Malakeh Jazmati auf dem Markt (Quelle: rbb)
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- Malakeh - Fernsehköchin aus Syrien

Integration durch Kochen: Die in Aleppo geborene Malakeh war in Syrien und Jordanien eine bekannte TV-Köchin. Nach ihrer Flucht nach Berlin kocht sie im "Sharehouse Refugio" für Flüchtlinge und betreibt einen Catering-Service. Jetzt will Malakeh auch den Deutschen die vielfältige Küche ihrer Heimat schmackhaft machen.  

Malakeh Jazmati, Köchin
"Gib mir ein halbes Kilo, bitte."

Einkaufen in Berlin-Neukölln. Malakeh Jazmati erwartet heute Abend 30 Gäste. Es ist Ramadan - da ist das gemeinsame Essen noch wichtiger als sonst.

Malakeh Jazmati, Köchin
"Hmm, it's good."

Es gibt Warak Enab, ein Fleischgericht mit gefüllten Weinblättern.

Malakeh Jazmati, Köchin
"Dieses Gericht erinnert mich an meine Großmutter in Syrien, weil sie das immer so gern gegessen hat. Und Sie hat es immer für mich gekocht."

Vor zwei Jahren kam Malakeh nach Berlin. Ihr Mann war über das Meer aus Syrien geflohen und holte sie dann nach. Dass sie in Neukölln gelandet ist, ist Glück im Unglück. Denn immerhin kann sie hier fast alles finden, was sie zum Kochen braucht. Denn das ist ihre Welt.

Malakeh Jazmati, Köchin

"Am Anfang habe ich mich verloren gefühlt. Ich habe einfach alles vermisst, meine Sprache, einfach alles. Und da habe ich in mich hineingeschaut und gesucht, was mir helfen könnte. Essen ist eine gemeinsame Sprache. Es hilft mir, meine kleine Botschaft zu verkünden: Den Leuten zu zeigen, was in uns drin ist: Liebe. Und dass wir in Frieden leben wollen."


In ihrer Heimat war Malakeh ein Star. Sie hatte eine Fernseh-Show, in der sie zusammen mit Prominenten kochte und sich dabei mit ihnen unterhielt - über den Alltag, das Essen und Politik. Ausgestrahlt wurde die Sendung von einem jordanischen, Assad-kritischen Fernsehsender. All das musste sie zurücklassen.

In einem Kochbuch hat Malakeh jetzt die Rezepte aus ihrer Heimat aufgeschrieben. Dazwischen: Erinnerungen, das was sie mit dem Essen verbindet.

Malakeh Jazmati, Köchin

"Als der Krieg angefangen hat, habe ich gedacht, dass alle unser Land erhalten müssen. Manche retten die Häuser, manche Kinder oder Menschen und wieder andere das Erbe. Und ich glaube die Küche und das Essen ist ein ganz wichtiger Teil unseres Erbes. Darum versuche ich zu retten, was ich retten kann."


Man kann dieses Gericht mit Lammfleisch machen, Malakeh hat sich heute für Rind entschieden. Sie schichtet die gefüllten Weinblätter auf das Fleisch. Fünf Stunden hat es gedauert, sie zu rollen. Safran, Tomaten, Knoblauch - alles kommt in einen Topf. Doch die wichtigste Zutat, sagt Malakeh, sei die Liebe.

Malakeh Jazmati, Köchin
"Ich will etwas Schweres hier oben drauf legen. Wir nehmen manchmal auch einen großen Stein. Aber hier habe ich keinen Stein. Darum mache ich das so: ich nehme einen großen Teller und viel Wasser, damit es schwer ist."


Dieses Gewicht hält die gerollten Weinblätter zusammen.

Malakeh Jazmati, Köchin
"Ja, das ist das ganze Geheimnis."

Fünf Stunden später ist das Gericht fertig. Malakeh hat Verstärkung bekommen: Ihr Mann, seine Schwester und ein paar Freunde. Als Team haben sie schon viel größere Gruppen versorgt: Über 600 Leute. Und einmal sogar Angela Merkel. Denn in den zwei Jahren, in denen sie hier lebt, hat Malakeh Jazmati mit ihrem Mann ein Catering-Unternehmen gegründet. Hier im "Refugio", einem Ort, an dem Geflohene und andere Menschen zusammen leben, konnten Sie sich eine Küche einrichten.

Die Sonne geht unter, das Fasten ist für heute vorbei. Malakeh trinkt ihren ersten Schluck Wasser an diesem Tag. Gleich wird gegessen. Viel Zeit und Liebe hat sie in dieses Mahl gesteckt. Das ist es ihr wert, denn für Malakeh bedeutet das Kochen weit mehr, als nur Essen zuzubereiten. So kann sie etwas von sich zeigen.

Malakeh Jazmati, Köchin
"Wir sind hier unter Beobachtung. Wenn ich nur ein Taschentuch auf die Straße fallen lasse, dann sagen alle, die syrischen Frauen, die sind aber schlecht. Die Moslems, die sind aber schlecht. Deshalb versuche ich so gut zu sein wie möglich. In allem. Wirklich in allem. Denn ich verstehe mich als Botschafterin meiner Kultur. Nicht nur beim Essen. Mit allem."


Autorin: Julia Riedhammer

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