Regisseurin Julia Ziesche (Quelle: rbb)
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- "Wann endlich küsst du mich?"

Dramen spielen sich ja nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Familie ab. Über ein kompliziertes, aber auch turbulentes Mutter-Tochter-Verhältnis hat die Berliner Filmemacherin Julia Ziesche ihren Abschlussfilm an der Filmhochschule gedreht.

4 Frauen, 4 Generationen, eine Familie. Und die bietet bekanntlich reichlich Stoff für Dramen, wie sie das Leben eben schreibt. Viola ist 16 und stellt fest, sie ist schwanger.
Ein Teenie-Malheur? Keineswegs: Zeitgleich bekommt auch ihre 48-jährige Mutter überraschende Nachrichten.

Szene aus "Wann endlich küsst du mich?"
Mutter: "Ich habs gewusst, ich schwitze so."
Ärztin: "Sie sind schwanger. Sie haben ja schon zwei Kinder."


Das Dilemma von Mutterschaft zum falschen Zeitpunkt, aber auch das komplizierte Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern, erzählt von Regisseurin und Autorin Julia Ziesche, Jahrgang '85: geboren und aufgewachsen im Prenzlauer Berg. Viereinhalb Jahre arbeitete sie an ihrem Kinodebüt. Ein Herzensfilm, der auch nicht gerade eine leichte Geburt war.

Julia Ziesche, Regisseurin

"Ja, eine Schwangerschaft hat diesen Film durchkreuzt. Mit Ende des Drehs bin ich schwanger geworden, also das war auch nicht so gedacht. Ich wollte schon irgendwann Mutter werden, aber nicht direkt im Film und musste dann die Postproduktion mit dem Kind meistern, und es ist wirklich nicht so einfach."

Während Mutter Doris ihre Schwangerschaft zunächst geheim hält, schlägt die Nachricht ihres Nesthäkchens in der Familie ein wie eine Bombe.

Szene aus "Wann endlich küsst du mich?"
"Wir kriegen ein Kind."
"Ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst, Du warst doch selbst eine junge Mutter."
"Aber ich war nicht 16."
"Versucht euch mal ineinander hinein zu versetzen, ganz sachlich."


Julia Ziesche, Regisseurin

"Dieses Verhältnis ist ein sehr ambivalentes, und dass man sich einerseits loslösen will und distanzieren will von der Mutter und gleichzeitig durch die Nähe und das Vorbild auch die gleichen Schritte geht und Fehler macht oder auch die gleiche Biografie einschlägt, obwohl man eigentlich eine ganz andere gehen wollte. Also, warum sich das in Familien so häuft, das sind Themen die mich sehr interessieren."


Doris verdonnert ihre Tochter dazu, mit einer Puppe zu üben, was sie selber als junge Frau erfahren musste. Mutter sein ist ein Job, den man lernen muss. Mit dem Plastikbaby hatte allerdings auch das Filmteam zu kämpfen.

Julia Ziesche, Regisseurin
"Am Anfang ging die nicht aus und da haben wir sehr damit zu kämpfen gehabt, weil sie permanent, obwohl sie aus sein sollte, angefangen hat zu schreien. Und alle: 'Oh, das Baby.'"

Julia Ziesche, Regisseurin
"Es ist tatsächlich sehr grotesk mit einer Puppe zu spielen. Diese ganze Idee ist etwas absurd und so ist auch der Umgang. Niemand würde diese Puppe kuscheln und lieb haben wie ein echtes Baby. Das hat sich auf alle übertragen."

"Wann endlich küsst Du mich?" ist jedoch keine romantische Komödie. Doris, die es gewohnt ist, das Leben ihrer Töchter zu bestimmen, entgleitet die Kontrolle über ihr eigenes. Und so erzählt Regisseurin Julia Ziesche vor allem eine Geschichte über die Suche nach dem Glück und die Schwierigkeit, es zu erkennen.  

Julia Ziesche, Regisseurin
"Mir hat meine Oma mal gesagt: Das Glück ist wie ein riesiger Elefant hinter dem Baum. Man sieht es, man muss nur zugreifen. Und das ist etwas, was ich ein schönes Bild finde."


Wen am Ende das Glück küsst, wird an dieser Stelle nicht verraten. Als Ensemblefilm erinnert "Wann endlich küsst Du mich?" auf sympathische Weise an französisches Kino. Mal heiter, mal tragisch erzählt und gelungen für einen Erstlingsfilm.


Autorin: Charlotte Pollex

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