Mann wird zu Hause gepflegt (Quelle: Colourbox)
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Service für die Antragstellung - Rehabilitation – das geht auch zu Hause

Nach größeren Operationen, aber auch nach gesundheitlichen Krisen, kann eine Rehabilitation helfen, wieder so fit zu werden, dass ein normaler Alltag möglich ist. Doch gerade ältere Menschen sind nicht immer in der Lage, eine solche Reha in der Klinik oder auch in einer ambulanten Einrichtung zu absolvieren. Dann kann eine so genannte mobile geriatrische Rehabilitation infrage kommen.

Zielgruppe

Für eine mobile geriatrische Rehabilitation sind besonders Patienten geeignet, die in einem der folgenden Bereiche Defizite haben:

  • Einschränkung der geistigen Kräfte, zum Beispiel durch kognitive Einschränkungen oder Demenz
  • seelische Leiden, wie Angsterkrankungen oder Depressionen
  • erhebliche Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit, etwa Sprach- und Sprechstörungen nach Schlaganfall
  • starke Einschränkungen im Bereich des Hörens oder Sehens
  • die Besiedelung mit multiresistenten Keimen, welche die Rehabilitation in einer Klinik erschwert
  • deutlich reduzierte Belastbarkeit durch Herz- und Lungenerkrankungen

Häusliches Umfeld

Das Konzept der mobilen geriatrischen Rehabilitation ist es, die Patienten in der Umgebung aufzusuchen und zu unterstützen, in der sie vor dem Krankenhausaufenthalt gelebt haben. Das kann die eigene Wohnung oder das Haus sein, aber auch ein Pflegeheim. Häufig kommen die Patienten sehr geschwächt und immobil aus dem Krankenhaus zurück und dann geht es vor allem darum, ihnen wieder möglichst viel Mobilität und Selbstständigkeit zurückzugeben. Zu Beginn kommt ein Arzt der mobilen geriatrischen Rehabilitation (MGR) zu einem Hausbesuch und führt eine erste Untersuchung durch. Dazu sind Angehörige sehr willkommen, vor allem wenn ein Patient nicht so gut in der Lage ist, selbst für sich zu sprechen. Bei diesem Termin sollen Patient und Angehörige auch selbst formulieren, welches die Ziele sind, die durch die MGR erreicht werden sollen. "Wir üben tatsächlich da, wo der Patient Probleme hat. Wir üben die steile Treppe zur Wohnung, die ganz anders aussieht als die Treppe im Krankenhaus." So formuliert Dr. Martin Warnach den großen Vorteil der häuslichen Reha. Er ist Leiter der Mobilen geriatrischen Reha am Wichernkrankenhaus in Berlin und hat dieses Angebot vor sieben Jahren mit aufgebaut.

Teamarbeit

Nach dem ersten Termin mit dem Arzt der MGR besuchen verschiedene Therapeuten den Patienten. Das Team der mobilen Reha besteht aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeitern und Psychologen. Sie fragen ganz gezielt, bezogen auf ihre Fachkompetenz, welche Probleme vorliegen und welche Lösungsansätze möglich sind (Multiprofessionelles Assessment). In Teamsitzungen werden die verschiedenen Eindrücke ausgetauscht und ein erster Reha-Plan erstellt, der während der Maßnahme auch immer wieder angepasst werden kann. Wird der Patient durch einen Pflegedienst betreut, bleibt der weiterhin für die medizinisch-pflegerische Grundversorgung zuständig. Das Team der mobilen geriatrischen Reha berät auch bei der Auswahl bestimmter Hilfsmittel und hilft bei kleineren Umbauten in der Wohnung, etwa beim Abbau von Schwellen im Wohnbereich.

Antragstellung

Der Antrag für eine mobile geriatrische Reha muss bei der Krankenkasse des Patienten eingereicht werden. Er wird entweder vom Klinikarzt im Rahmen der Anschlussheilbehandlung gestellt oder vom Haus- oder Facharzt des Patienten. Letzterer nutzt hierfür das sogenannte "Reha-Formular 61", wo neben der Indikation für die Reha-Maßnahme auch Gründe angeführt werden, warum der Patient die Reha in seinem gewohnten Lebensumfeld machen sollte. Bei der Antragstellung sind die Ärzte der mobilen geriatrischen Reha bei Bedarf behilflich. Hat die Krankenkasse den Antrag bewilligt, kann die Reha-Maßnahme beginnen.

Dauer

Meist werden 40 Hausbesuche bewilligt; ein Hausbesuch entspricht einer Therapieeinheit. Nach dem multiprofessionellen Assessment wird in einem Reha-Plan festgelegt, welche Therapeuten, wann und wie oft zum Patienten nach Hause kommen. Dieser Plan kann während der Maßnahme immer wieder verändert werden, vor allem dann, wenn der Patient bestimmte Fähigkeiten wiedererlangt hat. Pro Woche sollten mindestens sechs, maximal zehn Therapieeinheiten von je 45 Minuten erfolgen. Dadurch ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtdauer der MGR von sechs bis sieben Wochen. Eine Verlängerung der mobilen geriatrischen Reha ist auf Antrag bei der Krankenkasse möglich. Am Ende der Rehabilitation führt der Arzt der MGR eine Abschlussuntersuchung durch und schickt das Ergebnis an die behandelnden Ärzte und Therapeuten und auch an den Pflegedienst, falls vorhanden.

Heimunterbringung verhindern

Häufig werden ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung entlassen, weil sie zuhause allein noch nicht zurechtkommen. Selten wird dann geprüft, ob derjenige vielleicht in der Lage wäre, durch eine mobile Rehabilitation wieder so fit zu werden, dass er in sein häusliches Umfeld zurückkehren kann. Die anschließende Unterbringung in einem Pflegeheim ist dann oftmals vorgezeichnet. Wird an dieser Stelle – also während des Aufenthalts in der Kurzzeitpflege  - eine mobile Reha durchgeführt, kann eine Heimunterbringung oftmals verhindert werden.

Angebote in Berlin & Brandenburg

Die mobile geriatrische Reha wird an folgenden Stellen angeboten:

  • das Evangelische Johannesstift am Wichernkrankenhaus in Spandau mit dem Einzugsgebiet Spandau, westliches Charlottenburg und Wilmersdorf sowie Falkensee
  • das evangelische Geriatriezentrum in Wedding mit dem Einzugsgebiet Tegel, Pankow, Mitte und Charlottenburg
  • die Median Klinik in ganz Berlin
  • das Krankenhaus Woltersdorf  

Beitrag von Ursula Stamm

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