Feiernde Fußballfans trinken Bier (Quelle: imago/JOKER)
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Fußball-Weltmeisterschaft 2018 - Kein Fest für die Leber?

WM-Sommer 2018, das heißt: Gemeinsames Fußballgucken, Grillabende - und jede Menge Stress für einen der größten Teamplayer in unserem Körper, die Leber. Der Zusammenhang sieht einfach aus: Wenn quasi jeden Tag Fußballfest ist, wird vor allem mehr Bier getrunken und das ist ungesund - oder? Nicht ganz. Warum das Bier nicht nur schlechte Seiten hat und welchen Einfluss Grillgut und Jubel auf die Lebergesundheit haben, erklärt die rbb Praxis.

Sie reinigt das Blut, sichert uns wichtige Stoffe aus der Nahrung und schützt uns vor Giften: die Leber. Das wichtige Organ in unserer Körpermitte hat viele Talente und gehört dabei eher zu den "stillen Organen", wie Prof. Ulrich Böcker sagt, Leiter der Klinik für Gastroenterologie am Vivantes-Klinikum Neukölln. "Das ist genau das Problem, dass Lebererkrankungen oft nicht spürbar sind oder ganz uncharakteristische Symptome verursachen, zum Beispiel Müdigkeit."

Die Leber tut schließlich nicht weh. Doch dass es ihr gut geht, heißt das eben nicht. Schließlich hat sie viele Feinde: Viren und Bakterien zum Beispiel. Aber vor allem uns selbst - durch unsere Art zu leben. Und entgegen aller Gerüchte ist daran statistisch gesehen häufiger Schuld, was wir essen als der Alkohol, den wir trinken. Einerseits, weil der Alkoholkonsum in Deutschland seit Jahren leicht rückläufig ist. Andererseits, weil die häufigste chronische Lebererkrankung in Deutschland Fettleber heißt, medizinisch Steatosis Hepatis genannt.

1:0 für die Leber: weniger Fett auf dem Grill

Zwar können zum Beispiel auch Diabetes, genetisch bedingte Stoffwechselstörungen oder eben der Alkoholmissbrauch zur Fettleber führen, doch am häufigsten leidet das Organ unter zu fettigem und süßem Essen und zu wenig Bewegung, so Experten. Wie viele seiner Kollegen spricht auch Prof. Ulrich Böcker von einer Epidemie. "Wir haben den Eindruck, dass die Häufigkeit der Fettleber deutlich steigt: Inzwischen sind wir bei einer Rate von fast 25 Prozent Frauen und Männer mit Übergewicht und insofern ist auch der Anteil der Fettleber in der Bevölkerung deutlich gestiegen."

In Zahlen heißt das: Gut acht Millionen Deutsche haben eine Fettleber. Soweit die diagnostizierten Fälle. Denn die Dunkelziffer sei deutlich höher, warnen Gastroenterologen zum Beispiel auch im Vorfeld der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten  (DGVS) an diesem Donnerstag in Berlin. Statistisch gesehen sind etwa 33 Millionen Deutsche übergewichtig - die Experten glauben, dass zwei Drittel von ihnen eine Fettleber entwickeln werden. Die Gefahren der sogenannten NASH (non-alcoholic Steatosis Hepatis) ähneln denen der alkoholischen Fettleber (ASH). Die Folgen: Leberentzündung, Zirrhose und Leberkrebs. Also: Wer beim Fußball zum Gemüsespieß, statt zur Bratwurst greift und die Chips weglässt kann seiner Leber schon einmal etwas Gutes tun.

2:0: Die Leber jubelt gerne mit

Noch viel mehr "Leberpflege" folgt aus Bewegung: Mindestens 30 Minuten Sport am Tag wären optimal, so Gastroenterologe Prof. Böcker. Aber schon jeder kleine Schritt im Alltag lohnt. Vor allem deshalb, weil wir zu viel sitzen, wie eine groß angelegte aktuelle Studie aus Korea besagt. Die belegte: Je mehr Zeit Probanden im Sitzen verbrachten, desto größer wurde ihr Risiko für eine Fettleber. Das Erstaunliche am Ergebnis: Sitzen erhöhte das Fettleber-Risiko unabhängig vom Übergewicht und davon, ob die Probanden zum Ausgleich Sport machten oder nicht.

Die Folge: Was wir im Alltag tun, lässt sich nicht immer problemlos ausgleichen. Deshalb kann auch der Gang auf die Fanmeile, Hüpfen und Jubeln im Stehen einen kleinen aber wichtigen Unterschied für unsere Gesundheit machen - zumindest dann, wenn die Alternative wäre, das Fußballspiel von der Couch aus zu beobachten.

Abpfiff für den Alkohol

Medizinisch gesehen ist und bleibt Fakt: Je weniger Alkohol wir trinken, desto besser. Das gilt natürlich besonders für die Leber, denn sie muss den giftigen Stoff wieder aus dem Körper filtern. Und das Problem Alkohol betrifft viele Menschen: Laut aktuellem "Jahrbuch Sucht" haben rund zehn Millionen Deutsche ein problematisches Trinkverhalten, etwa 1,8 Millionen sind alkoholabhängig.

Auf das Bier zum Feierabend oder Fußball verzichten viele Deutsche dennoch nicht: Schließlich trinken wir allein 100 Liter Bier im Schnitt pro Jahr - auch wenn die Tendenz sinkend ist. Sieht man einmal vom Alkohol ab, schließlich gibt es auch alkoholfreie Varianten, ist überraschenderweise aber nicht nur das positiv für die Gesundheit. Denn tatsächlich hat Bier an sich auch einige positive Eigenschaften: Beispielsweise haben die meisten Pilssorten etwa 40 Kalorien pro 100 Milliliter - also ein paar weniger als die gleiche Menge Apfelsaft oder Milch. Bier macht also an sich nicht zwingend dick, sondern der Alkohol im Bier enthemmt und verdrängt die Ideale der gesunden Ernährung. 

Bier ist besser als sein Ruf

Die Mischung aus Hopfen, Gerste oder Weizen, Wasser und Malz hat sogar Gutes zu bieten: So hat eine Studie an der amerikanischen Harvard Medical School in Boston 2014 nachgewiesen, dass moderater Bierkonsum besonders bei Frauen das Risiko für rheumatoide Arthritis senken kann. An der Universität Kalifornien konnte ein positiver Effekt auch für Osteoporose festgestellt werden. In letzterem Fall vermuten die Experten einen Zusammenhang mit dem natürlichen Silikon im Bier, das sonst zum Beispiel vor allem in Bananen zu finden ist.

Und schließlich haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg schon 2011 in einer Studie nachgewiesen, dass Bier Xanthohumol enthält. Das ist ein natürlicher Pflanzenbestandteil des Hopfens, vor allem der Bittersorten und zeigte sich in Tests wirksam gegen die Entstehung und Entwicklung von Krebszellen. Hintergrund: Xanthohumol wirkt antiöstrogen und hemmt die Neubildung von Blutgefäßen. Da ein Tumor nur wachsen kann, wenn er an das Blutgefäßsystem angeschlossen ist, wirkt Xanthohumol der Krebsentstehung entgegen, so die Ergebnisse des Fachartikels.

Fazit: Alkohol fördert zwar nicht die Gesundheit, Bier kann es allerdings schon. Zum Beispiel in der alkoholfreien Variante, am besten aber jedenfalls bitter und hopfenlastig. Wie viel alkoholhaltiges Bier wir vertragen ist neuen Studien zu Folge auch genetisch bedingt - Alkohol wirkt auf jede Leber anders. Ob die Leber belastet ist, kann der Hausarzt zum Beispiel beim Check der Blutwerte regelmäßig überprüfen. Als Richtwert hat sich eine Angabe der American Heart Association (Amerikanische Herzgesellschaft) inzwischen etabliert: Sie bezeichnet maximal ein (Frauen) bis zwei (Männer) Gläser Bier à 350 Milliliter pro Tag als "harmlos".

Beitrag von Lucia Hennerici

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