"Barhocker an einer Theke, im roten Licht"; © rbb/dpa/ Jochen Tack
rbb/dpa/ Jochen Tack
Bild: rbb/dpa/ Jochen Tack

- Corona-Krise: Die Region macht dicht

Das Coronavirus breitet sich aus. In Berlin hat die Polizei am Samstagabend die Anordnung des Senats durchgesetzt, wonach unter anderem Bars, Clubs und Fitnessstudios geschlossen werden müssen. Aktuelle Informationen im rbb SPEZIAL.

Shutdown für Berlin durchgesetzt

In Berlin hat die Polizei am Samstagabend die Anordnung des Senats durchgesetzt, wonach u. a. Bars, Clubs und Fitnessstudios wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden müssen.

Es habe bei der Durchsetzung kaum Probleme mit Betreibern und Gästen gegeben, hieß es am Sonntag. Seit Samstag sind alle öffentlichen und nichtöffentlichen Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern verboten. Bei Veranstaltungen mit weniger als 50 Personen eine Anwesenheitsliste geführt werden.
 
Die Ausnahme des Shutdowns gilt nur für Restaurants und Gaststätten – also Orte, in denen "vor Ort zubereitete Speisen verabreicht werden". Auch hier gelten jedoch Einschränkungen: Die Lokale dürfen nur öffnen, wenn die Tische mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander haben.

42 Menschen in Berlin nach Club-Besuch infiziert

Die Corona-Fallzahlen in der Hauptstadt steigen weiter. Mit Stand Samstagnachmittag sind in Berlin nachweislich 263 Menschen mit dem Virus infiziert. Nach Angaben von Gesundheitssenatorin Kalayci sind 42 Club-Besucher betroffen.

Etwa ein Sechstel der erfassten Berliner Coronavirus-Infektionen hat mit Club-Besuchen zu tun. "Von 263 bestätigten Fällen in Berlin sind 42 auf einen Club zurückzuführen", erklärte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Samstagabend bei Twitter. Deshalb habe sie mit den Amtsärzten der Stadt die Schließung der Clubs und das Verbot von Veranstaltungen erwirkt.

Berlin präzisiert Kinderbetreuung

Der Berliner Senat wird bei den ab dem 17. März greifenden Kita-Schließungen eine Notbetreuung nur für Eltern anbieten, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und keine Möglichkeit einer Kinderbetreuung organisieren können.
 
Das gab der Senat am Sonntag bekannt. Zu den Berufen zählen u.a. Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen, von systemrelevanten Bereichen wie Justiz, Pflege und Verkehr sowie von "kritischer Infrastruktur".
 
Für Brandenburg kündigte Ministerpräsident Woidke (SPD) an, eine Notfallbetreuung noch festzulegen.

Bahn schränkt Regionalverkehr ein

In den kommenden Tagen wird die Deutsche Bahn ihren Regionalverkehr deutlich einschränken.

Damit reagiert das Unternehmen auf die geringe Zahl an Fahrgästen als Folge der Coronavirus-Krise. Das teilte eine Sprecherin der Bahn am Sonntag in Berlin mit. Außerdem würden in den Regionalzügen vorerst die Fahrkarten nicht mehr kontrolliert. Dies geschehe zum Schutz von Fahrgästen und Mitarbeitern, sagte die Sprecherin weiter.

Brandenburgs Finanzämter schließen

Von den Sicherheitsvorkehrungen gegen eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus sind in Brandenburg auch Behörden betroffen.
 
Die Finanzämter schließen bis zum Ende der Osterferien am 19. April, wie das Finanzministerium am Sonntag in Potsdam mitteilte. Die Ämter erfüllten weiter ihre Aufgaben, zum Schutz der Bediensteten und der Bürger seien sie aber nicht mehr geöffnet.
 
Die Brandenburger könnten Steuererklärungen weiter elektronisch abgeben, die Finanzämter seien über Telefon und E-Mail erreichbar.

Moderation: Raiko Thal

Coronavirus: Maßnahmen im Überblick

Schulen & Kitas
In Berlin stellen Schulen und Kitas ab 16. März stufenweise ihren Betrieb ein. Als erstes trifft es die Oberstufenzentren, ab 17. März schließen dann alle Schulen und Kitas - zunächst bis zum Ende der Osterferien am 19. April. Die Brandenburger Schulen und Kitas sollen ab 18. März vorerst bis zum Ende der Osterferien den regulären Unterricht und die normale Betreuung einstellen.

Freizeit
Die Berliner Schwimmhallen sowie das Tropical Islands in Brandenburg sind vorerst bis zum 19. April geschlossen.

Grenzen
Brandenburgs Nachbarland Polen hat die Grenze seit dem 15. März geschlossen, für zunächst zehn Tage. Ab dem 16. März schließt Deutschland seine Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz. Auch außerhalb der EU gibt es Einreiseverbote.

Hilfen
Laut Berlins Wirtschaftssenatorin Pop (Grüne) soll für Unternehmen ein Fonds mit einem Volumen von 100 Millionen Euro eingerichtet werden, der "perspektivisch" auch verdoppelt werden könne. Für Kleingewerbe soll es außerdem einen Härtefallfonds geben.

Kultur
Alle Einrichtungen stellen in Berlin ihren Spielbetrieb vor Publikum vorerst bis zum 19. April ein. Zudem sind in der Hauptstadt generell alle Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern verboten. Bei Veranstaltungen mit weniger als 50 Personen ist eine Anwesenheitsliste Pflicht. Die für Mai in Berlin geplante re:publica wurde auf August verschoben. Auch das Nachtleben in Berlin steht still - Clubs und Kneipen sind geschlossen. In Brandenburg sind ebenfalls zahlreiche Theater und Museen sowie die Schlösser der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geschlossen. Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern sind in Brandenburg verboten, ab 100 müssen sie den Kommunen gemeldet werden.

Restaurants
Eine Ausnahme des Shutdowns in Berlin gilt nur für Restaurants und Gaststätten - also Orte, in denen "vor Ort zubereitete Speisen verabreicht werden". Hier gilt: Die Lokale dürfen nur öffnen, wenn die Tische mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander haben.

Pflege
Der Arbeiter-Samariter-Bund in Brandenburg rät, Menschen in Pflege- und Alteneinrichtungen derzeit nicht zu besuchen. Die Leiterin der Berliner Caritas, Kostka, appelliert an die Menschen, Besuche möglichst auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Hochschulen
Der Semesterstart an den staatlichen Hochschulen in Berlin und Brandenburg wird auf den 20. April verschoben.

Sport
Sämtliche Sportligen in Deutschland haben ihren Betrieb ausgesetzt. Auch der Berliner Halbmarathon fällt aus. Sportstudios sind ebenfalls dicht.

Behörden
In Brandenburg schließen die Finanzämter bis zum Ende der Osterferien am 19. April. Die Ämter erfüllen aber weiter ihre Aufgaben und sind über Telefon und E-Mail erreichbar.

Verkehr
Ab dem 17. bzw. 18. März wird die Bahn ihren Regionalverkehr deutlich einschränken. Die Berliner Senatsverwaltung hob außerdem das Sonntagsfahrverbot für Lkw bis vorerst 1. Juni auf, um die Versorgung mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten sicherzustellen.

Stand: 15. März 2020, 16.15 Uhr