Violinistin Antje Weithaas (Quelle: rbb)
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- Antje Weithaas

Sie ist der unbekannte Star der klassischen Musik. Die Violinistin Antje Weithaas lebt in Potsdam und lehrt an der Musikhochschule Hanns Eisler. Vor ein paar Wochen hat sie das Violinkonzert von Tschaikowsky als CD herausgebracht, Mitte Mai spielt sie im Radialsystem.

Wir treffen die Geigerin Antje Weithaas bei einer Probe mit ihren Kollegen in der Hanns Eisler Musikschule. Eine energiegeladene Frau, sympathisch, natürlich. Geübt wird für ein Konzert bei den berühmten Schwetzinger Festspielen, Bartok, Klavierquintett für Streicher. Antje Weithaas ist derzeit eine der gefragtesten Geigerinnen in Deutschland. Starallüren sind ihr jedoch fremd.

Antje Weithaas, Violinistin
"Ich mache das ja nicht bewusst. Ich finde, man muss so sein, wie man ist. Und ich bin nun mal kein Girly und man wird auch keins aus mir machen. Ich versuche einfach authentisch zu sein und so eine gewisse Lockerheit, die wir sowieso bei dem stressigen Beruf haben, ist ganz förderlich."

Antje Weithaas ist in Guben in Brandenburg geboren, ein kulturelles Ödland, wie sie sagt. Mit viereinhalb Jahren beginnt sie Geige zu spielen, studiert später an der Hanns Eisler Musikhochschule, wo sie heute auch unterrichtet. Ihr ist es wichtig, den Schülern Selbstvertrauen zu geben, ohne Druck und Drill. Das weiß sie aus eigener Erfahrung.

Antje Weithaas, Violinistin
"Ich komme aus keiner Musikerfamilie, was ich immer als sehr großen Vorteil gesehen habe, weil ich meine Fehler alle alleine machen darf und keiner redet mir da rein. Und all das, was ich tue, habe ich auch wirklich mir zu verdanken. Insofern finde ich es eine sehr gesunde Art und Weise damit umzugehen. Und diesen Druck, der aus Musikerfamilien kommt, den hatte ich Gott sei Dank nie."

Gerade hat sie mit der Camerata Bern, einem Orchester, das sie seit 2010 leitet, das Streichquartett Nr. 3 und das Violinkonzert von Peter Tschaikowsky eingespielt. Ein Stück, das ihr sehr am Herzen liegt.

Antje Weithaas, Violinistin
"Ich habe das Gefühl, das das Stück sehr häufig als Virtuosenkonzert gespielt wird und mit einer Freude am Lauten und Effektvollen, um das mal vorsichtig auszudrücken, gespielt wird. Ich sehe Tschaikowsky ganz anders. Als einen sehr, sehr sensiblen, unglücklichen Menschen."

Vor zwei Jahren hat sie ihren 50. Geburtstag gefeiert, ganz entspannt. Antje Weithaas  sagt, es sei merkwürdig, dass sie eigentlich niemand kennt, obwohl sie in der Klassik-Szene sehr erfolgreich ist und von Kollegen und Kritikern gefeiert wird. Sie ist zwar gerne unter Menschen, mag aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Antje Weithaas, Violinistin
"Ich glaube nicht, dass ich mich dazu eigne, als Rampensau verkauft zu werden. Wenn ich auf der Bühne bin, dann muss ich das natürlich trotzdem haben, sonst würde ich gar nicht auf die Bühne gehen. Ich muss das Gefühl haben, den Leuten etwas mitteilen zu wollen. Und eine gewisse egozentrische Seite, die hat jeder, der auf die Bühne geht."

Ihr Terminkalender ist voll, auch international ist sie immer häufiger gefragt. Musikalisch nimmt Antje Weithaas jetzt langsam den Platz ein, den sie verdient.


Autorin: Yvonne von Kalinowsky  

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