Samuel Finzi und Wolfram Koch in "Die Zofen"
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Bild: imago/Metodi Popow

- Till Reiners und "Die Zofen"

Unser Kulturreporter Till Reiners hat eine kleine Tour de Force vor sich. Er besucht die Proben zu Jean Genets "Die Zofen" am Deutschen Theater. Auf der Bühne gibt es Macht, Demütigung und Unterwerfung zu bestaunen. Und mittendrin im Dienerinnenkostüm Schauspielstar Samuel Finzi.

Till Reiners, Kabarettist
"Ich bin heute bei der Fotoprobe von dem Theaterstück “Die Zofen”. Spannend, hab ich mir gedacht. Und was sind eigentlich Zofen? Mittlerweile weiß ich mehr: Zofen sind Dienstmägde. Und die versuchen in dem Theaterstück, ihre Herrin umzubringen."

Bühnenszene
Solange würgt Claire

Till Reiners, Kabarettist
"1947 wurde das uraufgeführt, es gab einen Riesen-Skandal. Warum? Männer spielen Frauen."


Bühnenszene

Till Reiners, Kabarettist
"Männer in Frauenkleidern. Heute: vollkommen egal! Deshalb frag ich mich: Warum hat das heute noch eine Relevanz? Zum Glück treffe ich nach dem Stück zwei Schauspieler, die mir hoffentlich mehr sagen können."


Bühnenszene
Claire: Die gnädige Frau ist gütig, sie vergöttert uns.
Solange: Sie liebt uns wie ihre Sessel, wenn es hochkommt. Oder wie die rosa Kacheln in ihrem Bad. Oder wie ihr Bidet.

Interview mit Wolfram Koch und Samuel Finzi, Schauspieler

Reiners: "Das Stück ist 1947 uraufgeführt worden - auf jeden Fall schon ne ganze Weile her. Was kann das heute sagen?"
Finzi: "Normalerweise arbeiten wir nicht so, dass wir unbedingt ein Stück nehmen, um damit etwas sagen zu wollen: Die Welt ist so und so."
Koch: "Es geht eigentlich um die Unmöglichkeit eines Aufstands, die Unmöglichkeit letztendlich, die Herrin zu töten. Letztendlich töten sie eher sich selbst, um sich zu befreien, als die Herrin zu töten."

Reiners: "Warum ist das unmöglich?"
Koch: "Darum geht das Stück. Es gibt Stücke, wo es möglich ist. Es gibt Revolutionsstücke - “Dantons Tod” - da werden einigen die Köpfe kürzer gemacht."

Reiners: "Ist heute mehr “Dantons Tod” oder “Die Zofen”?"
Finzi: "Die heutige Zeit?"
Koch: "Heute ist 'Richard III'"

Reiners: "Und was bedeutet das?"
Koch: "Richard III ist ein Protagonist, der hinten links kommt und in die Mitte reinkommt und sich an die Macht nudelt und mordet, um an die Macht zu kommen. Sobald er an der Macht ist: Politik kann er nicht. Das ist vielleicht ein heutiges Stück."

Bühnenszene
Solange: Sie hat nicht mit dem Aufstand der Zofen gerechnet. Er zieht herauf, gnädige Frau! Er wird losbrechen.


Reiners: "Warum tragt ihr denn jetzt Frauenkleider? Warum spielt ihr als Männer Frauen?"
Koch: "Der Autor hat es tatsächlich so vorgeschlagen. Das steht drin. Der hat gesagt: Dieses Stück soll gespielt werden von Männern in Frauenkleidern."

Reiners: "Aber warum?"
Koch: "Uns haben die Frauen-Uniformen interessiert tatsächlich."

Bühnenszene
Solange: Claire, ich ertrage unsere Ähnlichkeit nicht mehr.
Claire: Auch ich hab ihn satt, diesen erschreckenden Spiegel, der mir mein Bild zurückwirft wie einen üblen Geruch. Solange, Du bist mein übler Geruch.


Reiners: "Mögt ihr euch?"
Koch und Finzi: "Ja."

Reiners: "Seid ihr Freunde?"
Koch und Finzi: "Ja."

Reiners: "Was ist das Letzte, das ihr so zusammen unternommen habt? Außerhalb von hier."
Finzi: "Neulich haben wir Text gemacht. Mit 4 Flaschen Wein."

Reiners: "Und merkt man sich danach Text? Nach 4 Flaschen Wein?"
Koch und Finzi: "Ja."
Koch: "Haste doch heute Abend gemerkt!"

Reiners: "Naja, 7, 8 Hänger hattet ihr schon."
Finzi: "Das ist Theater. Es passiert jetzt und einmal und ist vorbei."
Koch: "Und morgen wieder."

Reiners: "Müsst ihr morgen wieder?"
Koch: "Natürlich! Kommste vorbei? Sei ehrlich!"

Reiners: "Rechne nicht zu fest mit mir."
Koch: "Ich versteh schon. Very diplomatic, my friend!"

Till Reiniers, Kabarettist
"Das waren also “Die Zofen”. Die Story ist noch komplizierter, als ich dachte. Männer spielen Frauen, die wiederum andere Frauen spielen. Ich hab manchmal gedacht: Okay, ich bin komplett raus. Dann hab ich die Schauspieler gefragt und gefragt: Was soll das alles? und festgestellt: Sie wissen es auch nicht so ganz. Ich glaube, es sind einfach zwei Freunde, die Bock haben, Theater zu spielen. Ist ja auch schön."

Autorin: Anne Kohlick

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