Fleur de Sel, Meersalz (Quelle: Colourbox)
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- Mikroplastik im Meersalz

Fleur de Sel unter dem Mikroskop  

Fleur de Sel gilt bei vielen Verbrauchern als besonders wertvoll und lecker. Doch offenbar steckt gerade in Fleur de Sel häufig Mikroplastik. In einer Stichprobe hat SUPER.MARKT fünf der meistverkauften Sorten Fleur de Sel aus Supermärkten und Feinkostläden im Labor auf Rückstände von Kunststoffen untersuchen lassen.

Fleur de Sel – das teure Salz der Gourmets

Fleur de Sel (deutsch: Salzblume) ist ein besonderes Meersalz. Es bildet sich als zarte dünne Kruste an der Wasseroberfläche und wird in der Regel von Hand abgeschöpft. Es ist deutlich teurer als normales Meersalz, das meist vom Boden eines Salzbeckens gewonnen wird. Das Fleur de Sel im Test kostet zwischen 2,84 und 6,32 Euro pro 100 Gramm. Ein normales Meersalz aus dem im Supermarkt ist im Vergleich dazu schon für 22 oder 24 Cent pro 100 Gramm zu haben. 

Mikroplastik in allen Proben

Fünf verschiedene Fleur-de-Sel-Produkte aus dem Supermarkt und dem Feinkostladen wurden von Barbara Scholz-Böttcher von der Universität Oldenburg untersucht. Das Ergebnis: In allen Proben wurden Plastikrückstände gefunden. Zwischen fast 140 Mikrogramm pro Kilogramm im Fleur de Sel von Rewe bis zu dem größten Wert von rund 1.800 Mikrogramm in der Stichprobe von Aquasale. In einem Fall war sogar mit bloßem Auge eine Kunststoff-Faser zu erkennen. Umwelt- und Geochemikerin Dr. Barbara Scholz-Böttcher sagt: "Wir haben vor allem Polyethylen und Polypropylen gefunden, typische Verpackungskunststoffe, die durch Müll ins Meer kommen und durch verschiedene andere Quellen natürlich auch."

Müll in den Weltmeeren

Nach Angaben der Umwelt- und Naturschutzorganisation WWF, ist Plastik in den Meeren ein ständig wachsendes Problem. Die Umweltorganisation geht davon aus, dass jährlich sieben Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer landen. Die größte Quelle für Mikroplastik im Meer ist laut einer Studie des Umweltbundesamtes die Zersetzung größerer Plastikteile wie Plastiktüten, alte Fischernetze oder anderer Kunststoffmüll. Dieser wird durch Wind, Wetter und Gezeiten zu Mikroplastik zerkleinert.

Mikroplastik auch in Fischen, Muscheln und Vögeln

Mikroplastik sind Plastikteile, die kleiner als fünf Millimeter sind. In der Vergangenheit haben Forscher Mikroplastik bereits in Vögeln, Fischen, Muscheln und Krebsen nachgewiesen. Nun also auch in Fleur de Sel. Für Dr. Barbara Scholz-Böttcher kein Wunder: "Die Untersuchungen im Meersalz zeigen einfach, dass sich der Kreislauf schließt.", so Scholz-Böttcher.

Deutlich weniger Plastik in herkömmlichem Meersalz

Im Test wurde auch herkömmliches Meersalz untersucht. Die Plastikrückstände dort sind mit 15 bis 59 Mikrogramm deutlich geringer als beim Fleur de Sel. Einen Grund für die Unterschiede sehen die Wissenschaftler aus Oldenburg in der Gewinnung des Edelsalzes. Viele Kunststoffe haben eine geringere Dichte als Wasser und schwimmen länger an der Oberfläche. Dort werden sie dann zusammen mit den Salzkristallen abgeschöpft.

Auswirkungen von Mikroplastik kaum erforscht

Wie gefährlich Mikroplastik für den Menschen ist, ist noch kaum erforscht. Es gibt auch keine gesetzlichen Regelungen oder Höchstgrenzen für Mikroplastik in Lebensmitteln. Der Toxikologe Edmund Maser von der Universität Kiel, der die Untersuchungsergebnisse aus erster Hand kennt, geht davon aus, dass Mikroplastik in den Mengen wie sie gefunden wurden, dem Menschen wahrscheinlich noch nicht schaden kann. "Aber wir wissen, Mikroplastik ist eine Matrix, die Schadstoffe anreichern kann und dass es dann, wenn man das Mikroplastik gegessen hat, dort im Körper zur Freisetzung dieser Schadstoffe kommt, die sich dann allerdings im Körper auch anreichern und unter Umständen dann gesundheitsschädlich sein können."

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