Tricky (Quelle: rbb / Stilbruch)
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- Tricky - der Erfinder des Trip Hop mit neuem Album

Der Musiker Tricky lebt seit 2015 in Berlin. Seine Karriere begann in Bristol mit Massive Attack und hatte mit seinem epochemachenden Album "Maxinquaye" 1995 ihren vorläufigen Höhepunkt. Seitdem gilt er als Erfinder der langsamen Elektrobeats, des Trip Hop. Nach vielen wilden Jahren hat er in Berlin Ruhe gefunden und hier auch sein neues Album "Ununiform" produziert.

Dunkel, klaustrophobisch und auf schillernde Weise elegant. Das ist der Sound mit dem Tricky Mitte der 90er Jahre ein neues Musikgenre ins Leben ruft: Trip Hop!.

Tricky bedeutet kompliziert - und genau der Ruf eilt ihm voraus. Wir sind gespannt, ob er unser Treffen nicht doch in letzter Sekunde absagt. Aber er kommt. Und wir haben sogar ein kleines Geschenk mitgebracht.

Tricky, Musiker
"Was ist das? Drogen? Honig? Ich mache immer Honig in meinen Kaffee, ich vertrage keinen Zucker mehr. Also perfekt. Danke."


Drogen hat Tricky den Rücken gekehrt, seit er vor zwei Jahren von London nach Berlin gezogen ist. Statt Partynächten genießt Tricky hier Entspanntheit und vor allem Anonymität. Die Stadt tut ihm gut - sie nährt ihn, macht ihn produktiv und das nicht nur musikalisch. Wie er Berlin sieht, zeigt er auf seinem Instagram-Account. Der Soundkünstler ist ein ebenso talentierter Fotograf.

Tricky, Musiker
"Der Himmel über Berlin ist unglaublich. Es gibt so viel zu sehen. Berlin ist wie ein Buch. Manchmal steht plötzlich eine Couch auf der Straße und am nächsten Tag ist sie weg, aber nicht weil aufgeräumt wurde, sondern weil jemand anders sie nutzt."

"Ich weiß nicht, ob ich so stark wäre. Ich bewundere diesen Mann. Ich sehe nicht sein Handycap. Ich sehe seine Stärke."

Tricky - ein Popstar, der sich auch für unpopuläre Themen interessiert. Für sein aktuelles Video "When we die" ging er auf Tuchfühlung mit Obdachlosen in New York.

Tricky, Musiker
"Heute dreht sich alles nur um Geld, um Erfolg, und ich habe gesagt: Ich will Menschen zeigen, die gestrandet sind. Das wahre Leben."

Tricky große Gabe ist es, Licht im Dunkel zu sehen.

Tricky, Musiker

"Unsere Augen sind nicht mehr gewöhnt, das wahrzunehmen, wir sind viel zu verblendet von unserer kommerziellen Sicht auf die Welt. Aber zwei Menschen auf der Straße, die nichts anderes haben als ihre Liebe zueinander. Darin entdecke ich Schönheit."

Dann nimmt Tricky uns mit, auf einen Foto Streifzug durch Neukölln. Sein Lieblingskiez. Ein Friedhof an der Hermannstrasse findet sein Interesse. Tod ist ein Thema, das den Künstler seit seiner Kindheit begleitet und ihn geprägt hat. Seine Mutter begeht Selbstmord, als er vier Jahre alt ist.

Tricky, Musiker
"Meine erste Erinnerung ist: Meine Mutter in einem Sarg zu sehen. Daher kommt die Melancholie. Wer den Tod nicht akzeptiert, akzeptiert auch nicht das Leben."

Und wo wird für Tricky die Reise hin gehen?

Tricky, Musiker

"Du weißt ja nicht, ob du nicht in ein paar Jahren auch dort drüben auf dem Friedhof liegst, wo wir gerade waren, aber im Moment kann ich mir keine andere Stadt zum Leben vorstellen. Berlin ist die einzige letzte echte Großstadt. New York, L.A., Paris, auch London, alles tolle Städte, aber ich möchte da nicht mehr leben. Wenn mir der Spirit hier nicht mehr gefällt, dann ist es Zeit für einen Strand oder ich gehe aufs Land."

Das hat hoffentlich noch Zeit. Tricky wird gern "Prinz der Dunkelheit" genannt. Wir haben ihn als ganz unkomplizierten und warmherzigen Neu-Berliner erlebt.


Autorin: Charlotte Pollex

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