Monica Bonvicini: Waiting #1, 2017. Courtesy the artist and König Galerie, Berlin; Galerie Peter Kilchmann, Zürich; Galleria Raffaella Cortese, Mailand, Ausstellungsansicht, Berlinische Galerie, 2017. © Monica Bonvicini und VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Jens Ziehe
Jens Ziehe
Bild: Jens Ziehe

- Monica Bonvicini in der Berlinischen Galerie

Monica Bonvicini übernimmt ab Oktober eine Professur für Bildhauerei an der UDK Berlin. In ihren Arbeiten geht es um Sex und Macht und weibliches Aufbegehren. Die Berlinische Galerie widmet der Künstlerin nun eine Ausstellung.  

Eine Peitsche schwingt durch einen kahlen Raum - unberechenbar, manchmal auch laut, gefährlich. Das ist Kunst von Monica Bonvicini.

Sie führt durch ihre Ausstellung und zeigt die Stahlplatten, die sie auf Baustellen in Istanbul entdeckt hat. Mit ihnen will sie diesen Raum begrenzen, ein Gefühl der Enge herstellen. Containerartig, eine "Stimmung von Unbehagen" soll entstehen, so wie in einer Flüchtlingsunterkunft.

Monica Bonvicini, Künstlerin
"Ich habe auch an diese vielen Bilder gedacht, die wir alle auch kennen, in den letzten zwei Jahren: diese vielen Refugees auf kleinen Booten; wie viele Leute passen eigentlich in einen Raum hinein. Und was für eine Art von Krise erleben wir."


Seit 25 Jahren lebt Monica Bonvicini in Berlin. 1999 auf der Biennale in Venedig gewann die gebürtige Venezianerin sogar den Goldenen Löwen, gemeinsam mit vier anderen Künstlerinnen. Und jetzt: wo wohnt dieser Löwe bei ihr, der Kunstpreis-Joker?

Monica Bonvicini, Künstlerin
"Ich habe den Löwen leider nicht. Weil wir haben das zu fünft gewonnen. Ich habe sofort vorgeschlagen, das in fünf Stücke zu schneiden und ich wollte den Schwanz. Die waren alle total entsetzt. Nein! Ich glaube, er ist noch in Venedig, im Büro von der Biennale."

Damals in Venedig hat sie die Architektur und die Macho-Attitüde mancher Architekten bloßgestellt. Dazu schweres Gerät. Kettensägen in Latex. Gruselig lüstern, typisch für sie. Ihr vollverspiegeltes Toilettenhaus mit freiem Blick nach draußen: Die Frau hat vielleicht eine Wut, aber auch Humor. Jetzt hängen hier "Leder-Eier" an der Wand.

Monica Bonvicini, Künstlerin
"Also, ich bin auch in eine Italien großgeworden, das sehr, sehr links war. Irgendwie in den 70ern, Anfang der 80er, und wir hatten oft diese Diskussion, ja kann man nur Intellektuelle sein oder Arbeiter? Und wie bringt man diese zwei Sachen zusammen. Ich dachte irgendwann: Kunst, das ist es - das Intellektuelle und das Dreckig-werden."

Eine demolierte Wartezone: "Waiting" heißt diese Skulptur. Was ist hier passiert? Politisch und provokant arbeitet Monica Bonvicini oft. Mit poetischer Ausstrahlung. Aus Baustellenzäunen wird so ein Sinnbild für eine ganze Gesellschaft.

Monica Bonvicini, Künstlerin
"Die reflektieren die Sonne, reflektieren die Lichter von den Autos nachts. Die sehen wirklich schön aus. Auf der anderen Seite kann ich gar nicht sehen, was da drin passiert. Und wir wissen alle, was das heißt: Und überhaupt, das kann man auch auf Politik übertragen. Was ist denn eine Demokratie? Was bedeutet Transparenz?"

Bis zuletzt hat Monica Bonvicini mit dieser Installation gekämpft, erzählt sie. Jetzt aber wirkt alles perfekt. Mitten ins Interview platzt dann Klaus Biesenbach, der Starkurator aus New York. Sie sind Freunde, gemeinsam berühmt geworden. Das Wiedersehen muss festgehalten werden, für die digitalen Netzwerke. Er hat viel für die Kunst in Berlin getan. Und sie war von Anfang an dabei.

Klaus Biesenbach, Kurator
"
Dann hast du eine Arbeit gemacht, die ich bis heute großartig finde: 'Wall fucking'. Und dann haben wir in Venedig eine legendäre Ausstellung gemacht, die hieß Club Berlin."

Monica Bonvicini, Künstlerin
"
Oh mein Gott, 1995 war das. Wo wir graue Haare bekommen haben."

Klaus Biesenbach, Kurator 
"Graue Haare haben wir heute noch."

Monica Bonvicini, Künstlerin
"Ich hab keins."

Klaus Biesenbach, Kurator
"Du bist blond. Du bist immer noch nicht gealtert."


Das Kompliment weiten wir mal aus: das gilt auch für ihre Kunst.


Autorin: Petra Dorrmann

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