3D-Bild der menschlichen Nieren (Bild: Colourbox)
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Lebensstil gegen Schmerz - Das raubt Nierensteinen die Substanz

Wer einmal eine Nierenkolik erlebt hat, vergisst das nicht so schnell wieder. Ärzte sprechen auch vom "Vernichtungsschmerz", vergleichbar mit den Schmerzen während der Geburt. Nicht immer verursachen Nierensteine derart starke Beschwerden; manche sind so klein, dass der Körper sie über den Urin von allein wieder ausscheidet. Aber gegen sie alle kann man mit dem eigenen Lebensstil viel bewirken.

In Deutschland erkranken rund fünf Prozent der Menschen an Nierensteinen; Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In etwa der Hälfte der Fälle kommt es nach dem ersten Auftreten zur Neubildung der lästigen Harnkristalle.

Nierensteine können auch Nierenbecken,- Harnleiter- oder Blasensteine heißen, je nachdem wo im Harnsystem die Steinbildung erfolgt. In drei Vierteln der Fälle bestehen Nierensteine – hier als Oberbegriff – aus Kalziumoxalat, also einer Mischung aus Kalzium und den Salzen der Oxalsäure. Rund zehn Prozent der Steine bestehen aus Harnsäure oder Kalziumphosphat. Selten bilden sich Steine aus Zystin oder Xanthin.

Zur Steinbildung kommt es, wenn von diesen Substanzen eine zu hohe Konzentration im Harn vorhanden ist. Dann bilden sich dort kleine Kristalle, die mit der Zeit immer größer werden können.

Das Harnsystem ist beeinflussbar

Nicht nur die Konzentration von Oxalat, Kalzium, Phosphat oder Harnsäure im Urin ist ausschlaggebend für die Steinbildung, sondern auch der pH-Wert des Urins. Ein normaler pH-Wert liegt zwischen 5,5 und 7. Einen Wert unter 7 bezeichnet man als sauer; einen über 7 als alkalisch. Bestimmte Steinarten bilden sich eher im alkalischen Urin, anderen eher im sauren Milieu.

Der pH-Wert des Urins wird stark von der Ernährung beeinflusst. Somit kann die Bildung von Nierensteinen durch eine gesunde Ernährung verhindert werden. Dazu muss aber bekannt sein, aus welchen Stoffen der Stein besteht. Ein bekanntes Beispiel für diesen Zusammenhang ist die Gichterkrankung: Dabei bilden sich sowohl im Harnsystem als auch in den Gelenken, Kristalle aus Harnsäure, die zu den typischen Gichtbeschwerden führen. Eine spezielle purinarme Ernährung, mit wenig Fleisch, Innereien und Meeresfrüchten, aber auch bestimmte Medikamente, können das verhindern.

"Steinfeindliche Ernährung"

Durch gesunde Ess- und Lebensgewohnheiten, lässt sich das Risiko für Nierensteine um bis zu 40 Prozent absenken. Da die meisten Nierensteine aus Kalziumoxalat bestehen, geht es bei einer nierengesunden Ernährung vor allem darum, Oxalsäure zu meiden und nicht mehr als 1.000 Milligramm Kalzium am Tag zu sich zu nehmen. Das entspricht etwa 200 Gramm Joghurt, 200 Gramm Vollkornbrot oder 35 Gramm Emmentaler-Käse.

Viel Oxalsäure findet sich unter anderem in Spinat, Mangold, Amarant, roter Bete, Süßkartoffel, Rhabarber, Weizenkleie, Sojabohnen, Kakao, Schokolade, schwarzem Tee und verschiedenen Nusssorten. Magnesium dagegen hilft, Nierensteine aus Kalziumoxalat zu vermeiden. Viel Magnesium ist zum Beispiel in Vollkornprodukten, Erbsen, Linsen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen sowie in getrockneten Bananen und Aprikosen. Wer sich nierengesund ernähren will, sollte mit Salz sparsam umgehen und neben fertigen – und meist gesalzenen – Lebensmitteln, nicht mehr als einen halben Teelöffel Salz zum Würzen benutzen.

Bewegung unbedingt, aber Vorsicht mit Diäten

Ausreichendes Trinken beugt ebenfalls der Bildung von Nierensteinen vor. Zweieinhalb bis drei Liter am Tag sollten es schon sein. Am besten ungesüßte Früchte- und Kräutertees, verdünnte Säfte und mineralstoffarme und kohlensäurearme Mineralwässer.

Regelmäßige Bewegung ist ein weiterer Faktor, der verhindern kann, dass sich Nierensteine bilden. Kleine Nierensteine, die über den Urin ausgeschieden werden können, lockern sich zum Beispiel durch Bewegung. Außerdem hilft Bewegung beim Abbau von Übergewicht, ein weiterer Risikofaktor für Nierensteine. Allerdings sollte man keine zu strengen Diäten durchführen; zu schnelles Abnehmen kann die Bildung bestimmter Steinarten sogar erhöhen.

Bei Hitze können mehr Nierensteine entstehen

Neben der falschen Ernährung, gilt vor allem auch eine zu geringe Trinkmenge als Risikofaktor für die Entstehung von Nierensteinen. Vor allem im Sommer entwickeln mehr Menschen Nierensteine, weil an heißen Tagen ein großer Teil der Flüssigkeitsmenge über Atmung und Schwitzen verloren geht.

Die Menge des Urins verringert sich und die im Urin löslichen Salze, aus denen Nierensteine entstehen können, sind in höherer Konzentration vorhanden. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass der Urin nicht gelblich, sondern bräunlich gefärbt ist.

Auch Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen
und Diabetes sind Risikofaktoren für die Bildung von Nierensteinen.

Nicht jeder Nierenstein tut weh

Ob Nierensteine Beschwerden verursachen, hängt in erster Linie davon ab, wie groß sie sind und wo sie sich befinden. In den meisten Fällen bilden sich die Steine im so genannten Nierenhohlsystem und wandern über das Nierenbecken in die Harnleiter. Wenn sie dort feststecken, können sie die typischen kolik- und krampfartigen Schmerzen auslösen, weil der Körper versucht, die Steine durch Muskelkraft weiterzubewegen. Steine bis zu einer Größe von zwei Millimetern werden in ungefähr 80 Prozent der Fälle von allein über den Urin ausgeschieden.

Manchen Stein wird man so schnell nicht mehr los

Steine, die größer als ein Zentimeter sind, wird man selten ganz ohne Behandlung wieder los. Hier kann es vorkommen, dass sie unbemerkt in der Niere bleiben und zu größeren Steinen heranwachsen und auf Dauer die Funktion der Niere schädigen. Solche Befunde werden häufig nur durch Zufall bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt.

Die Spur der Nierensteine

Klagen Patienten über Schmerzen in der Flanke, im Rücken, dem Bauchraum oder
im Bereich der Genitalien, wird der Arzt zunächst den Urin und das Blut untersuchen und einen Ultraschall der Nieren und des harnableitenden Systems machen. Im Urin zu finden sind im Fall von Nierensteinen vermehrt Kristalle und durch die Reizung der Harnwege - durch den festsitzenden Stein - auch vermehrt rote Blutkörperchen.

Mit einem Teststreifen wird der pH-Wert des Urins bestimmt, der bei Steinbildung häufig verändert ist. Im Blut deutet vor allem ein erhöhter Kreatinin-Wert auf eine gestörte Nierenfunktion hin. Kreatinin entsteht bei der Aktivität von Muskeln und wird über die Nieren ausgeschieden. Je schlechter die Nieren arbeiten, desto höher ist der Kreatinin-Wert im Blut. Steine im Bereich der Niere oder des blasennahen Harnleiters lassen sich mit Hilfe des Ultraschalls gut auffinden. Nierensteine an anderen Stellen müssen eventuell mit speziellen Röntgenverfahren oder einer Computertomografie aufgespürt werden.

Nierensteine behandeln

Die meisten Nierensteine werden heutzutage mit Stoßwellen behandelt. Bei der so genannten Extrakorporalen Stoßwellenlithotrypsie (ESWL) werden die Nierensteine von außen mit hochenergetischen Schallwellen zertrümmert. Vorab stellt der Arzt die genaue Position der Nierensteine per Ultraschall oder Röntgenaufnahme fest.

Nach der Behandlung werden die zerkleinerten Steinpartikel mit dem Urin ausgeschieden. Nierensteine bis zu zwei Zentimetern können meistens in einer Sitzung zertrümmert werden, bei größeren Steinen sind manchmal mehrere Sitzungen notwendig. Die Behandlung findet ohne Narkose, aber unter Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln statt. Können die Nierensteine nicht von außen mit Stoßwellen zertrümmert werden, kommen Verfahren zum Einsatz, bei denen der Arzt sich entweder mittels eines Katheters oder einer Punktion des Bauchraums Zugang zu den Steinen verschafft.

Bei der Harnleiterspiegelung wird ein Katheter über die Harnblase in den Harnleiter eingeführt und der Stein unter Sicht entfernt.

OP nur in schwierigen Fällen

Die so genannten perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL) wird dann angewendet, wenn die Steine im großen Nierenbecken liegen oder die Harnleiter blockiert sind. Unter Vollnarkose punktiert der Arzt den Bauchraum und führt über einen dünnen Zugangskanal ein Spezialinstrument ein, welches er bis zu Niere führt. Mit einer speziellen Arbeitssonde kann er dann den Nierenstein zertrümmern und mit einem zangenähnlichen Instrument entfernen. In seltenen Fällen erfolgt die Entfernung von Nierensteinen auch über eine offene Operation.

Manche Steine lassen sich per Medikament zersetzen

Die Auflösung von Nierensteinen durch Medikamente ist nur bei Steinen möglich, die aus Harnsäure oder Zystin bestehen. Mit den Medikamenten wird der pH-Wert des Urins so verändert, dass sich die Steine verkleinern und über den Urin ausgeschieden werden können. Gicht-Patienten mit Harnsäuresteinen nehmen oft dauerhaft Medikamente wie Allopurinol ein, um eine erneute Steinbildung zu verhindern.

Medikamente aus der Gruppe der Alphablocker können das Ausscheiden der Steine erleichtern. Sie entspannen die Muskeln im unteren Bereich der Blase. Alphablocker sind Medikamente zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung. Zur Behandlung von Nierensteinen sind sie nicht zugelassen. Insbesondere der Alphablocker Tamsulosin wird aber manchmal so im Off-Label-Use eingesetzt.

Beitrag von Ursula Stamm

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