Robin Ticciati (Quelle: rbb)
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- Amtsantritt von Robin Ticciati am DSO

Der Brite Robin Ticciati übernimmt die Leitung des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) in Berlin. Neben Konzerten in der Berliner Philharmonie plant Ticciati Auftritte an außergewöhnlichen Orten.

Robin Ticciati, DSO-Chefdirigent
"Was es mir bedeutet, zu dirigieren? Im Moment alles. Das ist eine große Aussage, wenn man sie ernst meint. Und auch eine Gefährliche. Denn: wenn man es nicht hat - wer bist Du dann?"

Eine Probenphase, ein Konzert haben Robin Ticciati vor drei Jahren ausgereicht, um das Orchester zu überzeugen. Ein Jahr später unterschrieb er seinen Vertrag. Wem das gelingt, der muss begeistern können. Nutzen wir die Gelegenheit, das selber zu erfahren. Zum Interview haben wir Requisiten mitgebracht. Auch Partituren von Stücken, die er für seine erste Saison ausgewählt hat. Mozarts Jupitersinfonie zum Beispiel.

Robin Ticciati, DSO-Chefdirigent
"Das großartige an Mozart ist das hier... Was ist das? Aggression? Energie? Lebendigkeit? Und dann der nächste Teil... Das Weibliche, die Schönheit. Was steckt darin?... Nächste Aussage. Andere Tonart, gleiches Motiv. Noch eine Reaktion. Frage. Und dann geht’s los. Klassische Klassik. C-Dur. Offen, freudvoll."

Nun würde man gerne länger mit Robin Ticciati in Partituren blättern, aber wir haben noch Taktstöcke mitgebracht. Eine kleine Unterrichtseinheit in sozusagen Klangmalerei.

Robin Ticciati, DSO-Chefdirigent
"Du kannst ihn so halten, dann ist es eine bestimmte Geste. Du kannst ihn zwischen die Fingerspitzen nehmen, dann ist er flexibler. Man kann ihn verschwinden lassen und nur den linken Arm benutzen. Wenn Du 150 Leute vor Dir hast und sie sollen pianissimo spielen, dann benutzt du nur die Spitze. Das ist das, was es zu sagen gibt: Wenn Du einen Taktstock benutzt, dann musst Du ihn auch benutzen. Man sollte auch mit einem Buch dirigieren können. Es geht darum, die Richtung vorzugeben, Musik und Emotion. Auch mit dem Taktstock, aber vor allem durch sein ganzes Wesen."

Außerdem auf dem Robin-Ticciati-Testtisch: Alte Platten mit Aufnahmen von Stücken, die er ins Programm genommen hat. Die Hoffnung: leicht ins Gespräch über Werke zu kommen, die ihm am Herzen liegen. Aber: es gibt Probleme.

Robin Ticciati, DSO-Chefdirigent
"Tut mir Leid, das fällt mir ganz schwer."

Nicht alle Interpretationen, die wir mitbringen, überzeugen ihn. Kaum erklingt auch nur ein Ton, beginnt er die Aufnahme zu analysieren. Auf unsere Bitte hin - er ist halt Profi - legt er doch eine Platte auf.

Und siehe da, Schwärmen über die Meisterwerke. Ticciatis Live-Audiokommentar könnte man stundenlang zuhören.

Robin Ticciati, DSO-Chefdirigent
"In den Streichern – der Strom des Wassers, das sind faszinierende Effekte, die Debussy nutzt. Die Hörner, das hat etwas griechisches, etwas heidnisches. Vogelgesang, Seemöwen. Alles erwacht zum Leben."

Nun ja, Robin Ticciati hat leider wenig Zeit im Moment. Aber mitreißen lassen kann man sich von diesem Sympathieträger jetzt regelmäßig. Noch einen Taktstock für den Weg? Nein, danke – er hat schon. 


Autor: Steffen Prell

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