Einsatz.

Eine weitere effektive Methode ist der Einsatz einer Nagelspange - in den meisten Fällen ist sie heute aus Kunststoff und wird auch vor allem da verwendet, wo es durch eine genetisch bedingte runde Nagelform häufiger zum Einwachsen von Nägeln kommt. Die Spange wird dabei wie der Schuh einer Schlittschuhkufe um den Nagelrand gelegt. In der Mitte des Nagels wird die Spange fixiert. Dadurch werden Nagel und umliegendes Gewebe getrennt und auch die Nagelform kann korrigiert werden. Solche Spangen können ebenfalls von medizinischen Fußpflegern angebracht werden und bleiben in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate am Zeh.

In selteneren und extremeren Fällen kann eine OP nötig sein, bei der Nagelteile und umliegendes, wucherndes bzw. entzündetes Gewebe entfernt werden. Allerdings birgt diese Methode ein statistisch höheres Risiko für wieder auftretende Beschwerden. Hintergrund ist in vielen Fällen eine genetische Veranlagung, die den Nageleinwuchs begünstigt oder Vorerkrankungen. Kurz: Gerade weil eine konservative Behandlung wenig Erfolg verspricht, wird die OP überhaupt nötig und Zusatzfaktoren erschweren deshalb ohnehin die Heilung. 

Vorsorge schützt den Zeh

Ob nach einer Behandlung oder davor: Vorsorge kann das Einwachsen von Nägeln erschweren oder sogar verhindern. Besonders wichtig ist das bei Menschen, deren sensorische Fähigkeiten eingeschränkt sind, zum Beispiel durch Erkrankungen wie Diabetes oder arterielle Mangelversorgung. Diese Menschen spüren Beschwerden am Zeh oft deutlich später.

Wichtig ist allgemein die Gesundheit der Zehen im Blick zu haben und bei der Nagelpflege möglichst nicht rund zu schneiden, sondern gerade. Im Hinblick auf Socken und Schuhe gilt auch im kalten Winter: dem Zeh Platz lassen, damit dem gesunden Auftritt nichts im Wege steht.

Beitrag von Lucia Hennerici

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