Pianist Michael Abramovich (Quelle: rbb)
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- Pianist Michael Abramovich

In Berlin findet klassische Musik nicht nur an klassischen Orten statt, sondern auch in Kühlhäusern, ehemaligen Krematorien oder stillgelegten Busdepots. In  Wedding hat man aus so einer ölverschmierten BVG-Werkstatt einen Pianosalon gemacht, wo etwa der international gefeierte Pianist Michael Abramovich Chopin spielt.

Michael Abramovich, Pianist
"Früher in Bukarest, wo ich geboren bin, hatten wir eine sehr gute Freundin, eine Klavierlehrerin. Sie hat mir schon als Kind gesagt: 'Du bist geboren, um Chopin zu spielen. Du hast eine Affinität zu ihm.' Und ich versuche jetzt, diesen Traum, den sie hatte, dass ich Chopin so intensiv spiele, nachzugehen."

Michael Abramovich, Pianist

"Chopins Kraft ist einfach unwiderstehlich, wenn man ihn richtig versteht. Vielleicht nicht so süß, vielleicht nicht so romantisch, aber diese unglaubliche Fantasie in seinem unglaublichen Können, das ist eine große Kraft, die eine große Freude bringt."

Es muss schon das Lebenswerk sein für Michael Abramovich - von Chopins erster bis zur letzten Note. In einer Konzertreihe spielt er sich durch diese unendliche Vielfalt. Michael Abramovich ist Kosmopolit, von Bukarest ist er nach Jerusalem gezogen, nach New York, inzwischen lebt er seit 20 Jahren in Berlin.

Im Pianosalon Christophori hat er ein musikalisches Zuhause gefunden. Ein Ort, den Michael Abramovich schätzt. Er hat den Eindruck, dass bei seinen Konzerten hier besonders intensiv zugehört wird.  Ein musikbegeisterter Arzt sammelt und restauriert hier alte Flügel und veranstaltet Konzerte.

Michael Abramovich, Pianist
"Es ist ein bisschen ein Vergangenheitstunnel, man hat so viele Instrumente. Und je nachdem, wenn man möchte diese Kiste der Pandora-Box, der Vergangenheit öffnen und schauen, wie das klang... Wie man damit umgeht, auf Elfenbeintasten zu spielen, obwohl das ein Verbrechen ist, aber es klingt unglaublich und es ist eine Leichtigkeit... Kein Plastik.
Also, es ist mehr als nur Klavier spielen und das ist es, was sehr schön ist in diesem Salon, man trifft, man denkt ein bißchen anders als woanders."


Früher war hier ein Busdepot der BVG. Es wurde gehämmert und geschweißt. Heute ist filigranere Handarbeit angesagt. Unter den rund 120 Flügeln aus der Sammlung ist auch einer aus der Zeit kurz nach Chopins Tod dabei - fast Originalklang.

Michael Abramovich, Pianist
"Hier gibt es andere Nuancen, andere Artikulationen, es hat vielleicht mehr Ironie."

Michael Abramovich, Pianist
"Vielleicht klingt es wie eine alte Dame, die alles weiß, die vielleicht auch andere Anziehungskräfte hat als die jüngere Generation."


Wohl stundenlang könnte Michael Abramovich von Frédéric Chopin erzählen. Vom Romantiker, vom Dandy, vom Zweifler, vom Erneurer, der seine ganze Kunst auf ein Instrument konzentriert hat. Vom Reichtum seiner Musik und von der kreativen Verzweiflung, die sie in einem Pianisten auch wecken kann. Nur, wenn man ihn persönlich fragt, was ihn daran berührt, winkt er ab. Versuchen wir es doch noch mal. Was liebt er an Chopins Musik?

Michael Abramovich, Pianist
"Wieso liebt man seine eigene Freundin? Es gibt Menschen, die sagen, du musst das erklären, es gibt andere, die sagen, wenn du anfängst zu erklären, liebst Du sie nicht mehr."


Autor: Steffen Prell

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