Der russische Präsident Vladimir Putin und US-Präsident Donald Trump auf der APEC Versammlung am 11.11.2017 in Danag, Vietnam. (Quelle: imago/Kremlin Pool)
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- "Verrat" Trump und Putin

Spinonage und Sex. Dazu die beiden mächtigsten Männer der Welt, die Präsidenten Putin und Trump. Der Guardian-Journalist Luke Harding recherchiert intensiv, was dran ist, an den Gerüchten rund um eine angebliche Orgie im Moskauer Ritz Carlton. War Donald Trump dabei? Und: Hat der russische Geheimdienst ein Video davon? 

Es geht um Sex, Spionage und Verdächtigungen. Eine Liebesfalle soll es gegeben haben, behauptet eine Geheimdienstquelle. Opfer: Donald Trump. Im November 2013 veranstaltet der selbstverliebte Noch-Nicht-Präsident einen Schönheitswettbewerb in Moskau. Er trifft Oligarchen, turtelt mit der neuen Miss Universe - und bezieht dann die Präsidentensuite des Ritz-Carlton mit Kremlblick. Das ist Fakt. Aber hat er auf das Bett, in dem schon Präsident Obama schlief, russische Prostituierte urinieren lassen – und wurde das heimlich gefilmt von Putins Geheimdienst? Ist der heutige US-Präsident erpressbar? Ein britischer Journalist und Russland-Experte will Licht in das Dunkel bringen.


Luke Harding, Autor und Journalist bei „The Guardian“
„Ich war selbst 4 Jahre Korrespondent in Moskau, und meine Wohnung damals war total verwanzt. Es gibt keinen Zweifel, dass es Aufnahmen gibt von Donald Trump in Moskau. Das machte der KGB in Kalten-Kriegs-Zeiten, das macht der Nachfolger FSB heute noch. Die Frage ist, wie sich Donald Trump benommen hat.“

In seinem Buch "Verrat" untersucht Luke Harding den Trump-Putin-Skandal so genau wie niemand zuvor. Ausgangspunkt ist die geheimnisvolle Akte, die im Januar im Internet auftauchte. Darin Anschuldigungen, die auf Recherchen eines  Privatermittlers beruhen, der mit geheimen Quellen sprechen konnte: Der britische Ex-Agent Christopher Steele war lange in Moskau stationiert. Luke Harding hat ihn aufgespürt und seine Arbeitsmethoden hinterfragt: Harding hält Steele für seriös. Und auch die Sexfalle ist typisch für den russischen Geheimdienst, der Prostituierte als Lockvögel einsetzt, im Geheimdienstjargon: als Schwalben.

Luke Harding, Autor und Journalist bei „The Guardian“
„Der KGB hat immer Sex benutzt als Instrument. Es gibt eine sehr reichhaltige Geschichte, wo sie Schwalben zu Diplomaten geschickt haben. Man schläft mit einer sehr jungen Frau, und am nächsten Tag klopft der KGB und sagt: Wir haben Fotos. Sie müssen jetzt für uns arbeiten. Das ist uralt.“


Der KGB nimmt Trump schon im Kalten Krieg ins Visier. Die Sowjets wollen amerikanische Informanten anwerben. Während Vladimir Putin als KGB-Offizier in Dresden den Sozialismus untergehen sieht, reist der expansionshungrige Donald Trump zum ersten Mal nach Russland, auf sowjetische Staatskosten.

Luke Harding, Autor und Journalist „The Guardian“
„Es gibt eine langjährige Beziehung zwischen Donald Trump und Russland, und zwar schon seit 1987, als er mit seiner damaligen Frau Ivana schon einmal in die Sowjetunion gefahren ist. Es zeigt, dass der KGB ein großes Interesse an Trump hatte. Damals und auch heute noch.“

Auch wenn Putin jedes Wissen standhaft leugnet: Russische Hacker manipulieren den amerikanischen Wahlkampf. Luke Harding präsentiert in seinem Buch zwar keine neuen Fakten, zeigt aber beeindruckend auf, wie tief, ja nahezu mafiös die Verflechtungen zwischen Trump und Russland wirken. Ist es Zufall, dass ein Oligarch eine millionenteure Trumpvilla kauft? Dass im Trump Tower jahrelang ein untergetauchter Russengangster wohnt?

Luke Harding, Autor und Journalist „The Guardian“
„Was wir in der Trump-Geschichte sehen, ist, dass russisches Geld in Trump-Gebäude reingeflossen ist, nicht nur heute, auch schon in den 80er Jahren. Dass auch Mafia-Leute im Trump-Tower gewohnt haben, wissen wir.“

Auch eine Gefahr für Deutschland? Und was für eine, sagt Harding. Gerade für Europa und die demokratische Welt ist Russlands Einflussnahme dramatisch: Putin benutze Trump wie eine Puppe, um russische Interessen durchzusetzen.

Luke Harding, Autor und Journalist bei „The Guardian“
„Was er sehr geschickt macht, ist, Spaltungen, die schon existieren, in Amerika, Großbritannien oder Deutschland, zu verschärfen und auszubeuten. Wenn es politische Unruhe gibt in Europa, das hilft Russland. Russland kann machen, was es will. Für Putin ist es ein neuer Kalter Krieg 2. Aber diesmal ist er sich sicher, dass Russland gewinnt und der Westen verliert.“

Luke Harding glaubt, dass wir bisher erst 25% der Wahrheit kennen. Jetzt versucht Sonderermittler Robert Mueller in Amerika, Licht ins verbleibende Dunkel zu bringen. Nur er könnte das verhängnisvolle Gespann Trump und Putin noch aufhalten.

Autor: Norbert Kron

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