Eduard Leander (Jürgen Prochnow); Syrreal Entertainment/Tobis Film
Syrreal Entertainment/Tobis Film
Bild: Syrreal Entertainment/Tobis Film

- Jürgen Prochnow in "Leanders letzte Reise"

Der Schauspieler Jürgen Prochnow ist zurück aus Hollywood und lebt wieder in seiner Geburtsstadt Berlin. Momentan feiert der Film "Leanders letzte Reise" Premiere. Prochnow spielt darin einen 92-jährigen Mann, der sich nach der Beerdigung seiner Frau auf die Suche nach seiner Jugendliebe macht.

Manche Menschen können wir ein Leben lang nicht vergessen. Und manche Reisen schieben wir über Jahrzehnte vor uns her. Erst mit 92 Jahren, nach dem Tod seiner Frau, macht sich Eduard Leander auf seine letzte Reise.

Szene aus "Leanders letzte Reise"

Eduard Leander: "Der Leichenschmaus fällt aus. Ihr könnt nach Hause gehen."
Enkelin Adele: "Was für eine Familie."

Eduard Leander muss herausfinden, was aus der Liebe seines Lebens geworden ist. Zuletzt hat er sie am Ende des Zweiten Weltkriegs gesehen - in der Ostukraine, wo er als Wehrmachtssoldat kämpfte.

Jürgen Prochnow, Schauspieler
"Die Beschäftigung eben mit dieser Rolle hat mich in meine eigene Kindheit zurückgeführt: Die Zeit, die ich mit meinem Großvater zusammengelebt habe, hier in Berlin. Mein Vater war in russischer Gefangenschaft, der war nicht da."

Der deutsche Hollywood-Star Jürgen Prochnow spielt den Alten - ruppig und verschlossen. Und Petra Schmidt-Schaller bringt als seine Enkelin Tempo in den Film.

Szene aus "Leanders letzte Reise"

Adeles Mutter: "Du musst sofort zum Bahnhof Lichtenberg. Opa will in die Ukraine fahren. Rede mit ihm."
Eduard Leander: "Was machst du da, verdammt?"
Adele: "Du kannst nicht in die Ukraine fahren."
Eduard: "Anscheinend schon."
Adele: "Scheiße."

In seiner Rolle schweigt Jürgen Prochnow mehr als er redet, doch die Mimik, der Gang erzählen von der Schuld und den Zweifeln, die Eduard Leander plagen. Die Figur ist etwa so alt, wie es Jürgen Prochnows Vater heute wäre.

Jürgen Prochnow, Schauspieler
"Wenn ich sehe, was diese Generation und auch die meiner Eltern, was die durchgemacht haben: zwei Weltkriege und trotzdem haben sie es geschafft, uns Kinder durch den Krieg zu bringen und uns Fürsorge und Liebe zu vermitteln. Dann hat das auch sehr viel mit so einer Figur zu tun."


Jürgen Prochnow wird weltberühmt mit Wolfgang Petersens Film "Das Boot".

Szene aus "Das Boot"
"Alles klar?"
"Jawohl, Herr Kaleu."

1981 spielt er den wortkargen U-Boot-Kapitän so eindringlich, dass der Film ein Welterfolg wird und bis heute als legendärer Kriegsfilm gilt. Anfang der 80er Jahre geht Jürgen Prochnow nach Hollywood und wird mit seinem stechenden Blick und dem zerfurchten Gesicht vor allem als Fiesling besetzt: etwa als zwielichtiger Banker im "Da Vinci Code" an der Seite von Tom Hanks.

Jetzt also: "Leanders letzte Reise".

Szene aus "Leanders letzte Reise"
Adele: "Du hast nie geredet."
Eduard: "Weil Du es nicht verstehst. Ein Niemand, der nichts auf die Reihe kriegt."
Adele: "Und was kriegst Du auf die Reihe? Du hasst die Menschen, die Du eigentlich lieben solltest."

Jahrzehntelang hat Eduard Leander über seine Zeit im Krieg geschwiegen, jetzt kommt er zurück an den Ort seiner Erinnerungen.

Szene aus "Leanders letzte Reise"
Eduard: "Da stand die Kirche, da war das Haus, da die Scheune. Da war ich einquartiert."

Eduard Leander ist zurückgekehrt und kann Frieden schließen - mit sich und seiner Vergangenheit.

Auch Jürgen Prochnow ist aus den USA zurückgekommen nach Berlin. Seine neue Frau hat sich in Los Angeles nicht wohlgefühlt.

Jürgen Prochnow, Schauspieler

"Wir haben also schnell gemerkt: Es geht nicht, dass wir da drüben zusammenleben. Und dann haben wir uns auf Berlin geeinigt, weil sie hier auch schon mal gelebt hat in der Stadt und ich hier geboren bin. Für mich war das auch die einzige Wahl: wenn überhaupt zurück, dann hierher."


Jürgen Prochnow ist zurück in der Stadt seiner Kindheit, zurück in kleinen deutschen Produktionen und in Filmen, die ihn persönlich bewegen. Ans Aufhören denkt er auch mit 76 noch nicht.

Jürgen Prochnow, Schauspieler
"Dieses Älterwerden - was mir nicht daran gefällt ist, dass ich schlechter sehen kann, dass ich mich nicht mehr so gut bewegen kann wie früher. Andererseits: Dadurch dass ich einen Großteil meines Lebens gelebt habt, finde ich, bin ich zu einer anderen Gelassenheit gekommen und versuche, das Leben, was ich noch habe, bewusst und schön zu leben noch."


Autorin: Anne Kohlick

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