Man übt gehen in der Reha (Quelle: imago/Itar-Tass)
Bild: imago/Itar-Tass

Hilfe nach der Akutphase - Reha-Antrag stellen - gewusst wie

Bei chronischen Erkrankungen, nach einem Schlaganfall oder einer Operation an Knie oder Hüfte sind fast alle Betroffenen auf eine Rehabilitationsmaßnahme angewiesen. Die "Reha" soll Kraft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit der Patienten erhalten, Folgeerkrankungen verhindern und Berufstätigen helfen ins Erwerbsleben zurückzukehren. Aber wie klappt's mit dem Reha-Antrag?

Ob nach einer OP, einem Schlaganfall oder Herzinfarkt und auch bei chronischen Krankheiten - in vielen Fällen sind Patienten darauf angewiesen durch Rehabilitationsmaßnahmen wieder an Kraft, Gesundheit und Beweglichkeit zu gewinnen, um im Alltag wieder mobil und selbstständig zu sein. Die sogenannte Reha soll auch Folgeerkrankungen verhindern und Berufstätigen soll die Rückkehr ins Erwerbsleben ermöglicht werden.

Allerdings: Immerhin rund 30 Prozent aller Anträge werden im ersten Durchgang nicht bewilligt. Wer sich vor Beantragung einer Reha gut informiert und über mögliche Fallstricke Bescheid weiß, hat bessere Chancen, mit seinem Reha-Antrag durchzukommen.

Wer ist zuständig?

Für Erkrankte im erwerbsfähigen Alter ist die Rentenversicherung Ansprechpartner für die Übernahme der Reha-Kosten. Wer nicht genau weiß, welche Rentenversicherung zuständig ist, kann auf seinem letzten Rentenbescheid nachsehen. Die Rentenversicherungen haben ein Interesse, dass die Betroffenen möglichst ohne Einschränkungen wieder ins Erwerbsleben zurückkehren - dabei gilt der Grundsatz "Reha vor Rente".

Für Rentner oder für Menschen, für die kein anderer Kostenträger verantwortlich ist, sind die Krankenkassen der richtige Ansprechpartner. Für Kinder und Jugendliche sind sowohl Krankenkassen als auch Rentenversicherung gleichrangig zuständig.

Der Antrag

Zuständig für die Beantragung einer Reha ist der Patient selbst. Da es einige Fallstricke bei der Beantragung gibt, ist es empfehlenswert, sich vorher bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung beraten zu lassen. Diese Institutionen haben eine Beratungspflicht.

Voraussetzung für die Beantragung einer Reha-Maßnahme ist die ausführliche Bescheinigung des Hausarztes, dass eine solche notwendig ist. Dazu gehört die medizinische Begründung, in der Beschwerden und Symptome genau beschrieben werden. Zudem ist für die Antragstellung eine genaue Darlegung der erhofften Ziele erforderlich. Außerdem muss der Hausarzt anführen, dass alle ambulanten Reha-Maßnahmen ausgeschöpft worden sind. Viele Ärzte füllen den Antrag gemeinsam mit ihren Patienten aus oder lassen sich zumindest Eckpunkte nennen, die für eine Reha-Maßnahme sprechen. Falls der Arztbericht fehlt, schalten die Kostenträge einen ärztlichen Gutachter ein. Das kann auch geschehen, falls beim Kostenträger Unklarheiten über die Bewilligung der Reha-Maßnahme bestehen.

In der Regel wird relativ schnell, innerhalb weniger Wochen, über den Reha-Antrag entschieden. Die Krankenkasse oder die Rentenversicherung schlägt dann eine Reha-Einrichtung vor, die sich meist - aber auch nicht immer - an den Wünschen des Patienten orientiert.

Reha abgelehnt - was tun?

Bislang gilt der so genannte Genehmigungsvorbehalt, d.h. die Krankenkasse oder Rentenversicherung muss erst die Übernahme der Kosten genehmigen, bevor die Reha-Behandlung beginnen kann. Patientenvertreter wie der Arbeitskreis Gesundheit e.V. treten dafür ein, dass Reha-Anträge von den behandelnden Ärzten selbst bewilligt werden können. Begründung: Die Ärzte könnten den Gesundheitszustand ihrer Patienten oftmals besser beurteilen können als Sachbearbeiter einer Versicherung.

Wessen Reha-Antrag abgelehnt worden ist, der sollte nicht gleich aufgeben, sondern innerhalb der Widerspruchsfrist von vier Woche einen schriftlichen Widerspruch formulieren. Nach Angaben des Arbeitskreis Gesundheit e.V. hat jeder zweite Widerspruch Erfolg; tatsächlich wiedersprechen derzeit ab nur rund 25 Prozent aller abgelehnten Patienten.

Falls die Ablehnung am Telefon erfolgt, sollte man unbedingt auf einer schriftlichen Begründung bestehen. Für die Formulierung des Widerspruchs kann es sinnvoll sein, die medizinischen Unterlagen einzufordern und eine erneute Begründung von seinem Hausarzt einzuholen. Der kann zum Beispiel noch konkreter auf die ablehnenden Argumente der Gegenseite eingehen. Wird ein Widerspruch zum zweiten Mal abgelehnt, bleibt nur noch der Gang zum Sozialgericht.

Gründe für die Ablehnung

Ein häufiger Grund für die Ablehnung eines Reha-Antrages ist der Grundsatz "ambulant vor stationär". So müssen erst alle ambulanten Reha-Maßnahmen ausgeschöpft sein, bevor eine stationäre Reha bewilligt wird. Ist aber jemand - etwa aufgrund seiner Erkrankung - nicht mehr mobil genug, um zur ambulanten Reha zu gelangen, kann der Arzt dies erneut bescheinigen und auf die Notwendigkeit einer stationären Reha drängen.

Eine andere Motivation zur Ablehnung - häufiger bei den Krankenkassen - ist der mangelnde Anreiz ältere Patienten wieder so fit zu "machen", dass sie keine Pflege brauchen. Denn diese wird aus der Pflegekasse bezahlt und bringt somit den Krankenkassen keinen geldwerten Vorteil.

Die Wunschklinik

Bei Antragstellung besteht die Möglichkeit, eine Wunschklinik zu nennen. Häufig wird diesem Wunsch aber nicht entsprochen, weil die Kostenträger eigene Einrichtungen haben, mit denen sie spezielle Versorgungsverträge abgeschlossen haben. Aufgeben sollte man aber auch hier nicht, da das Wahlrecht im neunten Sozialgesetzbuch verankert ist. Solange das medizinische Angebot der Wunschklinik für die Erkrankung des jeweils Betroffenen geeignet ist, hat man ein Anrecht in diese Klinik zu gehen.

Die Kostenträger fordern dann häufig, dass eine so genannte Mehrkostenübernahmevereinbarung unterschrieben wird. Das sollte man pauschal aber auf keinen Fall tun. Nur wenn die Wunschklinik nachweislich teurer und die vom Kostenträger alternativ vorgeschlagene Einrichtung medizinisch genauso geeignet für die jeweilige Reha-Maßnahme ist, können Mehrkosten in Rechnung gestellt werden. Deren Höhe sollte man aber auf jeden Fall prüfen, da nicht selten überhöhte Kosten abgerechnet werden.

Beitrag von Ursula Stamm

Weitere Beiträge

Roboter Pepper (Quelle: imago/AFLO)
imago/AFLO

Interview l Technik für die Gesundheit - Roboter als Pflegehelfer

Ansprechpartner, Trainer, Helfer in der Not - das und mehr sind Pflegende. In Heimen drohen sie aber oft unter den vielen Aufgaben zusammenzubrechen. Wie wäre es, wenn Roboter helfen? Zum Beispiel Fragen von Patienten beantworten, Alarm schlagen bei Gefahr oder als Gedächtnistrainer? Daran forschen Wissenschaftler beim AriA-Projekt im Wissenschaftsjahr 2018. Wir haben mit Informatiker Felix Carros darüber gesprochen, was (seine) Pflegeroboter schon können - und gerade lernen.

Hippotherapie (Quelle: rbb)
rbb

Reittherapie bessert Gleichgewicht neurologischer Patienten

Hippotherapie, also Physiotherapie auf dem Pferderücken - in der Neurologie wird das Element "Bewegung des Pferdes im Schritt" als Therapeutikum für Patienten mit zentralen Bewegungsstörungen eingesetzt.