Porträt von Oliver Bottini, aufgenommen im Oktober 2015, auf der 67. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt/Main (Hessen) (Quelle: dpa/Uwe Zucchi)
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- Krimiautor Oliver Bottini

Das neue Buch von Oliver Bottini ist wie der Herbst: Düster, trist, karg. Und doch ist es sehr spannend, wie sich die tödliche Verstrickung entspinnt, zwischen Mecklenburg-Vorpommern und dem westlichen Rumänien. Unser Portrait des gefeierten Autoren.

Er ist der Meister der menschlichen Abgründe und ein literarischer Kämpfer gegen das Böse. Oliver Bottini taucht in seinen Romanen in das Dunkel unserer Gesellschaft hinab. Dabei lotet er seine Figuren in allen Facetten aus, verweigert sich der handelsüblichen Krimiunterhaltung.

Oliver Bottini, Krimiautor
"Ich hab zu allen meinen Figuren immer eine extrem emotionale Beziehung. Bei mir passieren die Morde ja meistens erst auf Seite 100 oder 200. Mord und Sex, das ist der Voyeurismus, den man möglicherweise bedient."

Filmausschnitt
"Ich will mit dir reden."

Alles begann mit einem Krimi um einen Mönch und eine alkoholkranke Kommissarin. Der Debütroman machte Ermittlerin Louise Boní zum Krimistar. Schon zwei Romane wurden von der ARD verfilmt.

Filmausschnitt
"Ich habe Leute gehört, mindestens zwei verfolgen den Mönch. - Nein, Louise, wir reden jetzt. - Für dich ist die Welt ganz einfach, Rolf. - Du hast angefangen zu saufen, als dein Mann dich verlassen hat. - Ich saufe nicht."

Boní kommt einem Kinderhändlerring auf die Spur. Ihr verzweifelter Kampf dient auch dazu, sich selbst zu retten.

Oliver Bottini, Krimiautor
"Boní ist für mich eine Kämpferin. Sie wandelt immer am Abgrund. Sie hat es dann ja relativ bald auch im Griff. Aber der Abgrund und der Absturz droht natürlich in jedem Buch. Dazu ist sie einfach innerlich zu versehrt."


Bottini mischt komplexe Psychologie mit politischen Themen. Die Bücher sind viel mehr als Krimis und vielfach ausgezeichnet. Dabei spielt oft auch eine intensive Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus eine Rolle. Die Versenkung in die Figurenwelt, das Zen seines Schreibens, bannt für ihn die Dämonen, die ihn mit Anfang 20 selbst in den Abgrund reißen wollten.

Oliver Bottini, Krimiautor
"Ich bin über eine Wiese gegangen und hatte plötzlich das Gefühl: Ich bin gegen eine unsichtbare Mauer gelaufen. Ich kann nicht mehr weitergehen. Vollkommen unverständlich, ich habe es nicht begriffen, was da mit mir passiert. Und das findet man in den Figuren auch wieder. Die haben alle ihre Abgründe."


Trotz seines Erfolgs ruht sich Bottini nicht auf seiner deutschen Serienfigur aus, bricht stets zu neuen brisanten Krimikontinenten auf. Nach Waffenhandel in Algerien und Kriegsverbrechen in Kroatien siedelt er seinen neuen Roman zwischen Rumänien und Mecklenburg-Vorpommern an. Es geht um den Ausverkauf von Heimat durch Großinvestoren.

Oliver Bottini, Krimiautor
"Ich wollte ein Buch über Landgrabbing schreiben. Es ist auch lange Jahre Politik der Bundesregierung gewesen, dass große freie Flächen an große Konzerne vergeben worden sind. Als Kleinbauer hat man in Mecklenburg sehr große Probleme, - damals wie heute - sich eigenes Land dazuzukaufen."

Der Mord an einer Bauerntochter bringt den Kommissar auf die dunkle Spur der Kartelle. So vielschichtig dessen Charakter wieder einmal angelegt ist, so tief muss er bei seinen Ermittlungen in die Geschichte hinabtauchen: zurück in die Nachwendezeit, als die sozialistischen Landwirtschaftsbetriebe abgewickelt werden. Wieder will Oliver Bottini ein übergegangenes Thema aus dem Dunkel holen.

Oliver Bottini, Krimiautor
"Man weiß heute, dass zahlreiche Abschlussbilanzen von LPGs ganz maßlos gefälscht worden sind. Das, finde ich, ist ein Skandalon, das muss man erzählen. Man kann nicht einfach so tun, als wäre das nicht passiert. Viele Zehntausend Menschen sind davon betroffen gewesen."


„Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist ein lesenswertes Buch. Bottini ist ein Zauberer, der mit dem Spirit des Zen die menschlichen Schicksale unserer Welt in den Blick nimmt.

Autor: Norbert Kron

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