"Kreatur" von Sasha Waltz (Bild: sashawaltz.de/Ute Zscharnt)
(sashawaltz.de/Ute Zscharnt)
Bild: (sashawaltz.de/Ute Zscharnt)

- "Kreatur" - Sasha Waltz' neue Choreografie

Mit großer Spannung wird in Berlin die neue Choreografie "Kreatur" von Sasha Waltz erwartet. Nicht nur, weil Sasha Waltz für aufregendes und innovatives Tanztheater steht, sondern auch weil ihre Berufung zur Co-Intendantin des Staatsballets für Unruhe und Proteste beim klassischen Tanzensemble der Staatsoper gesorgt hat.   

Sasha Waltz verändert ihre Stücke bis kurz vor der Premiere und oft auch noch danach. Fertig gibt es nicht für die Künstlerin, die trotz ihres Weltruhms immer zweifelt. Gemeinsam mit ihren internationalen Tänzern sucht, ringt sie um das bestmögliche Ergebnis.

Ihr neues Stück "Kreatur" hat keine konkrete Handlung: Sasha Waltz hat es geschaffen unter dem Eindruck der Nachrichten von Kriegen, der Flüchtlingskrise, Terroranschlägen.

Sasha Waltz, Choreografin
"Es ist sehr stark aus Stimmungen, Gefühlen, Atmosphären, Situationen geboren, die das reflektieren und deswegen ist es so düster geworden."
Autorin
"Weil die Welt so düster ist?"
Sasha Waltz
"Ja, hier scheint jetzt die Sonne, aber es wird heißer."


Auch an den Kostümen wird im Atelier des Radialsystems noch gearbeitet: "Samurai" heißt dieser Anzug aus den Gerippen von Regenschirmen. Die niederländische Modedesignerin Iris van Harpen hat sie entworfen. Sie sind alle aus Metall. Aus Tausenden von Metallfäden wird dieses Kostüm, die "Wolke", geknüpft. Ein immenser Aufwand.

Trotzdem ist das Stück im Vergleich zu ihren bombastischen Inszenierungen der letzten Jahre eher klein: Sasha Waltz wollte diesmal Zeit und Freiheit haben zum Experimentieren.

Sasha Waltz, Choreografin
"Einfach mal wieder zurückzukehren, wo ich herkomme und wo ich begonnen habe, also dieses kreative Forschen."


Anfang der 90er kommt sie nach Berlin: Die junge Tänzerin und Choreografin erobert die Stadt im Sturm, gründet ihre Kompanie "Sasha Waltz and Guests" und baut das Theater Sophiensäale mit auf. Nach zehn Jahren in der freien Szene wird sie ins Leitungsteam der Schaubühne geholt. Hier feiert sie endgültig ihren großen Durchbruch mit ihrem Stück "Körper". Viele ihrer Inszenierungen sind Meilensteine: Für ihre erste Oper "Dido and Aeneas" lässt sie 2005 ein Schwimmbecken auf die Bühne der Staatsoper bauen. In diesem Jahr weiht sie mit ihren Tänzern die Elbphilharmonie in Hamburg ein.

Doch während sie in der Welt gefeiert wird, macht es ihr ihre Wahlheimat Berlin schwer: Der Tiefpunkt 2013, die Förderung wird nicht erhöht, sie muss ihren fest angestellten Tänzern kündigen, kann sie nur noch projektweise engagieren.

Sasha Waltz, Choreografin
"Das ist nicht nur eine Entscheidung gegen 'Sasha Waltz and Guests', sondern eine Entscheidung gegen den Tanz beziehungsweise nicht für den Tanz."


Und dann entschiedet sich Berlin doch noch für seine Starchoreografin: Der Bürgermeister bietet ihr den Chefposten am Staatsballett an, gemeinsam mit dem Schweden Johannes Öhmann soll sie die größte Ballettkompanie Deutschlands leiten.

Doch die Tänzer des Staatsballetts protestieren: Sie sehen sich der klassischen Balletttradition verpflichtet und befürchten das zu verlieren, mit einer Intendantin, die aus dem zeitgenössischen Tanz kommt. Trotz der Ablehnung der Balletttänzer: An der Entscheidung ist nicht mehr zu rütteln. Sasha Waltz soll entstauben und tritt 2019 ihren Posten an. Jetzt möchte sie versöhnen und über die Proteste nicht mehr sprechen.

Sasha Waltz, Choreografin
"Wir haben entschieden, Johannes Öhmann und ich, dass wir da auch einen Strich ziehen und neu beginnen. Also, auch da würde ich sagen: Es ist etwas passiert, aber wir müssen nach vorne denken, es ist gemeinsam etwas passiert, aber wir müssen gemeinsam wohin, und das muss auch positiv sein."


Vor Veränderung, vor Neuanfängen hat Sasha Waltz keine Angst. Und damit ist sie genau richtig in dieser Stadt und auch eine Chance für das Staatsballett.

Sasha Waltz, Choreografin
"Für mich gibt es kein Ankommen, das widerspricht meiner Haltung, auch dem Leben gegenüber. Es gibt für mich das Leben und es gibt für mich Bewegung als Ausdruck des Lebens."


Autorin: Vanessa Loewel

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