Grafik: Blutgerinsel (Quelle: imago/Science Photo Library)
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Blutgerinnsel im Gefäß - Thrombose – kleine Ursache mit großer Gefahr

An den Folgen einer Thrombose sterben jährlich rund 30.000 Menschen - mehr als durch Unfälle im Straßenverkehr. Die Thrombose ist immer ein Notfall und sollte sofort behandelt werden. Das Zeitfenster hierfür ist eng: Innerhalb von zehn Tagen muss behandelt werden, sonst drohen Folgeschäden. Doch wie lässt sich eine Thrombose behandeln?

Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß. Dieser Thrombus kann das Blutgefäß verengen oder sogar verstopfen. Besonders gefährlich kann es werden, wenn sich ein venöser Thrombus löst und mit dem Blutstrom in die Lunge gerät und dort Blutgefäße verschließt. Eine lebensgefährliche Lungenembolie ist die Folge; eine Thrombose zu behandeln daher unabdingbar.

Grundsätzliches zur Behandlung

Die Therapie richtet sich natürlich immer danach, wie groß der Thrombus ist und wo und wie tief er sitzt. Eine Thrombose in oberflächlichen Venen oder Krampfadern bildet sich meistens durch eine Venenentzündung. Sind nur kleine Blutgefäße betroffen, reichen oftmals Kompressionen - also das Anlegen eines festen Verbandes oder eines Kompressionsstrumpfes - und Kühlung. Allerdings ist der Übergang von einer oberflächlichen, unkomplizierten Thrombose zu einer tiefen Venenthrombose oft fließend. Daher muss auch der Behandlungserfolg einer einfachen Thrombose gut beobachtet werden. Die Behandlung von Thrombosen in Arterien unterscheidet sich grundsätzlich von der in Venen. Hier liegt die Ursache häufig in Ablagerungen an den Gefäßwänden der Arterien (Arteriosklerose).

Kompressionstherapie - mit Druck gegen die Thrombose

Ein Kompressionsverband oder-strumpf übt einen genau abgestimmten Druck auf das betroffene Bein oder den Arm aus. Dadurch wird der Durchmesser der Venen verkleinert und das Blut fließt wieder kräftiger. Zudem wird durch den Druck das Anwachsen des Thrombus an der Venenwand befördert. Dadurch verhindert man, dass sich das Gerinnsel löst, zur Lunge gelangt und dort eine Lungenembolie auslöst.

Ein Kompressionsverband wird vom Arzt verschrieben und kann in der Regel nur von Fachpersonal angelegt werden. Einen Kompressionsstrumpf gibt es ebenfalls auf Rezept; er wird individuell angepasst und kann dann von den Patienten selbst angezogen werden. Die Druckstärke reicht von I bis IV und es gibt spezielle Anziehhilfen in der Apotheke oder in Sanitätshäusern, die das Überstreifen des Strumpfes erleichtern. Kompressionsstrümpfe sind keine Stützstümpfe. Letztere üben deutlich weniger Druck auf das Bein aus und eignen sich nur zur Vorbeugung von Venenproblemen.

Heparin und Cumarine - die Blutgerinnung vermindern

Heparin ist ein Medikament, welches die Blutgerinnung hemmt. Im Akutstadium einer Thrombose wird es entweder als Infusion in die Vene oder - in Form von sogenanntem niedermolekularem Heparin – unter die Haut gespritzt. Ziel dieser Therapie ist es, dass weitere Wachsen des Thrombus zu verhindern, den Thrombus auflösen kann Heparin aber nur selten. Nach einigen Tagen wird die Therapie mit Heparin in der Regel durch Cumarine (Marcumar, Falithrom) abgelöst.

Diese Tablettentherapie erfordert die kontinuierliche Bestimmung des Gerinnungswertes im Blut. Das ist bei den neueren sogenannten Antikoagulantien nicht notwendig. Sie haben allerdings den Nachteil, dass es keine ausreichenden Gegenmittel gibt, mit denen die Blutverdünnung im Notfall (z.B. bei Blutung oder dringlicher OP) zuverlässig und schnell normalisiert werden kann. Generell bergen alle gerinnungshemmenden und blutverdünnenden Medikamente das Risiko von Blutungen.

Thrombolyse - mit Medikamenten den Thrombus auflösen

Die Thrombolyse ist eine medikamentöse Therapie, die ein bestehendes Blutgerinnsel auflösen soll. Sie kommt vor allem bei tiefen Beinvenenthrombosen zum Einsatz. Der Erfolg der Behandlung hängt entscheidend vom Alter des Blutgerinnsels ab: Je länger es besteht, desto geringer ist die Chance auf eine vollständige Auflösung. Zum Einsatz kommen Gerinnsel auflösende Wirkstoffe wie Urokinase, Alteplase oder Streptokinase. Sie werden hoch dosiert mittels einer Infusion verabreicht.

Die Thrombolyse dauert mindestens drei Tage, ihre Wirkung ist nach maximal 14 Tagen allerdings auch ausgereizt. Die Thrombolyse bringt aber auch gefährliche Nebenwirkungen mit sich. Mit zunehmender Dauer der Behandlung wächst das Risiko für innere Blutungen. Menschen, die in den letzten drei Monaten einen Schlaganfall oder Magengeschwüre hatten, sind besonders gefährdet.

Thrombektomie – Gerinnselentfernung per Operation

In manchen Fällen, wie etwa ausgedehnten Thrombosen der Beine, hilft nur eine operative Entfernung des Blutgerinnsels. Die Thrombektomie kann in der Regel aber nur in den ersten Tagen nach der akuten Thrombose durchgeführt werden, solange der Thrombus noch nicht an der Venenwand angewachsen ist. Sonst wäre die Gefahr, Gefäßwände zu verletzen, zu hoch.

Es gibt verschiedene Operationstechniken, unter anderem den Ballonkatheter, die offene Thrombektomie und die Kompressionsthrombektomie. Zwar gelingt es in den meisten Fällen, das Blutgerinnsel zu entfernen. Allerdings bergen diese Operationstechniken alle mehr oder weniger große Risiken, wie Gefäßverletzungen oder das Auslösen einer Embolie, sodass die Thrombektomie nur in besonderen Fällen durchgeführt wird.

Cava-Filter – Thrombusteilchen abfangen

Die Therapie mit einem Cava-Filter ist, ebenso wie die Thrombektomie, nur bestimmten Patienten vorbehalten. Zum Beispiel, wenn eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten nicht möglich ist oder eine besonders große Gefahr für Lungenembolien besteht. Ein Cava-Filter oder ein Cava-Schirmchen ist ein feines Drahtgeflecht, welches der Arzt mit Hilfe eines Katheters in der Hohlvene platziert. Die Hohlvene (Vena cava) ist eine der größten Venen des Körpers und befindet sich in der Nähe des Herzens. In der Hohlvene soll der Cava-Filter wie ein Sieb mögliche, sich lösende Thrombusteilchen, abfangen und somit eine Lungenembolie verhindern. Allerdings können sich am Cava-Filter selbst Gerinnsel bilden oder der Blutfluss behindert werden, so dass diese Therapieoption sorgfältig abgewogen werden sollte.

Erfolgschancen der Thrombosebehandlung

Je früher eine Thrombosebehandlung beginnt, desto größer sind die Erfolgschancen und desto geringer die Gefahr von bleibenden Schäden. Diese sind vor allem Venenschwäche, Ödeme, Krampfadern oder ein sogenanntes offenes Bein. Grundsätzlich gilt, dass jeder Patient, der schon einmal eine Thrombose hatte, ein erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten hat. Hier sind Männer stärker gefährdet als Frauen. Am wichtigsten ist in solchen Fällen eine gute Thrombose-Vorsorge. Die umfasst unter anderem viel Bewegung, ausreichendes Trinken, den Abbau von Übergewicht, Rauchverzicht und das Tragen von Kompressionsstrümpfen.

Beitrag von Ursula Stamm

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