Depeche Mode Konzert, Bild: imago/Robert Michael

- Depeche Mode mit neuem Album "Spirit"

Depeche Mode sind auch nach Jahrzehnten immer noch die Superstars des Synthie-Pops. Im Juni kommt die Band zu einem Konzert ins Berliner Olympiastadion, um ihr neues Album "Spirit" zu präsentieren. (Das Video zum Beitrag ist bis 22.06.2017 online verfügbar)

So politisch haben sich Depeche Mode noch nie inszeniert: Frontmann Dave Gahan als Revolutionsführer. Das aktuelle Album ist politisch so aufgeladen wie kein anderes von ihnen zuvor. Über Demagogen, Kriege, Rassismus und über neue Medien singt Dave Gahan düstere, aber nicht hoffnungslose Songs. Das Stück "Where's the revolution" ist nicht als Aufruf zu verstehen.

Dave Gahan, Musiker

"Die Frage, die der Song stellt - und das ist es doch, worum es geht: Wo ist die geistige Revolution in uns? Wo ist sie? Wir müssen sie finden."

Letzten Monat gab die Elektro-Pop-Band im Berliner Funkhaus ein Konzert. Der 55-Jährige bewegt sich super fit über die Bühne. Mitte der 90er Jahre hat er seine Drogensucht besiegt, nachdem er wegen einer Überdosis für Momente klinisch tot war. Vielleicht führt das dazu, die Welt viel bewusster wahrzunehmen.

Dave Gahan, Musiker
"Es scheint, dass die Welt ein wirklich seltsamer Platz ist. Ich habe 25 oder 26 Jahre in Amerika gelebt. Seltsame Dinge passieren dort. Und in meinem Land, in Großbritannien, genauso, wo jeder für den Brexit gestimmt hat und den Ausstieg aus der Europäischen Union. Das sind Dinge, und der neue Präsident der USA, ich will gar nicht seinen Namen nennen, das sind solche Momente, wo ich mich frage: Ist das wahr?"


Die Stücke entstanden bereits 2016, noch vor der Präsidentenwahl und der Entscheidung für den Brexit. In "Going Backwards" geht es um den allgemeinen Kontrollverlust in unsicheren Zeiten.

Dave Gahan, Musiker
"Ich lebe heute ein sehr bewusstes Leben. Ich habe mir früher selbst viele Probleme bereitet, aber ich bin jetzt sehr glücklich, dass ich Dinge tue, die ich liebe. Ich weiß, ich bin sehr privilegiert, aber das heißt nicht, dass ich damit aufhöre zu sehen, was um mich herum ist, und dieses Album spiegelt das wider."

Wie die deutsche Fangemeinde auf die Songs von Depeche Mode reagierten, dafür interessiert sich Sascha Lange aus Leipzig. Er schrieb das Buch "Monuments", das jetzt in einer limitierten Version neu erscheint. Er erforscht politische Haltungen in der Fankultur.

Sascha Lange, Autor

"Die Singleauskopplung 'Where's the revolution' war für viele Fans eine Erleichterung, dass man von der Band mal so ein politisches Statement hört, gerade in den Zeiten, wo der Riss durch Familien geht, durch Freundeskreise, durch ganze Gesellschaften, das war für die Fans beruhigend, dass man von der Band mal ein Statement bekommt und feststellt, die Band tickt genauso wie wir."

Auch die neuen sozialen Medien kritisiert Dave Gahan im selbst geschriebenen Stück "Cover me". Ironisch beklagt er die User, die immer online sind: posten, texten und ihre Follower zählen müssen.

Dave Gahan, Musiker

"Sie haben ihre Anhängerschaft, die ihnen folgt, keine Ahnung, was das wirklich bedeutet. Ich versuche bewusster zu sein, meine Augen wieder zu öffnen und umherzusehen, in mich aufzunehmen, was um mich herum ist, lieber als in diesem Handy begraben zu sein."

Alle vier Jahre realisiert die Band ein Album und geht auf Konzerttournee. Keyboarder Martin Gore und Dave Gahan verbindet eine langjährige "wunderbare Feindschaft", woraus sie ihre Inspiration ziehen. Für das Album "Spirit" haben sie diesmal auch gemeinsam an den Songs geschrieben. Seit fast 37 Jahren stehen sie zusammen auf der Bühne.

Sascha Lange, Autor
"Eine der Gründe, warum die Band noch zusammen ist, ist dass sie nie einen Masterplan hatten, dass sie nach der Tour immer wieder auseinander gegangen sind und die Bandmitglieder dann auch relativ schnell gemerkt haben, was sollen sie sonst machen, sie sind nun mal Depeche Mode und Depeche Mode machen Musik."

Das Album "Spirit" mit versteckten Blues-Einlagen und raffen Industrialsounds ist jedenfalls eine musikalische Überraschung, auch wenn sich Depeche Mode dabei weniger revolutionär als fragend und altersweise geben.


Autorin: Margarete Kreuzer

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