Soziologe Jörn Höpfner im Supermarkt (Quelle: rbb)
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- Du bist, was Du isst: Was Einkäufe über uns aussagen

Fühlen Sie sich im Supermarkt manchmal beobachtet? Nein? Sollten Sie aber. Wie wir was wo einkaufen, sagt viel über unseren Typ und unsere Rolle in der Gesellschaft aus. Soziologe und Science-Slammer Jörn Höpfner analysiert, was unser Warenkorb über uns aussagt.

Man könnte denken, dass Jörn Höpfner ein Ladendetektiv ist, aber weit gefehlt. Jörn Höpfner ist Wissenschaftler. Eine Soziologe. Und Supermärkte haben es ihm angetan - als Ort, an dem man wunderbar Menschen beobachten kann. Denn hier, im Supermarkt, mit seinem Einkaufswagen, zeigt sich der Mensch, wie er ist - ganz natürlich.

Jörn Höpfner, Soziologe
"Theoretisch ist der Supermarkt eigentlich ein richtiger Un-Ort, also soziologisch einer dieser Räume, wo nicht viel passiert, meint man. Tatsächlich ist es aber ein sehr guter Ort, um Menschen zu beobachten. Du kennst das: Du kommst in den Supermarkt, du hinterfragst nicht, was hier passiert. Du weißt automatisch: Alles klar, Gemüseabteilung, Regale, ich muss was rein tun. Den ganzen Ablauf hast du verinnerlicht."

Der Supermarkt als Forschungs-Terrain für gesellschaftliches Leben - das beginnt schon gleich hinter dem Eingang am Käseregal. 80 Sorten mindestens. Wer soll da noch durchblicken?

Jörn Höpfner, Soziologe
"Das Käseregal ist ein wunderschönes Beispiel für totale Überforderung im Angesicht scheinbar grenzenloser Möglichkeiten. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Gerade wenn man in die junge Generation guckt, haben wir ein Phänomen, das sich Multioptionsparalyse nennt. Wir haben mittlerweile Menschen, die sind so überfordert angesichts der Möglichkeiten, die sie im Leben haben, dass sie sich gar nicht mehr für Möglichkeiten entscheiden können."

Jörn Höpfner ist preisgekrönter Science Slammer und als solcher vermittelt er verständlich und humorvoll komplexe Themen rund um den gesellschaftlichen Wandel.

In seinem Buch nutzt Höpfner den Supermarkt, um gesellschaftliche Milieus zu schildern. Wer ist wie? Wer kauft was? Wir basteln uns eine Gesellschaft. In der Soziologie ist sie nach Milieus aufgeteilt. Von den leistungsorientierten Performern über die bürgerliche Mitte bis zu den Prekären, die weniger Glück hatten. Starten wir den Feldversuch. Was ist im Einkaufswagen und was sagt uns das?

Der Mensch und sein Einkaufswagen - ein faszinierendes Forschungsgebiet für jeden, der in der Warteschlange steht. Ablesen lässt sich aus dem Einkauf für Jörn Höpfner Einiges. Nur: vor Schubladendenken warnt er, auch wenn wir es immer wieder alle tun.

Jörn Höpfner, Soziologe
"Die Botschaft am Ende ist aber: Sollten wir das so machen, ist es eigentlich gut? Weil wir in einer Zeit leben, in der sehr viel und sehr oft sehr schnell gerade in gewissen Denkrichtungen in Schubladen gesteckt wird. Das ist so eine Sache, die einfach in die Gesellschaft einsickert."

Wenn Sie also ihren Nachbarn in der Schlange beim Blick in seinen Einkaufswagen mal bemitleiden sollten, urteilen Sie nicht vorschnell. Vielleicht war ja auch nur gerade der Champagner aus.


Autor: Steffen Prell

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